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US-Wahl: Obama erringt historischen Sieg

Es war ein historischer Sieg und er war überwältigend: Barack Obama hat John McCain haushoch geschlagen und wird als erster schwarzer Präsident ins Weiße Haus einziehen. In seiner bewegenden Siegesrede vor Hunderttausenden Anhängern in Chicago sagte Obama, der Wandel sei nach Amerika gekommen.

Yes, he can. Um 4.59 Uhr war es so weit. Die US-Nachrichtensender verkündeten: Barack Hussein Obama, der Kandidat der Demokraten, hat die Wahl zum 44. Präsidenten der USA gewonnen. Mit einem erdrutschartigen Sieg. Nach derzeitigem Stand der Ergebnisse summieren sich die Wahlmännerstimmen, die er in den bisher ausgezählten US-Bundesstaaten gewonnen hat, auf 338 Stimmen. 270 sind nötig, um den republikanischen Konkurrenten John McCain aus dem Feld zu schlagen. McCain kommt derzeit auf 163 Stimmen. Obama zieht somit als erster Schwarzer ins Weiße Haus in Washington ein.

Hunderttausende Anhänger hatten sich in Chicago im Grant Park versammelt, als der neu gewählte Präsident um 6 Uhr MEZ mit seiner Frau Michelle und seinen beiden Töchtern vor die Menge trat. "Der Wandel ist nach Amerika gekommen", sagte Obama in seiner umjubelten Siegesrede.

Obama sagte, das Land stehe angesichts zweier Kriege im Irak und Afghanistan sowie der gravierenden Finanzkrise vor enormen Herausforderungen. Es werde eine Zeit brauchen, die Wirtschaft anzukurbeln und "Allianzen zu reparieren". Aber er werde es schaffen. Obama beschwor seine Landsleute, über die Parteigrenzen hinweg für das Wohl der Nation zusammenzuarbeiten.

"Ein Beweis der Macht der Demokratie"

Die Wahl habe bewiesen, dass es die Vereinigten Staaten von Amerika gebe, über alle sozialen und ethnischen Grenzen hinweg. Es sei "ein Beweis der Macht der Demokratie", sagte ein strahlender Obama, der sich stolz auf die überwältigende Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen an der Wahl zeigte. "Ich werde immer aufrichtig mit Euch sein", versprach er seinen Anhängern. Er rief zur Zusammenarbeit auf und appellierte auch an jene Amerikaner, die ihn nicht gewählt hatten, ihn nun zu unterstützen. "Ich brauche Eure Hilfe, und ich werde auch Euer Präsident sein."

Nur 20 Minuten nachdem die Fernsehsender den Sieg Obamas verkündet hatten, war bereits der unterlegene John McCain in Phoenix in seinem Heimatstaat Arizona vor seine Anhänger getreten und hatte seine Niederlage eingestanden. Er gratulierte Obama ebenso wie der noch amtierende Präsident George W. Bush. McCain nannte die Wahl "historisch" und sagte, dass er es anerkenne, dass diese Wahl etwas Besonderes für schwarze Amerikaner sei. "Senator Obama hat etwas Großes für dieses Land geleistet. Und ich bewundere ihn dafür", sagte McCain. Er gratulierte auch Obamas künftigem Vizepräsidenten Joe Biden, den er einen "Freund" nannte.

McCain: Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg

"Es war die Ehre meines Lebens, diesen Wahlkampf führen zu dürfen", erklärte McCain. Er sagte, dass er es sehr bedauere, dass Obamas Großmutter diesen Tag nicht mehr erlebt habe. Sie war am Tag vor der Wahl gestorben. McCain dankte auch seiner Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, die ebenso wie McCains Frau Cindy und Palins Ehemann mit auf der Bühne stand. Am Tag nach der Wahl müsse die Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen hinweg beginnen, um den großen Herausforderungen gerecht zu werden, "mit denen die größte Nation der Welt" konfrontiert sei, sagte McCain weiter und forderte die Amerikaner auf, die politischen Gegensätze zu überwinden. Zum Schluss seiner kurzen Rede bedankte sich McCain bei seinen Helfern und räumte ein: "Der Fehler liegt bei mir und nicht bei Euch."

Bereits um 2.40 Uhr stand fest: Barack Obama gewinnt den Schlüsselstaat Pennsylvania, wo er in den Vorwahlen noch gegen Hillary Clinton verloren hatte. Um 3.39 Uhr dann der nächste entscheidende Sieg: der Bundesstaat Ohio. "As Ohio goes, so goes the nation", sagen die Amerikaner - wie Ohio wählt, so wählt die Nation. In den elf vergangenen Wahlen stand der Staat im Mittleren Westen immer auf der Seite des Siegers. Obama baute seinen Vorsprung schnell aus. Als anderthalb Stunden später die Ergebnisse in Kalifornien verkündet wurden, war klar: Obama hat die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erreicht. Die Demokraten sicherten sich außerdem die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus - damit sind die USA fest in demokratischer Hand.

Mit dem Sieg Obamas endete einer der längsten, teuersten und spannendsten Wahlkämpfe der US-Geschichte. Bis in den Sommer dieses Jahres hinein hatte der Senator aus Illinois sich bei bisweilen zermürbenden Vorwahlen zunächst gegen seine parteiinterne Konkurrentin Hillary Clinton durchsetzen müssen. McCains Nominierung hatte bereits im Winter festgestanden. Obamas Erfolg ist einer grandios klugen Wahlkampfführung geschuldet, der McCains Lager zu keinem Zeitpunkt hatte Paroli bieten können.

Obama gilt als Heilsbringer der USA

Mit dem 47-jährigen Obama hat nun ein Mann das Weiße Haus erobert, der einen Gegenentwurf bietet zur jetzigen Regierung von George W. Bush - liberal, überlegt, modern, offen. Immer wieder hat Obama in den vergangenen Monaten beteuert, dass es ihm darum gehe, die tiefe politische Spaltung der amerikanischen Gesellschaft zu überwinden und auf die gegnerische Partei, die Republikaner, zuzugehen. Mit diesen Attributen und viel strategischem Geschick ist es Obama in den vergangenen Monaten gelungen, in weiten Teilen der US-Bevölkerung fast schon den Status eines Heilsbringers zu erlangen. Seit John F. Kennedy hat wohl kein Kandidat und kein Präsident eine vergleichbare Aufbruchstimmung erzeugt, vergleichbare Emotionen geweckt. Das führte auch dazu, dass er, für einen Demokraten ungewöhnlich, so viele Spenden einsammeln konnte, dass er seinem Konkurrenten McCain gegenüber haushoch überlegen war.

Obama gilt nun als "President-elect", als gewählter Präsident. Seinen Amtseid soll er am 20. Januar 2009 ablegen. In der Übergangsphase bis dahin wird er sein Kabinett ebenso benennen müssen wie mehr als 1000 höhere Beamte in Washington. Die Regierung Bush hat bereits zugesagt, eng mit der neuen Regierungsmannschaft kooperieren zu wollen, um eine lückenlose Machtübergabe zu gewährleisten. Gerade in Zeiten einer Finanz- und Wirtschaftskrise sowie gefährlicher Einsätze des US-Militärs im Irak und in Afghanistan, wolle man keinesfalls ein Machtvakuum entstehen lassen.

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fgüs/nik/ukl/DPA