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Video-Botschaft: Al Kaida bedroht Deutschland

Nach Ansicht des US-Instituts IntelCenter ist es die "bedeutendste Botschaft Al Kaidas an Deutschland überhaupt": In einem im Internet aufgetauchten Video droht ein Vermummter ausschließlich den Deutschen und beweist dabei gute Kenntnisse der deutschen Innenpolitik.

Im Internet ist ein angebliches Video des Terrornetzwerks Al Kaida aufgetaucht, das sich an Deutschland richtet. Unter dem Titel "Das Rettungspaket für Deutschland" stößt ein deutsch sprechender Vermummter Drohungen aus und fordert den Abzug der Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan. Der Mann nennt sich Al Hafidh Abu Talha - Der Deutsche. In dem rund 30-minütigen Video kündigt er aber keine konkreten Anschläge an. Die Aussagen des Sprechers, der sehr gute Kenntnisse der deutschen Innenpolitik aufweist, sind mit arabischen Untertiteln unterlegt.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hält das Droh-Video für authentisch. Bei dem vermummten Sprecher handele es sich um einen deutschen Staatsangehörigen, der das Land in der ersten Jahreshälfte 2007 verlassen und anschließend ein Terror-Ausbildungslager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet besucht habe. Das sagte ein BKA-Sprecher am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Der Mann habe Kontakt "zu Führungskreisen der El Kaida". Auch wenn der Vermummte keine konkreten Anschläge ankündige, werde dennoch "eine erhebliche Drohkulisse" ausschließlich gegen Deutschland aufgebaut, betonte der BKA-Sprecher. Man gehe davon aus, dass der zweite Teil des Videos auf den Oktober 2008 datiert, der erste jedoch jüngeren Datums sei. Der Film untermauere die Einschätzung der Sicherheitsbehörden, dass auch Deutschland im Visier der Terroristen steht.

Das Bundesinnenministerium erklärte dazu am Sonntag: "Den deutschen Sicherheitsbehörden ist das Video bekannt. Es wird derzeit ausgewertet. Seine Diktion bestätigt erneut die Einschätzung der Sicherheitsbehörden, dass sich Deutschland im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus befindet." Das auf die Auswertung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Institut IntelCenter, das nahe Washington ansässig ist, sprach von der bislang "bedeutendsten Botschaft Al Kaidas an Deutschland und möglicherweise an ein europäisches Land überhaupt".

Der Vermummte erklärt in dem Video, die Deutschen wären "leichtgläubig und naiv", wenn sie meinten, in Afghanistan "als drittgrößter Truppensteller ungeschoren davon zu kommen". Es sei seit 1993 sein Wunsch, "sich für Allah in die Luft zu sprengen". "Die Finanzkrise fegte den deutschen Stolz weg", sagt der Mann weiter in dem auf Oktober 2008 datierten Video. Ob das milliardenschwere Rettungspaket der Regierung der deutschen Wirtschaft helfen werde, liege an den Deutschen selbst. Wenn die Bundeswehr aus Afghanistan abgezogen werde, "könnten die Erwartungen der Regierung vielleicht eintreffen". Sollten die Deutschen jedoch auf "diesem unnötigen Krieg" beharren, werde die Rechnung nicht aufgehen. "Es stehen nicht nur Menschenleben auf dem Spiel, sondern auch Arbeitsplätze", sagt der Mann weiter.

"Einem Exportweltmeister kann man nicht nur daheim Schaden zufügen." In der vernetzten Wirtschaft von heute sei es leicht, an einem anderen Ort zuzuschlagen und dennoch zu treffen. Während der Mann diese Drohungen ausspricht, schraubt er eine Panzerfaust zusammen. Seine Botschaft hat er mit dem Titel "Das Rettungspaket für Deutschland" versehen. Der Mann kritisiert die deutschen Medien für die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen, die im September 2005 in Dänemark erstmals von einer Zeitung gedruckt worden waren und in der islamischen Welt eine Welle der Empörung ausgelöst hatten. Ebenso empört er sich über die Inszenierung der Mozart-Oper Idomeneo in Berlin, bei welcher in einer Szene der abgeschlagene Kopf des Propheten Mohammed gezeigt wurde.

Der Sprecher, der in einer Szene mit einer Panzerfaust bewaffnet ist, in einer anderen ein Maschinengewehr bei sich hat, warnt die Deutschen, sie könnten den Krieg in Afghanistan "niemals" gewinnen. "Den Deutschen läuft die Zeit davon", sagt der Mann. "Hochmut habt ihr reichlich, und der Fall steht vor der Tür."

AP/DPA / AP / DPA