Videofälschung Das FBI ermittelt gegen den "Scherzbold"


Ein 22-jähriger Amerikaner hat seine eigene Enthauptung durch muslimische Extremisten auf Video inszeniert. Er wollte zeigen, wie leicht solche Bilder zu fälschen seien. Das FBI hat die Ermittlungen aufgenommen.

Nach der Veröffentlichung von Aufnahmen von der angeblichen Enthauptung einer US-Geisel im Irak ermittelt die amerikanische Bundespolizei FBI gegen den 22-jährigen Urheber. Benjamin Vanderford hatte in einem Video, das am Samstag auf einer islamistischen Web-Site verbreitet wurde, seine Hinrichtung durch Extremisten simuliert. Der Film ähnelte einem Video, mit dem eine Terrorgruppe die Ermordung des Amerikaners Nicholas Berg festgehalten hatte. Das FBI werde alle rechtlichen Möglichkeiten verfolgen, sagte Sprecherin LaRae Quy.

Erst am Samstag verbreitet

Das Video stellte der 22-Jährige nach eigenen Angaben bereits vor Monaten ins Internet. Es wurde am Samstag von einer islamistischen Web-Site verbreitet und von arabischen Fernsehsendern ausgestrahlt. Bis dahin habe niemand von den Aufnahmen Notiz genommen, sagte Vanderford. Mit dem Film habe er zunächst Aufmerksamkeit auf seine Bewerbung für ein politisches Amt lenken wollen. Zudem habe er zeigen wollen, wie leicht derartige Videos gefälscht werden könnten.

Das Video war betitelt mit den Worten "Abu Mussab al Sarkawi schlachtet einen Amerikaner". Den gleichen Titel trugen die Aufnahmen, die im Mai die Enthauptung des Amerikaners Nicholas Berg zeigten und die ebenfalls auf einer islamistischen Web-Site veröffentlicht wurden. Ob Sarkawi auf dem damaligen Video tatsächlich zu sehen war oder ob er nur die Verantwortung für den Befehl zur Ermordung Bergs übernahm, ist unklar. Seine Gruppierung Tawhid und Dschihad hat sich auch zur Tötung von zwei Geiseln aus Südkorea und Bulgarien bekannt. Sie soll Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida haben.

Nur künstliches Blut

Auf den selbst gemachten Aufnahmen sitzt Vanderford auf einem Stuhl in einem dunklen Raum, die Hände auf dem Rücken. "Wir müssen dieses Land in Ruhe lassen. Wir müssen diese Besatzung beenden", sagt er. "Wir müssen dieses Land auf der Stelle verlassen. Wenn wir das nicht tun, wird jeder auf diese Weise getötet." Anschließend ist zu sehen, wie er bewegungslos auf der Seite liegt, und es wird angedeutet, wie ein Messer in seinen Hals schneidet. Dabei sei aber nur künstliches Blut geflossen, räumte er am Samstag ein.

Außer Vanderford sind in dem Video keine weiteren Personen zu sehen. Bekleidet ist der 22-Jährige mit einem hellen T-Shirt. Im Hintergrund wird der Koran rezitiert. Wann oder wo das Video entstand, ist auf den Bildern nicht zu erkennen. Vanderford sagte, er habe die Aufnahmen mit den Hamas-Bildern zusammengeschnitten und anschließend am Computer ihre Qualität verschlechtert.

Keine Entschuldigung

Zwar könne er verstehen, dass die Angehörigen der Geiseln, die tatsächlich im Irak getötet wurden, ihm seinen Scherz übel nähmen, sagte er. Für die Aufnahmen werde er sich dennoch nicht entschuldigen. Sie zeigten, dass eine kleine Gruppe im Irak oder in Saudi-Arabien noch sehr viel mehr Aufmerksamkeit erlangen könnte, indem sie einfach etwas über das Internet verbreite.

Ron Harris, AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker