HOME

Viktor Juschtschenko: Jawort im Parlament

Der ukrainische Oppositionspolitiker Viktor Juschtschenko hat sich zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt und den Präsidenteneid geschworen. Die Regierungsparteien blieben der Parlamentssitzung fern.

Der ukrainische Oppositionschef Viktor Juschtschenko hat nach einer turbulenten Parlamentssitzung auf Drängen seiner Partei den Amtseid des Präsidenten gesprochen. Juschtschenko habe dabei auf eine 300 Jahre alte Bibel geschworen, meldete die Agentur Interfax aus dem Parlamentsgebäude in Kiew. Zuvor hatte Parlamentspräsident Wladimir Litwin die Sondersitzung der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament unterbrochen, an der nur Abgeordnete aus dem Oppositionslager teilgenommen hatten.

"Ich schwöre, dass wir gewonnen haben"

In einer kurzen Ansprache während der Sitzung bekräftigte Juschtschenko seinen Anspruch auf den Wahlsieg vor Ministerpräsident Viktor Janukowitsch, der offiziell zum Gewinner erklärt worden war. "Ich schwöre vor allen ehrlichen Menschen, dass wir gewonnen haben", zitierte ihn die russische Nachrichtenagentur Ria-Nowosti.

Am Mittag hatte die ukrainische Opposition ihren Anführer Viktor Juschtschenko auch ohne Anerkennung durch die Wahlleitung bereits zum Sieger der Präsidentenwahl ausgerufen. In einer Erklärung vom Dienstag wurde das Ausland gebeten, "den neuen ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko zu unterstützen, so wie es das Volk der Ukraine getan hat." Die Wahlleitung habe Juschtschenko um den Sieg betrogen, hieß es nach Angaben der Agentur Interfax. Das Papier war auch von dem Kandidaten selbst unterzeichnet.

Hunderttausende Demonstranten in Kiew

Um ihren Willen Nachdruck zu verleihen, hatten am Dienstagvormittag hunderttausende Menschen gegen den vermuteten Betrug bei der Präsidentenwahl und den Sieg von Ministerpräsident Viktor Janukowitsch protestiert. In einem Meer orangefarbener Flaggen zogen der unterlegene Oppositionsführer Viktor Juschtschenko und zehntausende Anhänger zum Parlament in Kiew. Sie verlangten eine faire Auszählung der Wahl vom Sonntag. Dabei blieben die Proteste friedlich und erinnerten nach Angaben von Augenzeugen eher an ein Volksfest.

Juschtschenko bat in einer Erklärung die Parlamente anderer Länder um Unterstützung. "Wir stellen grobe Verfälschungen der Wahlergebnisse fest, die auch bei der Ermittlung des Siegers das Ergebnis ins Gegenteil verkehrt haben", hieß es darin.

In der westukrainischen Stadt Lwow (Lemberg) demonstrierten nach Medienberichten ebenfalls etwa 100.000 Menschen für Juschetschenko. Im Osten der Ukraine in Donezk gingen die Menschen dagegen für den Wahlsieger Janukowitsch auf die Straße.

DPA / DPA