Viktor Juschtschenko Toxikologe warnt vor Selbstmord


Ein Münchner Experte bezweifelt die schnelle Genesung des Oppositionsführers Juschtschenko. Dioxin löse den Drang zum Selbstmord aus. In den meisten Fällen bringt sich der Vergiftete nach wenigen Wochen selber um.

Der Münchener Toxikologe Max Daunderer äußerte in einem Interview mit dem Radiosender WDR 2 Zweifel an den Aussagen der Wiener Ärzte, wonach Juschtschenkos Gesundheitszustand insgesamt wieder befriedigend sei. "Ich nehme an, dass er sehr krank ist", sagte der Professor. Nach einer Dioxinvergiftung sei davon auszugehen, "dass jetzt alle Organe gefährdet sind". Außerdem führe das Gift zu erheblichen Änderungen der Persönlichkeitsstruktur, Depressionen und Selbstmord-Gedanken. Dioxin sei daher typisch für Mordanschläge von Geheimdiensten: "Man geht ja davon aus, dass dann der Vergiftete, wenn die Wirkung einsetzt, nach wenigen Wochen durch einen Selbstmord stirbt", sagte Daunderer.

Ein Parlamentsausschuss in Kiew hat nach der Bestätigung der Dioxin-Vergiftung des Oppositionsführers Juschtschenkos weitere Untersuchungen zu dem Fall angekündigt. "Wir sind nicht überzeugt, dass eine absichtliche Vergiftung bewiesen werden kann", sagte der Ausschussvorsitzende Wolodymyr Siwkowytsch am Montag. Siwkowytsch ist ein Anhänger von Ministerpräsident Viktor Janukowitsch, dem Gegner Juschtschenkos bei der neu angesetzten Präsidentschaftswahl am 26. Dezember.

Bereits im Oktober hatte sich ein Ausschuss unter Leitung Siwkowytschs mit der plötzlichen Erkrankung Juschtschenkos im Wahlkampf befasst und kam zu dem Schluss, dass der Oppositionsführer unter einem viralen Infekt und mehreren anderen Krankheiten leide. Die Wiener Privatklinik Rudolfinerhaus hatte am Sonntag nach ausführlichen Untersuchungen jedoch eine Vergiftung diagnostiziert. Auch die ukrainische Staatsanwaltschaft kündigte daraufhin an, ihre im Oktober ohne Ergebnis eingestellten Ermittlungen wieder aufzunehmen.

Juschtschenko forderte am Sonntag, die Untersuchung auf die Zeit nach der Wahl am 26. Dezember zu verschieben. Er wolle nicht, dass die Wähler von den Ermittlungen beeinflusst würden, egal ob positiv oder negativ, sagte der Oppositionsführer. Die Ermittlungen des Untersuchungsausschusses bedürfen der Zustimmung des Parlaments, das den Zeitpunkt daher noch beeinflussen könnte.

AP AP

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