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Vorwahl-Sieger Mitt Romney Selfmade-Millionär und Krisenprofiteur


Mitt Romney ist der große Sieger der Vorwahlen in New Hampshire. Doch nun holt ihn seine Vergangenheit ein, und die Attacken gegen den ehemaligen Wall-Street-Mann werden schärfer.
Von Martin Knobbe, Manchester in New Hampshire

Düstere Wolken in Schwarzweiß, Bilder von der New Yorker Wall Street, dann eine Frau, sichtlich krank und ermattet vom Leben, die sagt: "Ich denke, das ist der Mann, der uns zerstört hat."

Der Mann, von dem da die Rede ist, heißt Mitt Romney. Er taucht in dem Film als Jetsetter im weißen Hemd auf, als skrupelloser Businessmann, der Firmen in den Konkurs getrieben hat, um seine eigenen Gewinne hoch zu treiben. Als "Anführer von Gangstern" wird er geschmäht, als einer, der Amerika in einen "Albtraum" geführt habe. Eine halbe Stunde dauert der Film mit dem fast lyrischen Titel "Als Mitt Romney in die Stadt kam".

Der erste "Doppelsieger" seit 35 Jahren

Er ist der vorläufige Höhepunkt einer aggressiven Kampagne gegen den 64-Jährigen Präsidentschaftskandidatenanwärter der Republikaner, die in den nächsten Wochen wohl noch an Schärfe zunehmen wird. Seit Dienstagnacht nämlich führt Mitt Romney mit großem Abstand das Feld der Kandidaten an. Ihm ist dabei sogar ein historischer Rekord gelungen: Seit 1976 hat es bislang kein Bewerber geschafft, die beiden ersten Vorwahlen zu gewinnen, die traditionell zunächst in Iowa und eine Woche später in New Hampshire stattfinden. Für viele steht Romney bereits als Herausforderer von Präsident Barack Obama fest, bevor der parteiinterne Wahlkampf überhaupt so richtig an Fahrt gewonnen hat.

39 Prozent der Stimmen hat der ehemalige Gouverneur von Massachusetts in dem kleinen Staat an der Ostküste geholt. Und damit sogar die Erwartungen seiner engsten Berater übertroffen, für die bereits 38 Prozent eine Traummarke gewesen war. Mit 23 Prozent landete Ron Paul, der 76-jährige Kongressabgeordnete aus Texas, überraschend auf dem zweiten Platz. Seine zumeist jungen Fans hatten den buntesten Wahlkampf geboten: Mit "Ron-Paul"-Raps, Laserinstallationen an die Hochhäuser in Downtown Manchester, einer Armada Jugendlicher, die bibbernd vor den Wahllokalen ausharrten und Schilder für ihren Kandidaten hoch hielten. "Wir bleiben gefährlich", gluckste ein fröhlicher Ron Paul dann am Abend in die Mikrofone. Und es war jedem klar, an wen es adressiert war.

Romney gilt als einer, der weiß, wie das geht mit den Jobs

Die heftigsten Angriffe gegen Mitt Romney aber kommen aus dem Lager eines anderen Bewerbers: Newt Gingrich, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, gilt als sein schärfster Widersacher. Den 30-minütigen Propaganda-Film über seine Wall-Street-Vergangenheit hat eine Unterstützergruppe Gingrichs namens "Unsere Zukunft gewinnen" finanziert. Mit mehreren Millionen Dollar in ihrer Kriegskasse hat sie bereits zahlreiche Anti-Romney-Werbespots in South Carolina platziert, wo am 21. Januar die nächsten Vorwahlen stattfinden. Und wo die Menschen noch etwas konservativer sind als im aufgeschlossenen Nordosten des Landes.

Die Strategie der Gegner könnte aufgehen, zumindest bei einem Teil von Romneys bisherigen Unterstützern. Mit seiner Idee des freien Marktes, der mit so wenig Regularien wie möglich auskommen soll, spricht Romney gerade die weiße, konservative Mittelschicht an, die durch Barack Obamas Reformvorhaben stark verunsichert ist. Sie sehnt sich einen Praktiker wie Romney herbei, der wieder für Aufschwung und mehr Arbeitsplätze sorgen soll. Der weniger von Visionen einer gerechteren Welt und mehr von Steuererleichterungen spricht. Romney selbst präsentiert sich bei seinen Auftritten gerne als Mann der Wirtschaft, der Hunderttausende von Arbeitsplätzen geschaffen habe. Als einer, der weiß, wie das geht.

Er selbst wirbt mit seiner Vergangenheit

Zugleich aber ist dieser Wählerschicht noch gut Erinnerung, wo einst die Krise begann, unter der sie nun leidet: an der New Yorker Wall Street. Dort, wo Mitt Romney in den 80er und 90er Jahren mit seiner Risikokapitalgesellschaft Bain Capital viele Jahre lang Millionengewinne gescheffelt hat. Sein Vermögen wird heute auf bis zu 250 Millionen Dollar geschätzt.

Romney selbst macht aus seiner Vergangenheit keinen Hehl. Ganz im Gegenteil, er wirbt damit. Er habe Firmen mit großem Namen zum Aufschwung verholfen: den Büroausstatter Staples, die Imbisskette Dominos's Pizza, selbst eBay war unter seinen Kunden. Er habe Firmen vom drohenden Untergang in die Millionenprofite geführt. Er verschweigt dabei aber, was nun seine Gegner und Journalisten Tag für Tag ausgraben: Dass es unter den 150 Firmen auch welche gab, die bankrott gingen, nachdem Bain Capital sich ihrer angenommen hatte: darunter ein Stahlunternehmen oder eine Firma, die Fotoalben produzierte. Die Opfer von einst, die gekündigten Mitarbeiter, spielen nun die Ankläger in dem halbstündigen Propagandafilm: Sie hätten alles verloren, während Mitt Romney aus ihrem Verlust noch Gewinne abschöpfen konnte.

In den Umfragen liegt Romney weiter vorne

Trotz der Angriffe werde Mitt Romney seine Strategie nicht ändern, sagt Robert O'Brien, einer seiner Berater. Romney werde auch weiterhin nicht seine Konkurrenten angreifen, sondern alleine den amtierenden Präsidenten. "Er wird höchstens den Leuten erklären, dass seine Firma eben gerade nicht zu den Spekulanten gehörte, die uns in die Krise geführt haben", sagt O'Brien. "Und ich glaube, unsere Anhänger können da sehr genau differenzieren."

Das können sie zumindest zur Zeit noch: Umfragen sagen Mitt Romney auch einen Sieg in South Carolina voraus. Die 39 Prozent von New Hampshire werden aber wohl schwer zu wiederholen sein.


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