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ZDF-Doku "Mensch Putin" Hüttenkäse und Gesichtsoperation


Mag Hüttenkäse und Sport. Hatte eine harte Jugend und eine Gesichts-OP. Und sonst? Die ZDF-Doku über den russischen Präsidenten bringt einem den Menschen Putin ein wenig näher, den Politiker kaum.

Trinkt er nun, oder trinkt er nicht? Über den Alkoholkonsum des russischen Präsidenten sagen die einen dies, die anderen das. Ein früherer Kumpel aus DDR-Zeiten meinte 2006, der angeblich große Bierdurst des Wladimir Wladimirowitsch Putin sei schiere Verleumdung: "Höchstens mal ein Bier", erzählte der Schweißer Bernd Naumann einst der "Sächsischen Zeitung". Aber es gibt eben auch diese Geheimdienstakte aus den 80er Jahren, als der jetzige Präsident Russlands in Dresden als KGB-Agent spionierte: "Putin habe im Kreise seiner Kollegen heftig dem Alkohol zugesprochen", heißt es darin. Daraus zitieren die Macher einer Putin-Doku, die das ZDF am Dienstag gezeigt hat. Es sollte der Versuch sein, den Menschen hinter der Fassade des stoischen Bärenringers, Kriegsherren und "lupenreinen Demokraten" zu zeigen.

Es liegt ja auch nahe, das Phänomen Putin zu erklären, der Mann gibt der Welt schließlich genug Rätsel auf, allein schon wegen seiner Rolle im Ukraine-Krieg. Filmemacher Michael Renz, der schon Dokus wie "Unser Krieg" (über Afghanistan) und "Vorsicht Verschwörung!" (über die Anschläge vom 11. September) gedreht hat, lagen einige "exklusive Dokumente" vor, aus denen er sein Psychogramm "Mensch Putin" geschnitzt hat. Das Ergebnis, so die "Süddeutsche Zeitung" lakonisch, "ist ein bisschen krümelig, aber leicht verdaulich wie der Hüttenkäse, den Putin morgens zu sich nimmt."

Faul und sportbesessen zugleich

Harte politische Fakten, aus denen sich vielleicht künftige Handlungen etwa in der Ukraine ableiten ließen, lässt Renz außen vor, dafür hat er einiges aus Putins Nähkästchen zu erzählen - was wiederum aus den besagten, westlichen Geheimdienstakten stammt. Danach soll der russische Staatschef gerne lange schlafen, zwar faul, aber auch sportbesessen sein und sein Gesicht operativ habe richten lassen. Seine Kindheit war offenbar karg und hart, die Sowjetunion seine seelische Heimat und Spionsein sein Traumberuf. All das hat einen "Triumphator" geformt, den nur "eines umtreibe: der Erhalt seiner Macht", so die großsprecherische Ankündigung des ZDF. Interessant und bislang kaum bekannt ist allerdings, dass es wohl mindestens fünf Anschlagsversuche auf ihn gegeben haben soll.

Für Menschen, die Putin nur aus der Tagessschau kennen, also wohl die meisten, ist die Doku ein schmissiges Stück Volkshochschule, das über den sehr menschlichen Zugang (soll Frau geschlagen haben, soll Entscheidungen beim Bahnenziehen im Pool treffen, mag Hüttenkäse) in den Bann zieht. Ganz gleich, ob das eine oder andere Detail bekannt ist oder nicht. Zuschauer, die sich irgendeine Näherung an den Politiker Putin erhofft haben, werden enttäuscht. Die Botschaften, die die Macher in die 45 Minuten verpacken, lautet: Seht, Putin der Spion, seht in diese kalten, blauen Augen, seht, aus welcher Richtung die Gefahr kommt.

Niels Kruse

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