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AfD-Spitzenkandidat in Brandenburg: Ein Mann, der gern nach den Rechten sieht: Andreas Kalbitz, der populäre Populist

Die AfD in Brandenburg um Spitzenkandidat Andreas Kalbitz könnte die stärkste Kraft bei den Landtagswahlen werden. Wer ist der Mann, der eine Vielzahl an rechtsextremen Kontakten hat – und trotzdem populär ist?

Andreas Kalbitz, Spitzenkandidat und Landeschef der AfD in Brandenburg

Andreas Kalbitz, Spitzenkandidat und Landeschef der AfD in Brandenburg

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Seine Anhänger scheint es nicht zu stören: AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz steht trotz neuer Enthüllungen zu rechtsextremen Kontakten blendend da. Die Umfragen sehen die brandenburgische AfD gleichauf oder knapp hinter der SPD. Sollte sie bei der Landtagswahl stärkste Kraft werden, dürfte Kalbitz nicht nur seine eigene Position in der Partei, sondern auch die Macht des rechtsnationalen "Flügels" in der AfD stärken.    

Im Potsdamer Landtag dürfte der 46-Jährige dennoch weiter auf der Oppositionsbank sitzen: Alle anderen Parteien lehnen eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten nach der Wahl ab.    

Der Aufstieg des gebürtigen Münchners, der erst Jahre nach der Wende in den Osten übersiedelte, vollzog sich lange Zeit im Schatten von Parteichef Alexander Gauland und "Flügel"-Frontmann Björn Höcke. Während Höcke regelmäßig mit rechten Provokationen aufwartet, lässt Kalbitz bei seinen Reden und Äußerungen Vorsicht walten.    

Vielzahl an rechtsextremen Kontakten

Seine zahlreichen Verknüpfungen ins rechtsextreme Lager redet er gern klein. Im Jahr 2007 war Kalbitz bei einem Pfingstlager der inzwischen verbotenen rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ). In den 90er-Jahren hatte er sich bei den als rechtsextrem eingestuften Republikanern engagiert. Ab Ende 2014 war er für kurze Zeit Vorsitzender des von einem ehemaligen SS-Hauptsturmführer mitbegründeten Vereins "Archiv der Zeit".    

Die seit längerem bekannte Liste rechtsextremer Kontakte wurde zuletzt um einige Punkte ergänzt: Kurz vor seiner Teilnahme am HDJ-Zeltlager nahm Kalbitz laut einem Bericht des "Spiegel" 2007 in Athen an einem rechtsextremen Aufmarsch teil. Er wohnte demnach in einem Hotel mit 13 deutschen Rechtsextremisten, darunter der damalige NPD-Chef Udo Voigt. In einem BKA-Dokument ist demnach die Rede von "14 deutschen Neonazis".    

Zudem soll Kalbitz als 20-Jähriger im Jahr 1993 an einem Sommerlager des rechtsextremen Vereins "Die Heimattreue Jugend e.V." in Thüringen teilgenommen haben, dem Vorläufer der HDJ. Das berichtete der Rundfunk Berlin-Brandenburg am Donnerstag. Kalbitz sagte, das sei ein "alter Hut" und "Wahlkampfgetöse".    

Andreas Kalbitz: Vom (angeblichen) Informatikstudium bis zum AfD-Landesvorsitz in Brandenburg

"Meine Biografie wird sehr verkürzt", beklagte der AfD-Politiker kürzlich vor Journalisten. "Man könnte mir unterstellen, dass ich rechtsextreme Bezüge habe, aber sicher keine rechtsextreme Biografie."     

Seine Zugehörigkeit zum rechten Rand der AfD manifestiert Kalbitz gleichwohl bei vielen Auftritten an der Seite Höckes - etwa bei den jährlichen Kyffhäuser-Treffen. Dort ruft er die "Flügel"-Anhänger zum "Widerstand" auf, ätzt gegen die politischen Gegner gleichermaßen wie gegen Flüchtlinge und Migranten.    

Das kommt vor allem im Osten gut an, wo der "Flügel" die AfD-Landesverbände beherrscht. "Vollende die Wende" steht auf AfD-Plakaten zur Landtagswahl. Dass Kalbitz zur Wendezeit weit weg in Westdeutschland war, tut seiner Popularität keinen Abbruch. 1972 in München geboren, war er von 1994 bis 2006 zunächst Zeitsoldat und Fallschirmjäger bei der Bundeswehr.    

Ein im Lebenslauf aufgeführtes Informatikstudium an der Fachhochschule Brandenburg an der Havel fand nach Recherchen der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" nicht statt: Er war dort zwischen 2005 und 2007 lediglich eingeschrieben und wurde dann exmatrikuliert. Nach einer Ausbildung zum Medienkaufmann war Kalbitz von 2009 bis 2013 Geschäftsführer eines Hörbuchverlags, nach dessen Insolvenz arbeitete er ab 2013 als selbstständiger IT-Berater.

Weniger holprig gestaltete sich sein Aufstieg in der AfD. Kalbitz, der erste politische Erfahrungen bei der Jungen Union in Bayern und dann bei der CSU sammelte, trat der AfD noch in deren Gründungsphase im Frühjahr 2013 bei. Der mit einer Britin verheiratete Vater von drei Kindern ist seit Oktober 2014 Landtagsabgeordneter, seit Ende 2017 Fraktionsvorsitzender im Potsdamer Landtag.    

Im April 2017 beerbte er Gauland als AfD-Landesvorsitzender in Brandenburg. Seit Dezember 2017 sitzt Kalbitz auch im AfD-Bundesvorstand. Offen ist, ob er beim Bundesparteitag Ende November Gauland auch an der Spitze der Gesamtpartei ablösen könnte oder ob der "Flügel" einen anderen Kandidaten ins Rennen schickt.

Claudia Haas / fs / AFP