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Bundestagswahl: Bildung, Beruf, Herkunft: Wer für die AfD stimmte

12,6 Prozent der Wähler gaben der AfD ihre Zweitstimme. Das sind gut 5,8 Millionen Menschen, die ihr Kreuz bei den Rechtspopulisten gemacht haben und jetzt von 93 Abgeordneten im Bundestag repräsentiert werden. Wer sind die Wähler der Partei, die Angela Merkel "jagen" will?

Bildung, Beruf, Alter: Diese Wähler stimmten für die AfD

Männlich, ostdeutsch, weniger gebildet - so ist das Klischee des typischen AfD-Wählers. Aber: Fast sechs Millionen Menschen haben sich in der Wahlkabine für die Gauland-Weidel-Partei entschieden - und sie sind mitnichten nur männlich, ostdeutsch und weniger gebildet.

Die Wählerschaft der AfD ist so heterogen wie die Partei selbst, wie ein Blick in die Wahlstatistiken zeigt.

Regionale Schwerpunkte

Ja, die AfD ist vor allem in den neuen Bundesländern stark, in Sachsen sogar die stärkste aller Parteien, mit 27 Prozent der Zweitstimmen. Dahinter folgen Thüringen (22,7 Prozent), Brandenburg (20,2 Prozent), Sachsen-Anhalt (19,6 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (18,6 Prozent). Dennoch: Der Erfolg der Partei ist keinesfalls nur ein Ost-Phänomen. In mehr als der Hälfte der alten Länder erreicht die Partei ebenfalls zweistellige Ergebnisse, Rekord dort: 12,4 Prozent in Bayern. Schwer tat sich die AfD vor allem im Norden der Republik: In Hamburg und Schleswig-Holstein entschieden sich jeweils nur rund acht Prozent der Wähler für sie, zeigt das vorläufige Endergebnis des Bundeswahlleiters.

Insgesamt erreichte die AfD im Osten rund 22 Prozent aller Stimmen, im Westen gerade einmal etwa elf.


Dazu konnte die Partei drei Direktmandate erringen, im östlichsten Winkel der Bundesrepublik: Tino Chrupalla im Wahlkreis Görlitz, Karsten Hilse im Wahlkreis Bautzen I und Frauke Petry im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, wobei Petry jüngst ankündigte, nicht der AfD-Fraktion im Bundestag angehören zu wollen.

Wählerwanderungen

Wildern konnte die AfD bei der Bundestagswahl in den Wählerschichten aller großen Parteien, die größte Abwanderung herrschte von der Union: 980.000 Menschen, die vor vier Jahren ihr Kreuz bei CDU oder CSU gemacht haben, entschieden sich für einen Schritt nach rechts. Auch die SPD und die Linke, die oftmals ebenfalls als Protestpartei bezeichnet wird, verloren 470.000 bzw. 400.000 Stimmen an die AfD, so die Statistik von "Infratest Dimap" im Auftrag der AfD. Und die Rechtspopulisten haben es insbesondere geschafft, bisherige Nichtwähler zurück an die Urnen zu holen: 1,2 Millionen. Ein möglicher Schluss aus diesen Werten: Die AfD zog Protestwähler an wie keine andere Partei.

Sozialstruktur der AfD-Wähler

Interessant ist der Blick auf die soziodemographischen Daten der AfD-Wähler, über die die Erhebung der "Forschungsgruppe Wahlen" für das ZDF Auskunft gibt.

Alter: Die Jungwähler und die Alten - sie konnten offenbar am wenigsten mit der AfD anfangen und gaben ihr nur zu elf bzw. zehn Prozent ihre Stimmen. Dagegen konnte die Partei bei den 30- bis 44-Jährigen (16 Prozent) und den 45- bis 59-Jährigen (15 Prozent) punkten.

Geschlecht: Die AfD hat eine männliche Wählerschaft: 16 Prozent der männlichen Wähler entschieden sich für sie, dagegen nur neun Prozent der Frauen. Und: Im Osten stimmten sogar 26 Prozent der Männer für die AfD, also mehr als jeder vierte Wähler.

Bildung: Wer einen Hochschulabschluss in der Tasche hat, macht sein Kreuz lieber woanders als bei der AfD. Nur sieben Prozent der Uni-Absolventen wählten die Rechtspopulisten. Den größten Anteil von AfD-Wählern gibt es unter Menschen mit mittlerer Reife: 17 Prozent. Der Anteil von AfD-Wählern unter den Hauptschülern liegt bei 14 Prozent und damit in etwa auf Höhe des gesamten Wahlergebnisses.

Beruf: Klingt befremdlich, ist aber so: Die AfD ist eine Arbeiterpartei! 19 Prozent der Arbeiter stimmten für Gauland, Weidel und Co., verhältnismäßig schwach schnitt die Partei dagegen bei den Beamten ab. Hier waren zehn Prozent AfD-Wähler.

Der Blick auf die Statistiken zeigt: männlich, ostdeutsch, weniger gebildet - das trifft zwar zu, aber eben nicht nur. Die Partei konnte in nahezu allen Gesellschaftsgruppen erhebliche Stimmanteile auf sich vereinen. Die Motivation der Wähler dürfte dabei ebenso unterschiedlich sein wie ihre Zusammensetzung. 

Und genau darum wird es in den kommenden Wochen in den Forschungsinstituten und Parteizentralen auch gehen: Herauszufinden, warum fast sechs Millionen Menschen die AfD gewählt haben - und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Die überzeugten Rechten werden schwerlich zurückzuholen sein, die möglichen Protestwähler dagegen könnten ihren Weg zurück zu den etablierten Parteien finden - sie sollten eben nicht nur als männlich, ostdeutsch und weniger gebildet abgestempelt werden.