Afghanistan-Einsatz Nato bittet Berlin um Kampftruppen

Ein Einsatz deutscher Kampftruppen in Afghanistan wird immer wahrscheinlicher. Die Nato hat das Verteidigungsministerium offiziell um die Entsendung von 250 Soldaten gebeten. Verteidigungsminister Franz Josef Jung verteidigte den geplanten Einsatz bei einem Überraschungsbesuch in Afghanistan.

Die Nato hat die Bundeswehr offiziell um die Bereitstellung von 250 Soldaten für Kampfeinsätze der schnellen Eingreiftruppe in Nordafghanistan gebeten. Eine entsprechende Anfrage ist eingegangen, wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin sagte. Die Bundesregierung muss nun über eine Entsendung des Kampfverbandes entscheiden. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte bei einem Überraschungsbesuch am Dienstag in Kabul, es gebe noch keinen Beschluss dazu. In der Bundeswehr und im Bundestag wird aber fest mit einer Zusage Deutschlands gerechnet. Zu den Aufgaben der Soldaten zählten neben Schützen und Helfen auch heute schon das Kämpfen, sagte Jung.

Jung weist Kritik zurück

Jung kritisierte in Kabul Aussagen von Bundeswehrverband-Chef Bernhard Gertz, der in drastischen Worten vor einer völlig neuen Qualität des Einsatzes gewarnt hatte. "Ich hoffe, es geschieht nicht aber wir müssen damit rechnen, dass nach einem solchen Kampf auch Kameraden in Holzkisten zurück kommen", hatte Gertz der "BZ am Sonntag" gesagt. Jung wies Äußerungen in diesem Stil zurück. Der Einsatz am Hindukusch sei immer schon mit Risiken für Leib und Leben der Soldaten verbunden gewesen. Der Einsatz sei aber ein wichtiger Beitrag für den Frieden und die Stabilität, sagte der CDU-Politiker.

Berichte über Ausrüstungsmängel der Bundeswehr mit Blick auf eine Übernahme der schnellen Eingreiftruppe wies Jung als absurd zurück. Die deutschen Soldaten seien gut ausgebildet und ausgerüstet, betonte er. Jung hatte sich am Vormittag in Kabul auch mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai getroffen.

Ersatz für Norwegen gesucht

Die so genannte Quick Reaction Force hat die Aufgabe, die ISAF-Stabilisierungstruppe in Afghanistan abzusichern. Die Bundesregierung will Anfang Februar über die Nato-Anfrage entscheiden. Der Einsatz würde im Sommer beginnen, wenn Norwegen seine Soldaten der schnellen Eingreiftruppe abzieht. Die Bundesregierung hatte im Vorfeld gehofft, dass sich eine andere Nation finden würde, die die norwegischen Soldaten zu ersetzen bereit ist. Aus diesem Grund, hatte das Verteidigungsministerium bisher eine öffentliche Debatte zu einem möglichen deutschen Engagement vermieden.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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