Allawi-Anschlag Vierter Verdächtiger festgenommen


Generalbundesanwalt Kay Nehm hat im Zusammenhang mit den Anschlagsplänen auf den irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi einen vierten Verdächtigen festnehmen lassen.

Der Mann soll die Anschlagspläne unterstützt haben und stehe im Verdacht der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung, sagte am Samstag in Karlsruhe ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Die drei, bereits am Freitag festgenommenen Iraker wurden am Samstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Das Gericht wollte noch am Samstag entscheiden, ob gegen die mutmaßlichen Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe Ansar el Islam Haftbefehl erlassen wird.

Der vierte Festgenommene werde von der Polizei vernommen, sagte der Sprecher. Seine Wohnung sei durchsucht worden. Ob auch er dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werde, stehe noch nicht fest. Ob gegen drei Iraker.

Anschlag mit Molotow-Cocktail

Nach Informationen der "Berliner Morgenpost am Sonntag" sollte der Anschlag auf Allawi in Berlin mit einem Molotow-Cocktail verübt werden. Unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichtete das Blatt, dass das Attentat in jener Bank geschehen sollte, in der Allawi an einem deutsch-irakischen Wirtschaftsdialog teilnehmen wollte. Das Treffen war kurzfristig abgesagt worden. Nach Informationen des Blattes sei die Idee zu dem Anschlag erst in den letzten Tagen entstanden. "Die Planung war nicht sehr professionell", sagte ein Sicherheitsexperte.

Die am Freitag festgenommenen drei Iraker haben nach einem "Focus"-Bericht die geplante Route Allawis bei seinem Staatsbesuch in Berlin auskundschaftet. Die Polizei habe den in Berlin-Neukölln lebenden Tatverdächtigen observiert, als dieser Besuchsstationen ausspähte. Dabei sei er auch nahe des Kanzleramtes gesehen worden.

Nach "Focus"-Informationen steht der in Stuttgart festgenommene Mann in Kontakt mit dem vor mehr als einem Jahr in Italien verhafteten mutmaßlichen Ansar-al-Islam-Mitglied Mohamed Tahir Hamid. Hamid, der nach eigenen Angaben Rekruten für Selbstmordattentate im Irak geworben hatte, habe den Verdächtigen in einem abgehörten Telefonat als Adressaten eines Geldtransfers genannt.

Bundesinnenminister Otto Schily: "Wir sind wachsam"

Gegen einen der drei terrorverdächtigen Iraker wird laut "Spiegel" bereits seit 2003 ermittelt. Das Landeskriminalamt in Stuttgart verdächtige den 31-Jährigen unter anderem der Schleusung. Er soll auch der Kopf der Ansar-el-Islam-Organisation in Baden-Württemberg sein. Dem Bericht zufolge kennt der Terrorverdächtige zudem das geistige Oberhaupt der nordirakischen Gruppe Ansar el Islam, Mullah Krekar. Bei Krekars Festnahme in Oslo fanden norwegische Polizisten dem Magazin zufolge 2003 die Telefonnummer des Verdächtigen.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sieht die Behörden nach den Festnahmen im Kampf gegen den Terrorismus gut gerüstet. "Wir sind wachsam und wissen ganz gut Bescheid, was im Hintergrund vor sich geht", sagte er in Bremen. Über die Anschlagspläne sagte Schily: "Wenn man etwas sieht, muss man mit der notwendige Härte vorgehen." Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte der dpa: "Wir haben bundesweit den Fokus auf den richtigen Leuten, und man darf den Fokus nicht erst auf die Leute legen, wenn ein Anschlag bevorsteht."

Die Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Cornelie Sonntag- Wolgast (SPD), forderte unterdessen mehr Kompetenzen für das BKA. "Es hat sich erneut gezeigt, wie notwendig es ist, dem Bundeskriminalamt mehr Kompetenzen zur Vorfeldbeobachtung des Terrorismus zu übertragen", sagte sie der "Welt am Sonntag". Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) meinte dagegen: "Die Zusammenarbeit der Länderpolizeien mit dem Bundeskriminalamt und den Verfassungsschutzbehörden funktioniert." Der Grünen-Politiker Volker Beck äußerte sich ähnlich.

DPA


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