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Bundestagswahl 2017 Die Chancen der Kandidatur von Angela Merkel

Angela Merkel im roten Jacket schaut zuversichtlich nach oben - Sie tritt 2017 wieder an
Bundeskanzlerin Angela Merkel tritt 2017 nochmals an - und glaubt dem Land und ihrer Partei "noch etwas geben zu können".
© Tobias Schwarz/AFP
Dass Angela Merkel vor dem schwersten Wahlkampf ihrer politischen Laufbahn steht, weiß sie selbst. Dennoch glaubt sie, dem Land noch einiges geben zu können. Die Chancen, die mit ihrer Kandidatur verbunden sind.

Eine vierte Amtszeit, das ist ein Wort. Angela Merkel will mit Helmut Kohl, dem "Kanzler der Einheit", ihrem einstigen Mentor, gleichziehen. 16 Jahre an der Macht - das ist in einer Demokratie eine enorm lange Zeit. Dementsprechend prophezeien die politischen Gegner und auch einige politische Freunde der ersten Frau im Kanzleramt bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 einen harten Absturz. Die Gefahr ist da. Dass es diesmal schwer wird zu gewinnen, das weiß Merkel selbst. Doch sie glaubt, "ihrer Partei und dem Land noch einiges geben zu können", wie sie bei "Anne Will" am Sonntagabend in der ARD sagte. Tatsächlich birgt die Kandidatur etliche Chancen:

Die Chance der Kontinuität

Eines muss man zugeben: Auch wenn das populistische Lager das vielleicht anders sieht, kann niemand eine adäquate Alternative zu Angela Merkel aus dem Hut zaubern. Die CDU nicht, und die SPD schon gar nicht. Die Zeiten sind unstet und unsicher, da ist Kontinuität im Kanzleramt alles andere als eine schlechte Idee. Von der schweren Flüchtlingsintegration im Inland bis zur Bedrohung der EU im Ausland - Merkel braucht keine Orientierungsphase, kann alle Probleme gleich nach der Wahl anpacken. Und ganz nebenbei wäre noch Gelegenheit in der letzten Amtsperiode eine kompetente Nachfolge aufzubauen, die vielleicht sogar wählbar ist.

Die Chance, den Populismus zu bremsen

Keine Frage: Die größte Herausforderung der kommenden Legislaturperiode ist der Populismus, der von den USA (Donald Trump) über Europa (Marine Le Pen in Frankreich oder Geert Wilders in Holland) bis hin zur AfD im eigenen Land überall Zulauf hat. Sich als "letzte Verteidigerin des liberalen Westens" ("New York Times") feiern zu lassen, lehnt sie als absurd zurück, und tatsächlich hat sie ja zahlreiche Mitstreiter im In- und Ausland. Dass sie mit ihrem "Wir schaffen das" den Bogen überspannt hat, hat Merkel begriffen. Nun braucht sie Zeit, das Land wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Dazu gehört nach eigener Aussage, "dass die Menschen sehen, wir lösen ihre Probleme und geben ihnen eine sehr konkrete Zukunft." Merkel: "Dafür müssen wir werben."

Die Chance, den Hass zu stoppen

Mit der AfD gibt es erstmals eine Partei, die der Union am rechten Rand des Wählerspektrums wirklich spürbar Stimmen abgräbt. Bisher beispiellos in der Geschichte der Bundesrepublik ist, mit welcher Aggressivität sie das tut - und das mit einigem Erfolg. Der Ton der politischen Debatte hat sich enorm verschärft. Dem kann Merkel im Wahlkampf und einer möglichen weiteren Amtszeit entschlossen entgegen treten. "Wir wollen nicht hassen, sondern diskutieren wie wir das unter Demokraten tun", hat Merkel bei "Anne Will" bereits angekündigt. Auch die Chance, im Wahlkampf die "größere Möglichkeit, mit den Menschen zu sprechen", will sie nutzen. Die Chance ist da, aber es ist auch klar: Sich Gehör zu verschaffen, wird schwer für Merkel.

Die Chance des Sieges

"Alternativlos" ist sie wahrlich nicht mehr, im Gegenteil: sie ist durchaus schlagbar. Sollte Angela Merkel es aber dennoch tatsächlich schaffen, zum vierten Mal Kanzlerin zu werden, wäre das ein Sieg mit Signalwirkung. Mit Fug und Recht könnte sie dann behaupten, dass die Mehrheit der Deutschen vor allem ihr die Führung des Landes in schweren Zeiten zutrauen - allen Anfeindungen zum Trotz. Den sich auf dem Vormarsch befindlichen Populisten würde dies erst einmal den Wind aus den Segeln nehmen - und der Streit mit der CSU wäre ganz nebenbei sicherlich auch überwunden.

Die Chance eines offenen Wahlkampfs

Eines dürfte Angela Merkel klar sein: Sie wird in diesem Wahlkampf lauter und klarer als jemals zuvor sein müssen. Vor allem die AfD wetzt schon die Messer, freut sich bereits auf den Kampf gegen "die Politikerin, die das milliardenteure und gefährliche Einwanderungschaos verursacht hat." Sollte die SPD statt des designierten Sigmar Gabriel doch Martin Schulz als Spitzenkandidat in den Wahlkampf schicken, dann könnten auch von links deutlichere Worte als zuletzt kommen. Schulz hat in einigen Reden bereits gezeigt, dass er sozialdemokratische Werte und Standpunkte dezidiert vertreten kann. Sollte dann auch Merkel ihre oft allzu staatstragende Art überwinden und deutliche Worte finden, hätten die Deutschen womöglich 2017 eine echte Wahl.


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