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Angela Merkel: "Wir werden den Ball im Tor versenken"

Versemmelt die Union den sicher geglaubten Sieg? Angela Merkel über Stoibers Abseits, müde trabende Stürmer und die Bedrängnis der Spielmacherin beim Match ums Kanzleramt.

Frau Merkel, Sie stehen fünf Meter vor dem leeren Tor, aber im Moment sieht es so aus, als ob Sie den Ball über die Latte schießen.

Den Eindruck habe ich gar nicht. Wir werden, um Ihr Fußballbild aufzunehmen, den Ball im Tor versenken.

Wie wollen Sie die Wähler in den wenigen Wochen bis zum 18. September noch davon überzeugen, dass Sie eine starke Kanzlerin wären, eine stärkere als Gerhard Schröder?

Indem ich den Menschen klar mache, dass ich eine präzise Vorstellung von dem habe, was bis 2009 in Deutschland geschehen muss, während sich der Kanzler bei all seinen nett inszenierten Auftritten auf einfachste Angriffe gegen uns und die Rechtfertigung dessen beschränkt, was er bis 2005 gemacht hat, aber keine neue Idee für die nächste Wahlperiode hat.

Aber der Unionswahlkampf ist bisher eine Kette von Fehlleistungen. Sie verwechseln brutto mit netto und haben angeblich keine Zeit für ein zweites Duell mit Schröder, während Edmund Stoiber, Günther Oettinger und Jörg Schönbohm die Ostdeutschen beleidigen. Und die starken Männer der CDU sitzen auf der Tribüne, um zuzuschauen. Warum sollen die Deutschen Vertrauen zu Schwarz-Gelb fassen?

Sie verkürzen unseren Wahlkampf auf wenige Facetten. Ich setze dagegen: Wir haben ein Regierungsprogramm vorgelegt, das alles andere als bequem ist, sondern die Realitäten beim Namen nennt und eine entscheidende Botschaft hat: Deutschland braucht sich mit dem Abwärtstrend nicht abzufinden, sondern kann es schaffen - zum Wohle der Menschen. Ich habe ein Kompetenzteam vorgestellt, das in allen Bereichen besser besetzt ist als das abgewirtschaftete Kabinett von Herrn Schröder. Und ich werde nun mit Volker Kauder, allen Ministerpräsidenten der Union, die sich sehr intensiv engagieren, und der gesamten Führung von CDU und CSU auf über 500 Veranstaltungen in Deutschland dafür werben.

Ausgerechnet jetzt gibt es mit Edmund Stoiber eine schwere Auseinandersetzung über die Wahlkampfstrategie. Stoiber provoziert den Osten täglich aufs Neue. Er will eine härtere Gangart und lehnt Ihre als gouvernemental verweichlicht ab. Was gilt denn nun?

Dass wir nicht über Strategie, sondern über Inhalte reden. Unser Wahlkampf richtet sich auf die Themen, die die Menschen bewegen, und das ist vor allem anderen die Sorge um ihren Arbeitsplatz und die eigene Zukunftsperspektive. Deshalb ist unser erklärtes Ziel: Vorfahrt für Arbeit. Zum Zweiten geht es darum, das Vertrauen der Bürger in die Politik insgesamt wiederherzustellen. Das heißt für mich: weg vom Zickzackkurs und von "Versprochen, gebrochen" hin zu einer Politik, die sagt, was sie macht, und die macht, was sie sagt. Im Übrigen mache ich öffentlich klar, dass die Wahl nicht in einem Teil Deutschlands gewonnen oder verloren wird. Wahlen gewinnt man in ganz Deutschland. Wir müssen altes Denken überwinden, um ganz Deutschland voranzubringen.

Also kann man sie doch im Osten verlieren.

Noch einmal: Man verliert und gewinnt sie in ganz Deutschland, im Osten, im Norden, in den großen Städten, auf dem Land, bei Frauen und Männern.

In Bayern kann man nur gewinnen?

In Bayern hat die Union glücklicherweise seit Jahrzehnten keine Wahl verloren. Aber neben Bayern wollen und müssen wir auch in anderen Regionen gut abschneiden.

Wie wollen Sie verhindern, dass Stoiber mit seinen Verbalattacken gegen die Ostdeutschen unverdrossen fortfährt? Und wie wollen Sie den Zorn im Osten besänftigen?

Ich will altes Denken zwischen Ost und West überwinden. 15 Jahre nach der Wiedervereinigung müssen wir bestehende Gegensätze hinter uns lassen. Die Ostdeutschen haben enorme Veränderungsbereitschaft gezeigt, darauf können sie stolz sein. Aber natürlich gibt es noch viele Regionen, in denen die Menschen für sich keine Perspektive sehen. Dies gibt es aber auch im Westen. Wir können also nur gemeinsam nach vorne kommen.

Ärgert es Sie als Ostdeutsche nicht besonders, wenn die Südstaaten-Union das Land wieder in Ost und West spaltet?

Die Union ist die Partei der Einheit. Niemand will spalten, und ich will Kanzlerin aller Deutschen werden. Wir müssen jetzt alle Anstrengungen darauf konzentrieren, die Einheit zu vollenden. Es gerät ein bisschen in Vergessenheit, dass der Wohlstand der alten Länder auch von dem in den neuen Bundesländern abhängt. Der Finanzausgleich wird geringer, wenn der Osten auf die Beine kommt. Das ist nicht irgendeine karitative Aufgabe, der man sich stellen kann oder auch nicht, sondern das ist eine Schicksalsaufgabe für ganz Deutschland. Das ist mein Credo.

Wenn pauschal und negativ über die Ostdeutschen geredet wird, richtet sich das doch indirekt auch gegen Sie.

Ich bin nicht empfindlich. Ich rede auch manchmal pauschal über die eine oder andere regionale Eigenart.

Und meinen dann die CSU...

Nein (lacht), es ist ein Charakteristikum Deutschlands, dass manche regionalen Vorurteile gepflegt werden. Die Sachsen haben, als die Wende in der DDR kam, auf die Züge in Richtung Mecklenburg-Vorpommern geschrieben: "Schlaft ruhig weiter!" Ein wenig muss man auch Spaß verstehen können.

Warum redet die Union eigentlich nicht über ihr Wahlprogramm? Wenn Sie heute Menschen auf der Straße fragen, was die Union will, wüssten 80 Prozent nur zu sagen: Die wollen die Mehrwertsteuer erhöhen. Ist die Union überhaupt kampagnenfähig?

Natürlich entsteht viel Diskussion über die Mehrwertsteuer, denn sie führt zur Senkung der Arbeitskosten und damit zum Kern unseres Wahlkampfs: "Vorfahrt für Arbeit". Aber viele Menschen sind skeptisch, ob die Politik überhaupt etwas zum Besseren wenden kann, das erkenne ich wohl. Auch wir haben in Helmut Kohls Regierungszeit nicht alle Probleme lösen können, da sind Enttäuschungen geblieben. Also machen wir jetzt deutlich, dass wir aus unserer Niederlage 1998 gelernt haben, Reformen entschlossen und rasch anzupacken, und dass wir davon überzeugt sind, dass Deutschland und seine Bürger zu Gewinnern der Globalisierung werden können.

Sie sind eine kluge Machttaktikerin, aber keine starke Führerin. Sie sind nicht in der Lage, Ruhe herzustellen und die Mannschaft in einer Richtung zusammenzuführen. Warum haben Sie so wenig Autorität?

Ach was, wir haben ein mutiges Regierungsprogramm, ein ausgezeichnetes Kompetenzteam, eine schlagkräftige Fraktion und hoch motivierte Parteien - das alles stimmt mich zufrieden. Ein Wahlkampf findet ja nicht im luftleeren Raum statt. Unser Gegner hat für die Zukunft wenig auf der Pfanne, also bläst er bestimmte Dinge hoch, um von der eigenen Bilanz abzulenken. Etwa das TV-Duell. Gleichzeitig kneift Herr Schröder bei der Fernsehdiskussion aller Spitzenkandidaten. Er spricht ja weder für den linken Flügel der SPD, der Rot-Rot-Grün will, noch für die Minister Clement, Schily und Eichel, die sich in eine große Koalition retten wollen. So jemand hat nach dem Wahltag nichts mehr zu sagen.

Auch Edmund Stoiber scheint Wahlkampf nur für sich selbst zu machen. Er legt Ihnen ständig neue Hürden auf: vier Prozent Arbeitslosigkeit und ein Wahlergebnis zwischen 42 und 45 Prozent.

Ja, und? Unser Wahlziel ist, Rot-Grün abzulösen, und zwar durch eine Koalition aus Union und FDP. Nach allen Umfragen ist die Spanne, die Edmund Stoiber in dem Stern-Interview genannt hat, nun wahrlich nicht jenseits dessen, was wir erreichen können, um dieses Ziel zu schaffen.

Sie haben gesagt: Ich will Deutschland dienen. Wer in der CDU-Führung ist denn bereit, Ihnen zu dienen?

Es geht nicht darum, mir zu dienen, sondern der Sache, Deutschland nach vorne zu bringen. Und das möchten alle.

Haben Sie den abseits stehenden CDU-Männern schon mal gesagt, was Sie von ihrer Art, Wahlkampf zu führen, halten?

Ein Zerrbild wird nicht durch Wiederholung bestätigt. Noch einmal: Alle kämpfen für den Wechsel. Das zeigt schon ein Blick auf die Listen ihrer Wahlkampfauftritte.

Das heißt, Sie waren neugierig, ob die überhaupt etwas tun?

Ich bin immer neugierig zu schauen, wie der Laden läuft. Es hat in der CDU seit 1998 einen unglaublichen Generationenumbruch gegeben und damit natürlich auch einen Wettbewerb um Positionen. Wir haben eine stolze Zahl von Ministerpräsidenten und Bundestagsabgeordneten zwischen 40 und Anfang 50, die Freude haben, Politik zu gestalten, und natürlich auch Ambitionen. Das ist etwas sehr Belebendes für die CDU.

Sind Sie eigentlich sicher, dass Stoiber überhaupt bereit ist, sich in Berlin in den Dienst Ihrer Sache zu stellen?

Ich bin absolut sicher, dass Edmund Stoiber, wie wir alle, mit aller Kraft Rot-Grün ablösen will.

Sie wissen heute nicht, ob Stoiber kommt?

Das brauche ich nicht zu wissen, und ich habe volles Verständnis dafür, dass er sich erst nach der Wahl entscheidet.

Wir sind sicher, dass Sie es wissen.

Das freut mich für Sie, aber ich wiederhole: Ich brauche es nicht zu wissen. Er ist CSU-Vorsitzender und will sich diesen Freiraum erhalten. Ich habe mich 2002 so verhalten, wie er sich verhält.

Haben Sie überhaupt die Möglichkeit, Stoiber zur Loyalität zu verpflichten?

Ach was, wir wollen das Gleiche, nämlich die desolate rot-grüne Regierung ablösen.

Christian Wulff ist anderer Meinung. Er hat ihn ermahnt, Ihnen die gleiche Loyalität zu zeigen, die Sie ihm 2002 bewiesen haben.

Ich habe keinen Zweifel, dass auch die CSU sich dem Wahlsieg verpflichtet fühlt.

Sie sind sicher, dass Stoiber Ihren Sieg will?

Ja.

Wie viele Positionen halten Sie für ihn frei?

Posten kann man erst nach einer gewonnenen Wahl und nach Koalitionsverhandlungen verteilen. Deshalb geht es jetzt auch nicht ums Freihalten.

Roland Koch kommt nicht nach Berlin. Kann er nicht mit Ihnen?

Es kommen auch andere Ministerpräsidenten nicht nach Berlin, und trotzdem kommen wir hervorragend miteinander aus, das gilt auch für Roland Koch und mich.

Und weshalb kommt er dennoch nicht?

Wenn ein Ministerpräsident überzeugt ist, er werde in seinem Land gebraucht, dann respektiere ich das. Niemandem ist geholfen, wenn alle nach Berlin kommen, aber dadurch unsere Bundesratsmehrheit möglicherweise in Gefahr gerät.

Für Friedrich Merz gilt das nicht. Mit ihm haben Sie gar nicht erst gesprochen.

Ich habe nicht die Absicht, mit Ihnen über persönliche Gespräche, ob stattgefunden oder nicht, zu reden.

Er hat es uns selbst gesagt.

Friedrich Merz ist ein sehr talentierter Politiker. Er hat vor knapp einem Jahr eine Entscheidung getroffen, die er sich gut überlegt hat und die ich zu respektieren hatte. Ansonsten freue ich mich, wie sehr er sich im Wahlkampf engagiert.

Sie könnten ihn bitten, diese Entscheidung rückgängig zu machen und das Finanz- oder Wirtschaftsministerium zu übernehmen.

Auch unabhängig von Friedrich Merz gilt, dass ich über die Vergabe von Ministerposten erst nach der Wahl rede.

Wolfgang Schäuble steht im Kompetenzteam für die Außenpolitik. Aber Außenminister kann er nicht werden, da der Koalitionspartner den Posten fordern dürfte. Geht er am Ende wieder leer aus, oder haben Sie ihm Zusagen gemacht?

Wir haben eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ich schätze seine große politische Erfahrung, habe sie immer geschätzt. Das wird bei den weiteren Entscheidungen seinen Ausdruck finden.

Wird er Bundestagspräsident?

Ich sage es gerne noch mal: Ich werde mich vor der Wahl nicht zu Personalspekulationen jedweder Art äußern.

Stärkste Fraktion dürfte die Union ja wohl werden. Oder könnte die Bundestagswahl nach den jüngsten Pannen noch verloren gehen?

Ich bin sehr optimistisch, aber ich halte absolut nichts von dem Gerede Wochen vor der Wahl, alles sei gelaufen. Wahlen sind am Wahltag um 18 Uhr entschieden. Schon aus Demut vor dem Wähler heißt es daher, bis zur letzten Minute um jede Stimme zu kämpfen.

Es könnte Ihnen eine große Koalition passieren.

Ich will keine große Koalition, und ich kämpfe dagegen, denn sie bedeutet Stillstand, und das ist das Letzte, was Deutschland braucht. Dann könnten Sie sich ja darauf festlegen, dass Sie als Kanzlerin einer großen Koalition nicht zur Verfügung stehen. Mein Ziel ist eine Koalition von Union und FDP, und dafür kämpfe ich.

Haben Sie Fehler gemacht? In den Umfragen liegt Schröder mit den persönlichen Sympathiewerten wieder klar vor Ihnen.

Im Großen und Ganzen habe ich das Allermeiste richtig gemacht. Dass ich überhaupt bei den Persönlichkeitswerten eine Zeit lang vor dem Kanzler lag, war außergewöhnlich. Ein amtierender Kanzler hat viel mehr Möglichkeiten, sich darzustellen. Insofern hat sich wieder ein Stück Normalität eingestellt.

Im kleinen Kreis, sagen Menschen, die Sie gut kennen, seien Sie spontan, witzig, gewinnend. Weshalb zeigen Sie nicht auch mal öffentlich, wie es Ihnen gerade ums Herz ist?

Ich kann den stern-Lesern mitteilen, dass ich mich wütend aufregen wie auch herzlich lachen kann. Ich bin ein fröhlicher Mensch und werde gerne daran arbeiten, ein noch fröhlicherer Mensch zu werden.

Ärgert es Sie, wenn bei Ihnen über Äußerlichkeiten geredet wird wie Frisur, Mundwinkel und Schwitzflecken?

Das habe ich mir abgewöhnt.

Wie war die Reaktion, als Sie im Urlaub mit Pluderhosen und Streifenhemd einkaufen waren?

Sehr positiv. Die Leute sind baff, wenn ein Politiker selbst einkaufen geht und dass er das trägt, was andere auch tragen. Für die, die mich gut kennen, ist das auch nichts Neues.

Und weshalb verstecken Sie Ihren Mann?

Er möchte sich als Naturwissenschaftler auch weiterhin seinem Beruf intensiv widmen. Das schränkt gemeinsame Auftritte ein. Aber ich verstecke ihn nicht, ich respektiere sein Leben. Die Menschen möchten schon noch ein bisschen mehr über die Frau wissen, die sie demnächst regieren will. Richtig, und daher habe ich mich sehr viel mehr geöffnet als früher. Ich brauche meinen Mann, meine Eltern, meine Geschwister. Bei ihnen schöpfe ich Kraft und Gelassenheit, und ich bin wohl aufgehoben.

Trainieren Sie für das TV-Duell mit Schröder? Gibt es einen Spezialtrainer?

Es ist wichtig, sich auf TV-Sendungen und Veranstaltungen gut vorzubereiten, und das tue ich. Aber am Ende entscheiden Schlagfertigkeit und Argumentationskraft. Und dann zeigt sich, was man im Kopf hat.

Kennen Sie Furcht und Selbstzweifel?

Ja, sicherlich. Vor Menschen, die das nicht kennen, ängstige ich mich.

Gehört zu Ihren Selbstzweifeln die Frage: Bist du dem Ganzen überhaupt gewachsen?

Nein. Ich stehe morgens nicht auf und zweifle, ob ich der Aufgabe des Amtes der Kanzlerin gewachsen bin. Aber ich prüfe genau, ob ich Probleme verdränge, um sie dann, wenn nötig, zu lösen.

Der Kanzler macht jetzt mit einem möglichen Iran-Krieg Wahlkampf. Wie antworten Sie darauf? Kommt für Sie ein Militäreinsatz infrage?

Erstens sage ich zu den Wahlkampfbemühungen von Herrn Schröder an dieser Stelle: Geschichte wiederholt sich nicht, und wenn, dann nur als Farce. Zweitens muss der Iran-Konflikt mit diplomatischen Mitteln gelöst werden. Die Frage eines Militäreinsatzes stellt sich überhaupt nicht.

Was wird das Erste sein, das Sie nach einem möglichen Wahlsieg umsetzen?

Wir werden ein so genanntes Artikelgesetz verabschieden, mit dem wir alles, was 2006 und 2007 geschehen muss, verbindlich machen. Zum Beispiel die Steuerreform, die Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, die Änderung des Kündigungsschutzes. Dieses Gesetzespaket soll signalisieren: Es ändert sich endlich etwas in Deutschland.

Wird es ein Superministerium für Wirtschaft und Finanzen geben?

Ich mache jetzt keine Personalspekulationen. Aber jeder sieht, dass der Finanzminister so ausgelastet ist, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, Finanzen, Wirtschaft und Arbeit in ein Ressort zu packen.

Aber Wirtschaft und Arbeit könnten wie bisher in einem Ministerium zu Hause sein?

Es gibt gute Gründe, diese Bereiche beisammen zu lassen. Die Gründe dagegen werde ich auch prüfen.

Zur Finanzierung Ihrer Gesundheitsprämie fehlen rund 20 Milliarden Euro. Denken Sie an einen speziellen Solidaritätszuschlag der Besserverdienenden?

Nein. Zur Finanzierung der Gesundheitsprämie werden wir den Spitzensteuersatz nicht wie zunächst geplant auf 36 Prozent senken, sondern bei 39 Prozent belassen. Das bringt uns bei den Spitzenverdienern sieben Milliarden. Außerdem wollen wir bei der Bundesagentur für Arbeit jährlich sechs bis acht Milliarden durch Streichung nutzloser Maßnahmen sparen. Das kann bis 2008 wirksam werden. Damit werden wir die Gesundheitsprämie für Kinder finanzieren.

Wie wollen Sie denn die Löcher in der Rentenkasse stopfen?

Die jetzigen Probleme liegen vor allem in der schlechten Wirtschaftslage begründet. Wir müssen vor allem mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse schaffen. Dann lösen wir auch das Problem, dass man mit 55 auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mehr hat, und das tatsächliche Renteneintrittsalter kann sich dem gesetzlichen annähern. In der Zeit nach 2010 muss man sich dann auch mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters befassen.

Gibt es weitere Nullrunden bei der Rente?

Die Rentenanpassung ist an die Lohnentwicklung gekoppelt. Rentenkürzungen wird es mit mir nicht geben.

Werden Sie die Ministerpensionen kürzen, wie es Stoiber vorschlägt?

Ganz sicher, so steht es im Regierungsprogramm.

Nach einer repräsentativen Umfrage unter jungen Erwachsenen wünschen sich die meisten eine Kanzlerin Merkel. Aber fast so viele würden lieber mit Schröder abends essen gehen. Was sagt Ihnen das?

Die Mehrheit für die Kanzlerin gefällt mir. Wenn ich dann im Kanzleramt bin, werde ich daran arbeiten, dass mehr mit mir zum Essen gehen möchten.

Interview: Hans-Ulrich Jörges, Andreas Petzold, Hans Peter Schütz

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