VG-Wort Pixel

CDU-Kanzlerkandidat Laschet trägt Söder nichts nach und dankt für "Vertrauensbeweis" – Baerbock hofft auf "fairen Wahlkampf"

Armin Laschet ist Kanzlerkandidat der Union – Twitter-Reaktionen im Überblick
Sehen Sie im Video: "Ein guter Tag für die Grünen und die Satire-Branche" – Twitter-Reaktionen zu Laschets Kandidatur.
Mehr
Ende gut, alles gut? Nachdem sich die Union auf Armin Laschet als Kanzlerkandidaten festgelegt hat, hat dieser seinem CSU-Konkurrenten eine zentrale Rolle zugebilligt. Politische Weggefährten und Gegner gratulierten dem CDU-Chef.

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet hat der CSU seinen Dank für die Unterstützung für seine Kanzlerkandidatur ausgesprochen. "Ich danke Markus Söder dafür, dass er der CDU und auch mir persönlich die Unterstützung der CSU und auch des Parteivorsitzenden der CSU zugesagt hat", sagte Laschet am Dienstag in Berlin. Die CSU habe durch ihr Vorgehen am Montag die Entscheidung der CDU ermöglicht. "Das ist ein großer Vertrauensbeweis", sagte Laschet. Er danke CSU-Chef Söder und der gesamten CSU "für den guten, fairen Umgang in einer sehr weitreichenden Entscheidung". Das Verhältnis zum CSU-Vorsitzenden nannte der CDU-Chef gut und vertrauensvoll.

Söder hatte die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur nach einwöchigem Machtkampf am Montag allein in die Hände der CDU gelegt. Daraufhin sprach sich der CDU-Vorstand in der Nacht zum Dienstag nach stundenlanger, kontroverser Diskussion mehrheitlich für Laschet als Kanzlerkandidaten aus. Am Dienstag akzeptierte Söder dieses Votum. "Die Würfel sind gefallen, Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union", sagte Söder am Mittag in München.

Armin Laschet: "Söder wird zentrale Rolle spielen"

Laschet betonte, Söder werde eine zentrale Rolle für die Union und die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland spielen". Er kündigte an, er werde sich weiterhin "täglich, zweitäglich, wöchentlich und wann immer es nötig ist, mit ihm abstimmen". Er habe immer den Willen, mit Söder zu gemeinsamen Ergebnissen zu kommen, betonte Laschet. Eine explizite Belohnung für seinen Rückzug habe Söder nicht erhalten, betonte der CDU-Chef auf Nachfrage.

Laschet lobte die Schwesterparteien CDU und CSU als "einzigartiges Phänomen". Für den Wahlerfolg müssten CDU und CSU nun als Team in den Wahlkampf gehen. Mit ihrem Modell als Schwesterparteien seien CDU und CSU Stabilitätsanker und Modernisierungsmotor des Landes.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak betonte: "Die Bundestagswahl wird nicht nur eine Vertrauenswahl, sondern eine Richtungswahl." Laschet sei "der Kanzlerkandidat der gesellschaftlichen Mitte in Deutschland". Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident sei ein leidenschaftlicher Europäer. "Armin Laschet steht für Zusammenhalt, er kann führen und er kann zusammenführen", sagte Ziemiak und betonte: "Armin Laschet ist der richtige Kanzler für Deutschland."

Armin Laschet zu seinem Sieg in der K-Frage der Union

Baerbock hofft auf "fairen Wettkampf um Führung des Landes"

Nach der Entscheidung zugunsten des NRW-Ministerpräsidenten gingen Gratulationen an Laschet ein – allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich auf ein paar Monate der Zusammenarbeit mit ihrem potenziellen Nachfolger freut. Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock twitterte: "Ich setze auf einen fairen Wahlkampf um die Führung dieses Landes. Und darum, wer die nötigen Veränderungen energisch vorantreibt, damit wir die Herausforderungen meistern." Sie versah den Tweet mit den Hashtags "#Klimaschutz", "#Digitalisierung", "#Bildung" und "#Zusammenhalt".

Auch FDP-Chef Christian Lindner gratulierte. "Herr Laschet ist ein Regierungschef und Verhandlungspartner, den wir für seine Fairness schätzen. Es gibt viele inhaltliche Fragen, in denen wir mit Herrn Laschet, auch im konkreten Regierungshandeln, übereinstimmen", sagte Lindner am Dienstag in Berlin mit Blick auf die gemeinsame Koalition in Nordrhein-Westfalen. Laschet würde auch im Bund eine Koalition mit den Liberalen befürworten. Seit geraumer Zeit geben die Umfragen allerdings keine Mehrheit für Schwarz-Gelb im Bund her.

Markus Söder erklärt seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur

Mützenich: Grüne und Union "zu Kandidaten durchgerungen" 

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich kritisierte den tagelangen Machtkampf in der Union als chaotisch. "Es sind Chaostage gewesen", sagte der SPD-Politiker am Dienstag vor einer Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin. Er sei sich sicher, "dass das Chaos dort nicht aufhört". Zwar habe CDU-Chef Armin Laschet "mit Hängen und Würgen" die Unterstützung vom CDU-Vorstand für seine Kanzlerkandidatur erhalten. Doch es gebe "durchaus vergiftete Sätze" im Zugeständnis von Markus Söder (CSU), nun selbst zurückzustehen, sagte Mützenich. Er hoffe, dass sich jetzt zumindest einige Unions-Politiker wieder auf den Kampf gegen Corona konzentrieren würden. Ungeachtet dessen gratulierte Mützenich den Kanzlerkandidaten von Grünen und Union. Beide Parteien hätten es geschafft, "sich zu einer Spitzenkandidatur für ihre beiden Parteien durchzuringen." Die SPD hatte ihren Kandidaten Olaf Scholz schon im August vergangenen Jahres nominiert.

Auch die Vorsitzende der Linksfraktion, Amira Mohamed Ali, kritisierte das Vorgehen der Union bei der Bestimmung des Kanzlerkandidaten scharf. "Man fragt sich schon, ob die Beteiligten eigentlich noch mitbekommen, was hier draußen los ist, nämlich dass wir hier immer noch eine Pandemie haben und viele Menschen in Not sind", sagte sie am Dienstag vor einer Fraktionssitzung. Das "lange Hin und Her" in der Union sei "äußerst befremdlich" gewesen. Sowohl Söder als auch Laschet seien "sehr negativ dadurch aufgefallen, dass sie ihr Handeln auch daran ausgerichtet haben, wie man sich am besten inszenieren kann". Dennoch gratulierte sie Laschet zur Kandidatur.

Erleichterung bei der CDU

In der Union herrscht unterdessen Erleichterung über die Entscheidung in der K-Frage. "Natürlich freue ich mich darüber ausdrücklich, dass Armin Laschet Spitzenkandidat der Union für die Bundestagswahl im September wird", sagte Günther am Dienstag in Kiel. Für seine Unterstützung habe den Ausschlag gegeben, dass Laschet für Europa brenne, wie es "einfach ein deutscher Kanzler machen muss".

Als Konsequenz aus dem scharfen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur sollten CDU und CSU nach Auffassung ihres Bundestagsfraktionschefs Ralph Brinkhaus für die Zukunft ein klares Verfahren für diese Entscheidung festlegen. Dieses werde man zwar hoffentlich nicht so schnell brauchen, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Berlin vor Beginn einer Fraktionssitzung. "Aber wenn es denn so weit ist, dann sollte man rechtzeitig vorher einen Prozess definieren. Das ist die Aufgabe der Generalsekretäre." "Wir tun gut daran, dass wir jetzt aus den letzten Wochen lernen", sagte Brinkhaus. 

dho DPA AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker