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Auslandsreise: Reisen ist des Fischers Lust

Auf seiner bisher längsten Auslandsreise warb Joschka Fischer nur mit mäßigem Erfolg für einen ständigen Sitz Deutschlands im UN-Sicherheitsrat. Dafür betätigte sich der Außenminister als Türöffner für deutsche Wirtschaftsinteressen.

Mit einer gemischten Bilanz ist die bisher längste Dienstreise von Bundesaußenminister Joschka Fischer am Freitag zu Ende gegangen. Nach dem Besuch von fünf asiatischen Ländern in zehn Tagen erhielt er nur die Zusage Indiens zur Unterstützung des deutschen Wunsches nach einem ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat. Mit seinen atmosphärischen und wirtschaftlichen Erfolgen hingegen bereitete der Grünen-Politiker die Oktober-Reise von Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Indien und Pakistan gut vor.

Große Abendtafel in Lahore

Fischer flog von der quirligen pakistanischen Kulturmetropole Lahore aus nach Berlin zurück. Außenminister Khurshid Kasuri hatte ihn in seine Heimatstadt eingeladen und bat zur großen Abendtafel mit Diplomaten und Intellektuellen in seinem Privathaus. Dort traf Fischer auch wieder seinen Kollegen Morshed Khan aus Bangladesch, mit dem er vor genau einer Woche in Dhaka gesprochen hatte.

Zuvor, in Islamabad, wurde Fischer vom pakistanischen Staatspräsidenten Pervez Musharraf empfangen. Trotz der protokollarisch hochrangigen Behandlung des deutschen Ministers konnte Musharraf aber nicht viel mehr tun, als Respekt vor dem Wunsch der Bundesregierung zu bekunden, einen permanenten Sitz in einem reformierten UN-Sicherheitsrat zu erhalten.

Pakistan bleibt bei seinen Bedenken

Aber solange die Kaschmir-Krise - also die Konfrontation der beiden Atommächte Pakistan und Indien - nicht gelöst sei, bliebe Pakistan bei seinen Bedenken, hieß es. Grund ist, dass auch Pakistans Rivale Indien einen permanenten Sitz anstrebt. Fischer hatte in Indien - der ersten Station seiner Reise - vereinbart, dass Deutschland Indiens Wunsch nach einem ständigen Sitz ebenso unterstützen wolle wie Indien den entsprechenden Wunsch Deutschlands.

Dabei ist Pakistan absolut bereit, deutsche Wünsche zu erfüllen. So will sich Musharraf auf Wunsch Fischers persönlich darum kümmern, dass der Sudan genügend unter Druck gerät, um die Darfur-Krise aktiv zu beenden. Deutschland und Pakistan sind derzeit beide nichtständige Mitglieder im Sicherheitsrat, so dass es hier eine gemeinsame Arbeitsebene gibt. Sollte der Sudan sich weiterhin verweigern und die Flüchtlingskrise in eine Katastrophe für die Betroffenen umschlagen, dann könnte laut Fischer eine UN-Resolution nötig werden. Dies ist gleichbedeutend mit Sanktionen gegen den Sudan.

Hohes Ansehen für deutsche Diplomatie

Fischer konnte sich davon überzeugen, dass deutsche Diplomatie in der Welt hohes Ansehen genießt. Auslöser dafür ist etwa die Kulturarbeit wie die des Goethe-Instituts, aber auch wirtschaftliches Engagement. Dies wurde besonders in China deutlich, wo Fischer das neue Werk eines deutsch-chinesischen Joint Ventures zur Herstellung von Solartechnik zur Warmwasserbereitung eröffnete.

Die deutschen mittelständischen Unternehmer in Fischers Delegation waren von den Möglichkeiten, die ihnen Asien bieten kann, höchst angetan. Dies galt insbesondere für eine umweltorientierte Produktion mit Hilfe von erneuerbaren Energien. Dass die Politik als Türöffner eine Rolle spielte, wurde dankbar angenommen. Ein deutscher Unternehmer auf dem Gebiet der Windenergie erklärte dazu: "In manchen Bereichen wurde auch unsere Skepsis bestätigt. Jetzt weiß man besser, wo man lieber nicht investieren sollte."

Fischer bereiste Indien, China, Bangladesch, Sri Lanka und Pakistan.

Frieder Reimold, AP / AP / DPA