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Benzin-Gipfel: Ausweg aus dem Chaos bei Biokraftstoff E10

Die Bundesregierung will zusammen mit Vertretern der Mineralöl- und Automobilbranche eine Lösung für das Chaos um den Biokraftstoff E10 finden. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hatte den "Benzin-Gipfel" einberufen.

Die Bundesregierung und Spitzenvertreter der Mineralöl- und Automobilbranche wollen am Dienstag einen Ausweg aus der Absatzkrise beim neuen Biosprit E10 suchen. Die Regierung will die Einführung bislang nicht stoppen und setzt vor allem auf eine bessere Information der Verbraucher. Rund drei Millionen Autos vertragen das Superbenzin nicht, dem zehn Prozent Ethanol aus Getreide und Zuckerrüben beigemischt wird.

Mehrere FDP-Politiker dringen angesichts des Käuferstreiks auf eine Aussetzung und kritisieren das Krisenmanagement des federführend für den Biosprit zuständigen Umweltministers Norbert Röttgen (CDU). Der "Benzin-Gipfel" war von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) einberufen worden. Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und Verkehrsminister Peter Ramsauer (beide CSU) nehmen daran teil.

Angesichts der Schuldzuweisungen zwischen Regierung und Industrie vor dem "Benzin-Gipfel" ist mit kontroversen Diskussionen zu rechnen. Aus Angst um ihre Motoren weigern sich Millionen Autofahrer, den neuen Sprit zu tanken, der vielerorts das alte Super ersetzt.

In der "Bild"-Zeitung machte Röttgen erneut die Mineralölwirtschaft für die Verwirrung bei den Kunden verantwortlich. "Die jetzige Aufregung hängt damit zusammen, dass die Wirtschaft nervös geworden ist, weil sie ihr eigenes Produkt zu schlecht vermarktet hat", sagte Röttgen. Er sei dennoch zuversichtlich, "dass das entstandene Misstrauen beim Verbraucher wieder abgebaut werden kann".

Röttgens Amtsvorgänger, SPD-Chef Sigmar Gabriel, sagte MDR Info, keines der Argumente in der Diskussion sei neu. Auch die abzusehende Verunsicherung der Verbraucher hätte ihn 2008 bereits bewogen, die Einführung von E10 zu stoppen. Statt weiter auf Biokraftstoffe zu setzen, sei es klüger, "die Elektromobilität voranzutreiben, das Thema Wasserstoff weiter voranzubringen".

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Bundestagsverkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne), kommt der "Benzin-Gipfel" ein Jahr zu spät. "Wenn man der Wirtschaft nicht sagt, was sie zu tun hat, dann tut sie gar nichts", sagte der Grünen-Politiker dem "Hamburger Abendblatt" (Dienstag). Er forderte eine Aussetzung des E10-Verkaufs bis die Automobilhersteller ihren Kunden rechtsverbindliche Informationen geben können, welche Autos den neuen Sprit überhaupt vertragen.

Der Biosprit-Hersteller Crop-Energies aus Mannheim beklagt indes eine Kampagne gegen den neuen Kraftstoff. "Die Verunsicherung der Autofahrer wird teilweise durch Falschinformationen erhöht", sagte Vorstand Lutz Guderjahn der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Dienstag). Kritik übte der Manager auch an Umweltverbänden, die die Nachhaltigkeit von Bioethanol kleinredeten.

E10 wurde bisher an rund 7000 der bundesweit 15 000 Tankstellen eingeführt. Da Raffinerien auf vollen E10-Tanks sitzen, wurde die Einführung an weiteren Orten vorerst gestoppt. Mit mehr Biosprit will die Regierung das Klima schützen und Deutschland unabhängiger vom Öl machen.

Die Einführung von E10 geht auf die Biosprit-Richtlinie der EU von 2009 zurück - allerdings schreibt die EU nur vor, dass bis 2020 zehn Prozent der im Transportsektor verbrauchten Energie erneuerbar sein muss. Wie das Ziel erreicht wird, ist Sache der Regierungen.

cas/DPA / DPA