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Berlin vertraulich! Alle sauer auf Röttgen


Norbert Röttgen, von der Unionsfraktion ohnehin nicht heiß geliebt, hat sein Standing nochmal verschlechtert, weil er nicht nach NRW gehen will. "Feigling" ist ein noch harmloses Schimpfwort.
Von Hans Peter Schütz

Wegen seiner Weigerung, notfalls auch nach Nordrhein-Westfalen als Oppositionsführer zu gehen, wenn er die Landtagswahl dort Mitte des Jahres nicht gewinnt, ist Umweltminister Norbert Röttgen in den eigenen Reihen ein viel geschmähter Mann. Einen "Feigling" nennen ihn viele. Andere sprechen von einem "frühpubertären Polit-Verhalten". Wenn die NRW-Wahl für die CDU verloren gehe, stehe der Schuldige bereits jetzt fest. Den Missmut über Röttgen nutzte auch die Kanzlerin für eine kleine Spitze. Am Ende der jüngsten Sitzung der CDU/CSU-Fraktion drehte sie sich wie eine Ballerina im Kreise und stieß den Ruf aus: "Wo ist er denn jetzt schon wieder, der Herr Röttgen?" Dabei wusste sie ganz genau, dass er bei der Sitzung gar nicht da gewesen war. Aber in der Unionsfraktion vermisst ohnehin keiner den Kollegen Röttgen. Der Grund: Sein überzogener politischer Ehrgeiz, der ihn nach der vergangenen Bundestagswahl dazu verführt hat, als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer dem Fraktionschef Volker Kauder die das Amt weg nehmen zu wollen. Das nennt ein wichtiger CDU-Mann noch heute wütend eine quasi sittenwidrige Attacke: "Ein Fraktions-Chef und sein Erster Parlamentarischer müssen doch unbedingt ein blindes Vertrauen zueinander haben."

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Zwar ist Bundespräsident Gauck soeben erst vereidigt worden, doch die Berliner Karriereplaner schauen bereits auf das Jahr 2017, wenn der nächste Präsident zu küren ist, sofern es der 72jährige Gauck ernst gemeint hat mit seiner Ankündigung, er wolle altershalber nur fünf Jahre im ranghöchsten Amt der Republik weilen. So heißt es von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, er könne sich gut vorstellen, seine letzte politische Phase als Bundespräsident zu absolvieren. Bei Platzeck würde der Zeitplan stimmen: 2014 ist in Brandenburg die nächste Landtagswahl. Gewinnt Platzeck, dann...

Doch eventuell macht ihm Gregor Gysi Konkurrenz. Denn der tönte bei der Gauckwahl: "Heute wird ein Ostdeutscher Bundespräsident, eine Ostdeutsche ist schon Kanzlerin. Warten Sie mal ab, was aus mir noch wird."

Beim Übergangspräsidenten Horst Seehofer lässt sich besichtigen, was das Amt des Präsidenten aus einem macht. Er begibt über Ostern für ein paar Tage ins Kloster - zusammen mit seiner Frau (!). Seehofer verbindet mit der Auszeit erhebliche Hoffnungen: "Loslassen, abtauchen, nicht nach dem Fernsehgerät suchen, keine Zeitung durchblättern. Wenn man sich zu hundert Prozent darauf einlässt, kommt man als anderer Mensch raus." Bemerkenswert: Seehofer geht in ein Frauenkloster.

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Auch die Bundestagswahl 2013 und die dann fällige Postenvergabe beschäftigen offenbar bereits die Köpfe. Etwa den von Thomas Oppermann, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD. Dem rutschte im Gespräch mit Journalisten über die Frage eines NPD-Verbots der Satz über die Lippen "Ich bin leider noch nicht Innenminister." Eilig schob der Genosse in die lachende Runde den Satz nach, das sei nur ein Versprecher gewesen. Mag ja sein, aber wenn schon, dann dürfte es ein Freud'scher Versprecher gewesen sein. Das ist bekanntlich ein Vorgang, bei dem jemand unbewusst und ungewollt seine Wünsche preis gibt.

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Mit was schreibt fortan die deutsche Politik? Natürlich mit Kugelschreibern der Marke "Slimline". Denn ein solches Schreibgerät hat ein Pforzheimer Hersteller bei der Wahl des neuen Bundespräsidenten zum Einsatz gebracht. Jeder der 1240 Wahlfrauen und Wahlmänner wurde damit ausgerüstet, um damit in der Wahlkabine sein Kreuzchen zu machen. Den Kugelschreiber schmückte eine wichtige Gravur: "15. Bundesversammlung 2012." Er hat seinen politischen Test in Sachen politisches Sponsering überparteilich bestanden: Auch die Linkspartei hat ihre Kreuzchen gemacht, natürlich bei Beate Klarsfeld. Und durch die gelungene erste Rede des neuen Bundespräsidenten, so der Besitzer eines solchen Schreiberlings, "hat sich sein Marktwert verdreifacht".


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