Berlin vertraulich! Der Absturz des Anden-Pakts


Während der Stern des CDU-Karriereclubs "Anden-Pakt" langsam verglüht, wächst der Einfluss des "Leichlinger Kreises". Darin versammelt: Eine Reihe liberaler Politiker, denen Angela Merkel vertraut. Zu dieser Gruppe gut passen würde ein adliger Aufsteiger aus Bayern, der im Handstreich einen wichtigen Parteiposten übernahm.
Von Hans Peter Schütz

Der Anden-Pakt ist out. Jenes informelle Karriere-Netzwerk, mit dem sich einst eine Seilschaft jüngerer CDU-Politiker gegenseitig nach oben hievte. Friedbert Pflüger wurde in der Berliner CDU abgesägt, Christoph Böhr in der rheinland-pfälzischen, Roland Koch ist von den Wählern in Hessen zum Verlierer des Jahres gewählt worden, Christian Wulff hat sich aus der Beletage der CDU-Zentrale abgemeldet, weil er kein "Alphatier" sei, wie er jüngst dem stern verraten hatte. Dazu Matthias Wissmann, der nur noch Auto-Politik macht und Günther Oettinger, der als Regionalpolitiker stagniert, sowie Friedrich Merz, spät aufgenommenes Club-Mitglied - er steigt ganz aus der Politik aus.

In ist jetzt der Leichlinger Kreis. Wer kennt schon Leichlingen, das sich "Blütenstadt an der Wupper" nennende, im rheinisch-bergischen Kreis gelegene Städtchen in NRW? Viel bekannter sind die CDU-Politiker, die sich in einem Anfang der achtziger Jahre gegründeten Interessenkreis zusammengeschlossen haben. Gründer war der Europapolitiker Herbert Reul, früher CDU-Generalsekretär in NRW. Der Leichlinger Kreis ist heute das wichtigste parteiinterne Machtinstrument Angela Merkels. Denn ihm gehören an: ihr Generalsekretär Ronald Pofalla; der im Wirtschaftsministerium arbeitende Staatssekretär Peter Hintze, einst Merkels Vorgänger auf dem Posten des CDU-Generalsekretärs; der neue Staatsminister Hermann Gröhe, der für die Bund-Länder-Koordination verantwortlich ist im Kanzleramt; der Justiziar der Unionsfraktion, Günter Krings; der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion Norbert Röttgen. Die Plus-Minus-Vierzigjährigen kennen sich alle schon aus Zeiten der Jungen Union, wo sie sich Anfang der achtziger Jahre als "liberale" Bewegung gegen die konservative Gruppe "Bewegung" zusammengeschlossen hatten. Die "Bewegung" existiert nicht mehr, die "Leichlinger" sind die wichtigsten Verbündeten Merkels. Und man kann darauf warten, dass Röttgen bald zum politischen Nachfolger von Merz aufsteigt.

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Gut zu dieser Gruppe passt ein weiterer Aufsteiger - Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, der über Nacht ins Amt des CSU-Generalsekretärs befördert wurde. Der demnächst 37 Jahre alt werdende Adelsmann war bisher in der Berliner Politik nur als Außenpolitiker präsent gewesen. Bis er im Dezember, wie die "Berliner Zeitung" dezent schreibt, "den Vorsitz des CSU-Bezirks Oberfranken einem hoch favorisierten Konkurrenten" wegnahm. Der Mann, den Von und zu Guttenberg schlug, war immerhin Hartmut Koschyk, Parlamentarischer CSU-Geschäftsführer. Und damit hinter Peter Ramsauer zweitwichtigster Mann der 47-köpfigen CSU-Landesgruppe im Bundestag. Er schaffte es völlig unangekündigt mit einer einzigen Rede, die er auf der entscheidenden Sitzung im Dezember 2007 vor den Parteifreunden hielt. Das galt als Sensation ersten Ranges. Woran es teilweise auch gelegen haben könnte: Koschyk gilt in Oberfranken manchen immer noch nicht als "richtiger" Bayer, weil seine Eltern einst nach dem Krieg aus Oberschlesien vertrieben worden waren. Alles ist jetzt in Berlin gespannt, wie zu Guttenberg dort auftritt - und eventuell dem CSU-Landesgruppenchef Ramsauer politisch Konkurrenz macht. Der Alt-CSU-Vorsitzende Theo Waigel, oft ein Kritiker der aktuellen CSU-Politik, ist jedenfalls hoch entzückt: "Das ist ein richtig sympathischer, erstklassiger politischer Kerl."

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Viele Namen sind dieser Tage genannt worden, wer denn was wo werden könnte im Zusammenhang mit dem neuen bayerischen Kabinett und der Nachfolge von Horst Seehofer. Den interessantesten Vorschlag machte dabei ein CDU-Ministerpräsident im vertraulichen Gespräch. Er könne einfach nicht verstehen, weshalb nicht Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, einst Edmund Stoibers Sprecher, von Angela Merkel als neuer Ministerpräsident in Bayern durchgesetzt worden sei. "Das wäre der Beweis dafür gewesen, dass es eine gute jüngere Generation in der CSU gibt." Und außerdem würden alle bayerischen Wählerinnen den Mann mit dem Robert-Redford-Lächeln sofort wählen.

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Auch wenn die SPD bei der bayerischen Landtagswahl erneut abgerutscht ist, bekommt SPD-Spitzenkandidat Franz Maget bei seinen Berliner Parteifreunden noch immer gute politische Noten. So sagt SPD-Generalsekretär Hubertus Heil über ihn: "Seine Leistung besteht darin, den Menschen klar gemacht zu haben, dass man auch ein anständiger Bayer sein kann, ohne CSU zu wählen." Vom neuen Landesvater Horst Seehofer reden die mitregierenden Genossen in Berlin weitaus weniger respektvoll. "Auf eines kann man sich bei Seehofer verlassen," sagt ein hochrangiger, nicht bayerischer SPD-Mann, "nämlich dass man sich nicht auf ihn verlassen kann."


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