HOME

Berlin vertraulich!: Räucherspeck für die Journaille

Pflaumenschnaps und ein schönes Stück Speck: Die CSU weiß die Hauptstadtjournalisten zu bezirzen. Noch weihnachtlicher ging es auf der CDU/CSU-Fraktionssitzung her, auf der Angela Merkel und Volker Kauder einträchtig festliches Liedgut schmetterten.

Von Hans Peter Schütz

Es weihnachtet sehr auch im politischen Berlin. Für die CSU las Peter Gauweiler, ein Kenner der bayerischen Sprache, aus Ludwig Thomas "Heilige Nacht". Auf der weihnachtlichen Sitzung der CDU/CSU-Fraktion musste gesungen werden, wie immer auf ausdrücklichen Wunsch von Angela Merkel und Volker Kauder. Geschmettert wurde "Macht hoch die Tür', die Tor'macht weit". Die Frage von stern.de an einen Teilnehmer der Feier, ob das gesungen wurde, um der FDP und der Koalition den Weg aus ihrer Krise zu zeigen, fand nach Zusicherung strengster Diskretion eindeutige Antwort: "Damit der Rösler endlich raus kann!"

Wesentlich weihnachtlicher zeigte sich Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der einflussreichen CSU-Landesgruppe im Bundestag. Sie hatte bei ihrer Geschenkaktion, wie auch während des Jahres, das leibliche Wohl der Berliner Journaille im Auge. In Sitzungswochen beglückt sie Presseleute stets mit einem Hintergrundgespräch, bei dem Weißwürste mit süßem Senf serviert werden. Zu Weihnachten beschenkte sie die Schreiberlinge jetzt mit einem satten Stück geräuchertem Speck "aus meiner Heimat Niederbayern" und wünschte fürs neue Jahr "beste Gesundheit, Zufriedenheit und Gottes Segen". Und damit auch alles gut verdaut wird (die CSU-Politik Horst Seehofers in Berlin?), fügte sie auch noch einen Pflaume-Obstbrand "aus der Brennerei meines Mannes" hinzu - mit 42 Prozent, angeblich die Wunschzahl der CSU bei der nächsten Landtagswahl im Jahr 2013.

Eine andere Art politisches Weihnachtgedenken war beim CSU-Politiker Hartmut Koschyk zu beobachten. Er tourte durch öffentliches Gebäude in Berlin und knipste festlich geschmückte Weihnachtsbäume. Den Christbaum im Foyer des Bundestages fand er besonders eindrucksvoll - und kam sofort auf politische Gedanken: "Weihnachten ist das Fest der Hoffnung. Ich hoffe, dass sich das auswirkt und so die Strahlkraft wieder zunimmt, auch bei der FDP." Ob er dabei auf FDP-Chef Rösler setzt oder nicht, hat Koschyk nicht verraten.

Fischer wird wieder fit

Joschka Fischer läuft mal wieder. Durch den Grunewald, fünfzig bis sechzig Kilometer die Woche. Ist es ein Rücklauf in die Politik? Ein Gespräch mit Wolfgang Schäuble hat er unlängst gehabt. Man erinnere sich: 1996 hatte Fischer seinen "Lauf zu sich selbst begonnen", nahm 40 Kilo ab, lief einen Marathon und 1998 ins Amt des Bundesaußenministers. Dass er sich damit wieder fit macht für die Rückkehr in die Politik, bestreitet er hartnäckig.

Über die neue Farbe der SPD - Purpur - wird noch immer viel diskutiert. Für die Agentur, die sie der Partei eingeredet hat, drückt Purpur Geschlossenheit und Stärke aus. Für Farbpsychologen ist sie ein Fehlgriff: Nur einige Frauen würden von ihr angezogen, für Männer sei sie zu "süßlich". Die Parteispitze, so die Kreativabteilung in der SPD, habe die neue Stärke der Partei auch optisch ausdrücken wollen. Aber SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich immer noch keine endgültig Meinung über die neue Farbe gemacht. "Ich war skeptisch", räumte er gegenüber stern.de ein. Andererseits ist er sich auch sicher: "Wenn der Parteitag schief gegangen wäre, dann hätten alle gesagt: Die Farbe ist schuld."

Mit reichlich Spott hat das SPD-Parteiblatt "Vorwärts" die Kanzlerin bei ideologischer Abkupferei korrigiert. Auf dem jüngsten CDU-Parteitag in Leipzig hatte Angela Merkel ihre Partei auf den Slogan "Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit" als neuen politischen Kompass der CDU eingeschworen. Das seien schöne Grundwerte für die CDU - den Christdemokraten bisher vor Merkel allerdings fremd. Der SPD dagegen geht es seit 1890 bereits um "Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität". Das SPD-Blatt spottet: "Wie soll Frau Merkel das wissen, die zwischen SPD und Blockparteien groß geworden ist". Damit die beiden Volksparteien von der Kanzlerin künftig wieder ideologisch besser auseinander gehalten werden, hat ihr der "Vorwärts" jetzt eine Tasse geschenkt, als Erinnerungsstütze für künftige Reden. Darauf ist eine Frau zu sehen, die eine SPD-Fahne hochhält mit den drei Grundwerten der SPD. Ein kleiner Vorgriff für den Fall, dass es 2013 zu einer rot-schwarzen Großen Koalition kommen sollte?