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Berlin vertraulich!: Rettet unseren Franz-Josef

Wie heldenhaft war sie denn nun, die alte, bayerische CSU-Legende Franz Josef Strauß? Bei Madame Tussauds kommt er nicht so gut weg, wie es einige Parteigrößen gerne hätten - nun verlangt CSU-Politiker Markus Söder, dass die britische Regierung gegen die Rufschädigung einschreitet.

Von Hans Peter Schütz

Was war er denn nun, dieser Franz Josef Strauß - Held oder Bösewicht? Die Kanzlerin hat den wichtigsten CSU-Politiker aller Zeiten ja unlängst im Geschichtsbuch ganz weit nach oben geschoben. Ohne ihn wäre die Mauer nicht gefallen und sie stünde heute nicht an der Spitze der deutschen Politik, sagte sie. Im Berliner Wachsfigurenkabinett der britischen Madame Tussauds ist die Zuordnung dubios. Erstens gibt es Strauß dort nicht "echt" als Wachsfigur wie etwa Helmut Kohl, sondern nur auf einer Hinweistafel. Zweitens taucht er auf ihr per Foto unter der Rubrik "Helden und Bösewichte" auf. Neben ihm wird der DDR-Spion Günther Guillaume gezeigt, allerdings auch Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Widerstandskämpfer gegen Hitler, und Weltkrieg-I-Jagdflieger Manfred von Richthofen. Zumindest diese beiden dürften auch für Strauß nicht in die historisch-moralische Kategorie der "Bösewichte" gefallen sein.

Die CSU schäumt dennoch, weil bei Madame Tussauds auf die "Spiegel-Affäre" hingewiesen wird, in der Strauß den Herausgeber Augstein 104 Tage zu Unrecht hinter Gitter brachte. CSU-Parteichef Erwin Huber: "Das ist eine Sauerei!" Sohn-Strauß Max brüllt: "Die haben doch einen Knall!" Der Vergleich zwischen Guillaume und Strauß sei wie der zwischen einem "Häufchen Hundsdreck und der Zugspitze". Der bayerische Staatsminister in Berlin, Markus Söder, fordert sogar, Außenminister Frank-Walter Steinmeier müsse offiziell bei der britischen Regierung protestieren. Damit liegt er ziemlich schief. Denn in Söders Berliners Amtssitz läuft gerade die Ausstellung "Strauß - ein deutsches Leben." Und dort wird noch intensiver auf die schwarzen Flecken in der Strauss-Karriere hingewiesen. Als da sind: Die "Fibag"-, die "Spiegel"- und die "Starfighter-Affäre". "Es kann nicht das Ziel sein, etwas unter den Teppich zu kehren", sagt die für diese Ausstellung verantwortliche Historikerin Renate Höpfinger.

Das ist auch ein Tipp für Angela Merkel. Die Verdienste von Strauß um die deutsche Wiedervereinigung sind minimal. Erst bekämpfte er die Ostpolitik Brandts wie entfesselt, dann den Grundlagenvertrag. Und schließlich half er dem DDR-Regime beim Überleben mit Milliarden-Krediten.

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Die Staatsministerin Hildegard Müller wechselt, wie von stern.de angekündigt, am 1. Oktober aus dem Bundeskanzleramt zum Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Ihr Mandat als CDU-Bundestagsabgeordnete gibt die Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück. Im Dezember kandidiert sie auch nicht mehr um einen Platz im CDU-Präsidium. Mit keinem Wort erwähnte Müller in der Bekanntgabe ihrer Entscheidung jedoch die zentrale Ursache ihres Wechsels: Die steten Rundreisen zwischen Berlin und Düsseldorf, wo sie Abgeordnete war, und Heidelberg, wo ihr Ehemann lebt und als Anwalt arbeitet, waren ihr zuviel. Und für das nicht ganz zweijährige Töchterlein Sarah blieb so gut wie keine Zeit. Der Ehemann wiederum konnte nicht nach Berlin ziehen, weil er aus seiner ersten Ehe zwei schulpflichtige Kinder hat, denen ein Umzug nicht zugemutet werden sollte. Der menschlich eindrucksvolle Satz von Hildegard Müller zu ihrem Ausstieg: "Ich bin nur gut, wenn es meiner Familie gut geht." Politisch interessant ist an der Kündigung Müllers aber vor allem, dass mit ihr - nach Friedrich Merz - erneut eine Wirtschaftsexpertin erster Klasse aus der Umgebung der Kanzlerin verschwindet. Und die Beziehungen zwischen Merkel und den Spitzen der deutschen Industrie sind schon schlecht genug. Allerdings: Dass sie eines Tages wieder in Politik zurückkehrt, hält Hildegard Müller durchaus für denkbar.

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Ein anderes ehemaliges Mitglied des Merkel'schen "Girlcamps", ihre Medien-Beraterin Eva Christiansen, hat ihr familiäres Umfeld besser im Griff. Sie pendelt zwischen Köln, wo ihr Mann lebt, und Berlin, wo sie mit dem zweieinhalbjährigen Tochter Sophie während der Woche wohnt und arbeitet. Sophie fühlt sich im exklusiven Bundestags-Kinderhort rundum wohl. Und außerdem ist die Mama allenfalls 200 Meter weit entfernt im Kanzleramt auf Arbeit. Christiansen, derzeit auf Vier-Tage-Woche im Kanzleramt beschäftigt, wird daher in näherer Zukunft wieder mit der vollen Arbeitszeit der Kanzlerin zuarbeiten.

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Politische Sommerpause: Politisch hat FDP-Generalsekretär Dirk Niebel eher selten etwas zu sagen. Aber er nutzt die politikfreie Zeit jetzt offenbar dazu, die FDP wieder als Spaßpartei ins Gespräch zu bringen. Per schriftliche Anfrage wollte er von der Bundesregierung wissen, ob sie der deutschen Fußballelf vor dem Endspiel in der Europameisterschaft gegen Spanien "Spielanweisungen gegeben" habe. Schließlich habe Bastian Schweinsteiger sein gutes Spiel in der Zwischenrunde "auf direkte Handlungsanweisungen der Kanzlerin" zurückgeführt. Die Antwort der Regierung hätte auch von Sepp Herberger stammen können: Erstens sei der Ball rund, zweitens dauere das Spiel 90 Minuten, drittens sei der nächste Gegner immer der schwerste. Seither heißt es im Regierungsviertel: Angela Merkel macht Politik so gut wie Herberger Fußball spielen ließ. Und einen wie Niebel werde sie nie aufstellen.