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Berlin vertraulich!: Warum Frauen zu Guttenberg berühren

Verfügt der Bundesverteidigungsminister über uralte Heilkräfte? Eine oft gesehene Geste lässt dies jedenfalls vermuten. Auch Parteifreund Theo Waigel hat Besonderes vorzuweisen: seine Augenbrauen.

Von Hans Peter Schütz

Theo Waigel hält zwei bemerkenswerte Rekorde: Keiner stemmte den schwierigen Job des Bundesfinanzministers länger als der CSU-Mann. Neun Jahre hielt er durch und dies auch noch in der schwierigsten aller Finanzzeiten, den Jahren der Wiedervereinigung. Und keinen Politiker schmücken auch nur halbwegs so buschige Augenbrauen wie ihn. Auf die Frage von Kindern, ob sein Augenschmuck denn echt sei, gestand er: "Die Augenbrauen lasse ich so wie sie sind, nur manchmal streiche ich sie ein bisschen zur Seite, damit die Karikaturisten sie nicht immer so extrem zeichnen."

Geholfen hat das nicht viel. Im Bundesfinanzministerium in Berlin lässt sich zurzeit eine Karikaturen-Ausstellung besichtigen unterm Titel "Die Augenbraue" mit Arbeiten der Karikaturisten Horst Haitzinger, Dieter Hanitzsch und Ernst Maria Lang. Der Berliner CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich nach der Besichtigung der Ausstellung zu stern.de: "Die Karikaturisten sollten froh sein, dass es Waigel und die Brauen gab, sie hätten sonst niemals so gute Arbeit leisten können."

Die schönste Karikatur glückte Horst Haitzinger. Der Titel: "Rentnerträume". Waigel und Oskar Lafontaine, einst SPD-Finanzminister, sitzen gemütlich nebeneinander beim Angeln am Teich. Und träumen davon, was sie mit dem Fisch machen, wenn sie einen fangen. Waigel denkt an einen Fisch auf dem Grill mit dem Kopf von Edmund Stoiber, bekanntlich sein überaus ungeliebter Parteifreund. Lafontaine davon, wie ihm ein dicker Karpfen mit dem Kopf von Gerhard Schröder serviert wird, den er für einen überaus unfähigen Kanzler hielt.

Als es Lafontaine wegen seiner Krebsoperation schlecht ging, schickte Waigel ihm den Katalog der Ausstellung mit dieser Karikatur. Waigels Motiv, wie er gegenüber stern.de bekannte: "Bei allem Ärger, den er mir bereitet hat, verstehen wir uns gut. Ehrlich gesagt: Ich kann ihn ganz gut leiden."

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Dass die Bürger Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg glatt die Kanzlerschaft zutrauen, ist bekannt. In Umfragen liegt er klar vor Angela Merkel. Dass Frauen ihm gerne bei öffentlichen Auftritten ihre Hand auf seinen Arm legen, lässt sich oft beobachten. Diese Geste hat Geschichte.

Im frühen Mittelalter besaßen die fränkischen Adelsvorfahren Guttenbergs das so genannte "Königsheil". Eine Würde, die eine enge Bindung des Herrschers an Glück und Erfolg signalisierte. Dahinter stand der Glaube, dass der König über eine besondere Form des Heils verfüge, über Kräfte, die über das menschliche Maß hinausgehen. Neben eher diesseitigen Eigenschaften wie Ehrgeiz und Redegewandtheit gehörte dazu auch die Idee, in der Schlacht unverwundbar zu sein. Durch Berührung versuchten die Frauen, vom Heilsversprecher beschenkt zu werden.

Als unverwundbar in den politischen Kleinkriegen hat sich zu Guttenberg bislang gezeigt, keine Frage. Stolz darauf ist inzwischen auch CSU-Chef Horst Seehofer, der zu Guttenberg "meine politische Erfindung" nennt. Und als "Glücksfall" schlechthin preist ihn der CDU-Abgeordnete Philipp Mißfelder.

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Die neuerlichen Gesundheitsprobleme seines Bruders Wolfgang bereiteten dem baden-württembergischen Ex-Innenminister Thomas Schäuble (CDU) ein ganz spezielles Problem. Auf einer Autofahrt durch den Schwarzwald telefonierte er so engagiert mit dem Journalisten eines Hamburger Magazins, dass er das Gaspedal zu tief durchdrückte. "Jetzt bin ich schon wieder geblitzt worden, zum dritten Mal in dieser Woche", stöhnte er ins Telefon. Das Angebot, die Strafmandate vom Magazin bezahlen zu lassen, lehnte er tapfer ab. "Das ist mir die faire Berichterstattung über den Wolfgang wert."

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Die SPD-Bundestagsabgeordneten hielten sich auffallend zurück, als der Parteichef der Linkspartei, Klaus Ernst, in einer hitzigen Diskussion stand, weil er zusätzlich zu seinen Diäten als Abgeordneter in Höhe von 7668 Euro noch 3500 Euro aus der Parteikasse fürs Amt des Parteichefs bekam. Jetzt ist klar, was die Genossen bremste: In der SPD kassiert nicht nur Parteichef Sigmar Gabriel doppelte Diäten. Auch die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles ist doppelt dabei, ebenso SPD-Bundesschatzmeisterin Barbara Hendricks.

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Die Kicker von Borussia Dortmund spielen im Augenblick ganz vorne mit in der Bundesliga. Die Aktien der Borussia Dortmund GmbH befinden sich seit ihrer Ausgabe allerdings in steter Abstiegsgefahr. Doch jetzt kann es nur noch besser werden: Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat im Aufsichtrat der Borussia angeheuert. Damit spielt dort einer mit, der felsenfest glaubt, er verstünde was vom Geld. Außerdem kann er dort jetzt mal wieder Große Koalition spielen: Im Aufsichtsrat sitzt auch CDU-Wirtschaftsexperte Friedrich Merz. Das müsste doch für einen Aufstieg auf dem Aktienmarkt reichen.