HOME

Berlin vertraulich!: Was Steffen Seibert als neuer Regierungssprecher verdient

Für Steffen Seibert, ZDF, lohnt es sich, in die Dienste von Angela Merkel, CDU, zu treten. Er hat zunächst mehr Geld und später bessere Aussichten.

Von Hans Peter Schütz

Steffen Seibert also! Beachtlich lange gedauert hat das spekulative Geraune, wer vom nächsten Monat an als Regierungssprecher amtieren wird, wenn Ulrich Wilhelm zum Bayerischen Rundfunk zurückkehrt, um dort die Intendanz zu übernehmen. Seibert, der neue Chefverkäufer der Kanzlerin, hat bislang über die ZDF-Nachrichten die Republik informiert - und keiner hat gemerkt, wie nahe er Angela Merkels Herzen steht. Die Verbindung ist auch deswegen bemerkenswert, weil Seibert öffentlich bekannte, in der Vergangenheit auch mal SPD oder Grüne gewählt zu haben. Viele kennen, nur wenige wissen näheres über ihn. In den neuen Job mitbringen muss er einen ganzen Rucksack mit Fähigkeiten: "Unerschütterliche Ruhe, großes Wissen, Humor, schnelle Reaktionsfähigkeit, Kenntnis der Gesetze, unter der die journalistische Arbeit steht, und jederzeit Hilfsbereitschaft." So zumindest hat einmal Felix von Eckardt, Spitzname "Bundespressechef" und einst bester Verkäufer der Politik von Konrad Adenauer, das Anforderungsprofil für einen Regierungssprecher beschrieben.

Daran erinnert hat jetzt ausgerechnet Klaus Bölling, der in der Berliner Journaille ebenfalls als überaus erfolgreicher und kollegialer Regierungssprecher während der sozialliberalen Koalition von Kanzler Helmut Schmidt von 1974 bis 1982 gilt. Bölling verbindet mit Seibert eine vielfach ähnliche Karriere. Auch er war Journalist und Moderator im öffentlich-rechtlichen Mediensystem, berichtete ebenfalls wie Seibert zeitweilig als Korrespondent aus Washington.

*

Einige Kollegen des neuen Regierungssprechers reagierten eher mäßig begeistert auf Merkels Entscheidung. Vielleicht spielte da auch ein bisschen Brotneid mit. Als Leiter des Bundespresseamts im Range eines Staatssekretärs verdient Seibert rund 11.500 Euro im Monat, gut 3000 mehr als bisher. Und wenn er den Job erfolgreich stemmt, ist weitere Karriere im ZDF-System garantiert, da darin alle hochrangigen Personalentscheidungen unter massivem Einfluss der Parteien stehen. Garantiert dürfte die CDU einen erfolgreichen Ex-Regierungssprecher mindestens mit dem Posten eines Chefredakteurs belohnen. Mediale Karriere lässt sich als Regierungssprecher durchaus machen: Ulrich Wilhelm ist das beste Beispiel. Er ist nun Chef des Bayerischen Rundfunks.

Dass die Suche nach seinem Nachfolger sich so beschwerlich gestaltet hat, hing vermutlich eng damit zusammen, dass ein guter "Verkauf" dieser eher wortschwachen Bundeskanzlerin einen hoch talentierten Wortkünstler voraussetzt. Otto Hauser jedenfalls, lange Jahre für die CDU als Abgeordneter im Bundestag und zuletzt als Parlamentarischer Staatssekretär Regierungssprecher von Bundeskanzler Helmut Kohl, sprach offen aus, was andere vermutlich nur dezent gedacht haben. Auf die Frage von stern.de, ob er denn kein Heimweh nach dem Sprecher-Job habe, antwortete er grimmig-erregt: "Für diese Kanzlerin spreche ich ganz bestimmt nicht!" Allerdings, "wenn Kohl zurückkäme, würde ich es mir überlegen."

*

Endlich geschafft. Jetzt kann es mit Schwarz-Gelb in Berlin nur noch aufwärts gehen: Angela Merkel, Birgit Homburger und Volker Kauder duzen sich neuerdings allesamt. Hat ja ziemlich lange gedauert, vor allem der Duzi-Prozeß zwischen der FDP-Fraktionsvorsitzenden und der Kanzlerin soll ein eher schwieriger Vorgang persönlicher Annäherung gewesen sein. Dass Merkel jetzt zu ihrem ersten Good-Will-Besuch bei der FDP-Bundestagsfraktion weilte, hat die Sache erleichtert. Gemeinsam besichtigte das schwarz-gelbe Trio diese Woche auch das Fußballspiel Deutschland gegen Spanien, das von der Ex-Fußballfrau Homburger fachmännisch kommentiert wurde. FDP-Chef Guido Westerwelle saß nicht dabei, was Homburger nicht traurig stimmte: "Der versteht sowieso nichts vom Fußball." Und von Politik? Darüber wurde an diesem Abend nach zuverlässigen Berichten nicht geredet.

*

Aber andernorts. Die schwarz-gelbe Elf spielt bekanntlich bei den Männern nur halbwegs harmonisch zusammen. Verdeckte Fouls sind eher selten, meist grätschen die Herren unter voller Missachtung der Koalitionsregeln öffentlich einander in die Beine - wie jetzt mal wieder der CSU-Ausputzer Markus Söder gegen den freidemokratischen Flügelstürmer Philipp Rösler. Allenfalls sehr bedingt tauglich, so Söder, sei dessen Gesundheitssystem. Die schwarz-gelben Frauen - immerhin 70 Koalitionsmitglieder - hingegen trafen sich jetzt zwecks Förderung des Teamgeists zu einer Party. Für die künftige Politik gab dabei die schwarze Spielführerin Rita Pawelski die Devise aus, "den Ball flach halten und sich gegenseitig zuspielen". Und sich nicht so zu produzieren, wie dies "eine Handvoll Stinkstiefel" bei den Männern ständig praktiziere. CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder beobachtete die Frauen-Partie aufmerksam und räumte hinterher beeindruckt ein: "Die Stimmung bei den Frauen unserer Fraktionen ist gut."