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Brigitte Mohnhaupt: Ex-RAF-Terroristin kommt frei

Die frühere RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt kommt nach mehr als 24 Jahren im Gefängnis auf freien Fuß. Die zu lebenslanger Haft verurteilte Mohnhaupt wird am 27. März auf Bewährung entlassen.

Brigitte Mohnhaupt darf die Justizvollzugsanstalt im bayerischen Aichach in wenigen Wochen verlassen. Die heute 57-Jährige gehörte in den Jahren von 1977 bis zu ihrer Festnahme 1982 zur Führungsebene der terroristischen "Rote Armee Fraktion (RAF)". Wie das Stuttgarter Oberlandesgericht am Montag mitteilte, wird die Reststrafe der 57-Jährigen mit Wirkung vom 27. März zur Bewährung ausgesetzt. Mohnhaupt war am 11. November 1982 festgenommen und am 2. April 1985 wegen neunfachen Mordes zu fünf Mal lebenslänglich und 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Mindestverbüßungsdauer ihrer Strafe war zuletzt auf 24 Jahre festgesetzt worden.

Der Kreis schließt sich

Wenn Brigitte Mohnhaupt in sechs Wochen aus dem Gefängnis im bayerischen Aichach entlassen wird, schließt sich für sie ein Kreis: Die einstige Führerin der zweiten Generation der "Roten Armee Fraktion" (RAF) wurde vor fast genau 30 Jahren schon einmal aus der Haft entlassen. Danach beteiligte sie sich an mehreren Morden im "Deutschen Herbst" 1977, für den die Öffentlichkeit sie als Symbolfigur sieht. Die Frage nach dem Umgang mit dieser Vergangenheit stellt sich nach 30 Jahren wieder neu, wie die öffentliche Debatte über ihre Freilassung zeigte. Die heute 56-jährige verurteilte Mörderin ist die Verbindung zwischen der scheinbar fernen Vergangenheit der RAF und der Gegenwart.

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Vor 35 Jahren, im Sommer 1972, wurde die 1949 am Niederrhein geborene Studentin, die Journalistin werden wollte, zum ersten Mal verhaftet. 1971 hatte sie sich der RAF angeschlossen und für sie Waffen beschafft. Dafür wurde sie zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, von denen sie die letzten Monate in der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim verbrachte, auf einer Etage mit Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Deren Auftrag gemäß wurde Mohnhaupt nach der Entlassung im Februar 1977 zur Schlüsselfigur der "zweiten Generation" der RAF, nachdem die Führungsfiguren der ersten Generation in Haft saßen oder Selbstmord begingen.

Keine öffentliche Distanzierung von der RAF

Als neue Chefin stand sie hinter den Attentaten vom Herbst 1977, auch wenn deren genauer Hergang ungeklärt ist. Sie wurde 1985 wegen Beteiligung an den Morden an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, an Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und an Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer verurteilt. Zwischen den Taten und dem Urteil lebte sie im Untergrund. Sie wurde 1978 in Jugoslawien festgenommen. Weil die Bundesregierung aber einen Austausch gegen andere Gefangene ablehnte, durfte sie in ein Land ihrer Wahl ausreisen. 1981 war sie am Attentat auf den amerikanischen General Frederick Kroesen beteiligt.

1982 wurde sie in einem Wald in Hessen verhaftet, wo die RAF ein Depot angelegt hatte; fünf Tage später wurde auch Christian Klar gefasst, dessen Gnadengesuch bei Bundespräsident Horst Köhler ebenfalls zur neuen RAF-Debatte beitrug. Im April 1985 erging gegen sie mit fünf Mal lebenslänglich plus 15 Jahren das bisher härteste Urteil. Mit Klar ist sie das am längsten inhaftierte Mitglied der RAF. Wie er zeigte auch Mohnhaupt im Prozess und im Gefängnis keinerlei Reue oder Distanzierung von ihren Taten. Als die verbliebene RAF 1992 einen Gewaltverzicht erklärte, lehnte sie dies ab. 1998 erklärte die RAF ihre Auflösung.

Angehörige der Opfer protestierten gegen Freilassung

Aus der Zeit, die damit zu Ende zu gehen schien, ist Mohnhaupt mit Klar, Eva Haule und Birgit Hogefeld die letzte Gefangene. Ihr Schicksal ragt aus einer fern und fremd scheinenden Vergangenheit in die Gegenwart. Angehörige der Opfer und konservative Politiker haben gegen ihre Freilassung protestiert. Sie fordern Reue oder zumindest eine öffentliche Stellungnahme der Täter zu ihren Taten, was Mohnhaupt und Klar bisher verweigern. Mohnhaupt erklärte, das Thema RAF sei für sie erledigt. Die Bundesanwaltschaft hat ihre Freilassung beantragt. Auch Mohnhaupt soll eine Chance auf Resozialisierung haben. Am Montag kündigte das Oberlandesgericht Stuttgart ihre Freilassung am 27. März an - auf Bewährung.

Derzeit verbüßen noch drei von ehemals 26 Ex-Terroristen der RAF eine lebenslange Haftstrafe:

Christian Klar (54):

Der Sohn eines Freiburger Lehrer-Ehepaares hofft auf eine baldige Begnadigung durch den Bundespräsidenten. Klar sitzt seit 24 Jahren im Gefängnis, derzeit in Bruchsal (Baden-Württemberg). Er zählte Mitte der 70er Jahre zum inneren Führungszirkel der RAF. Fahnder hielten ihn für besonders gewaltbereit. Der studierte Historiker war Mohnhaupts Hauptkomplize bei der Schleyer-Entführung. 1985 erhielt er Lebenslang wegen gemeinschaftlich verübten Mordes an Hanns-Martin Schleyer, Siegfried Buback und Jürgen Ponto sowie deren Begleitern.

Eva Sybille Haule (52): Die in Stuttgart geborene Malerin spielte eine führende Rolle im "Kommando Jan-Carl Raspe", das Ende 1984 einen Bombenanschlag auf die NATO-Schule in Oberammergau verüben wollte. Festgenommen wurde sie im August 1986. Wegen dreifachen Mordes und 23-fachen versuchten Mordes wurde sie 1994 zu lebenslanger Haft verurteilt. Haule sitzt in der Frauenvollzugsanstalt Berlin-Neukölln ein.

Birgit Hogefeld (50):

Die gebürtige Wiesbadenerin stieg zu einer Leitfigur der "dritten" RAF-Generation auf. Im Juni 1993 wurde sie in Bad Kleinen (Mecklenburg-Vorpommern) verhaftet. Dabei starben ihr RAF-Komplize Wolfgang Grams und ein GSG-9-Beamter. Wegen der Ermordung eines US-Soldaten und des Bombenanschlags auf die Frankfurter US-Airbase 1985 wurde Hogefeld 1996 zu lebenslanger Haft verurteilt. Ihre Entlassung aus einem Frankfurter Gefängnis ist frühestens 2011 möglich.

DPA/AP / AP / DPA