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Bundespräsident: FDP-Politiker dringen auf eigenen Kandidaten

In der FDP mehren sich die Stimmen für einen eigenen Kandidaten zur Wahl des neuen Bundespräsidenten. Mögliche Bewerber sind Wolfgang Gerhardt und Cornelia Schmalz-Jacobsen.

In der FDP mehren sich die Stimmen für einen eigenen Kandidaten zur Wahl des neuen Bundespräsidenten. Präsidiumsmitglied Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nannte Fraktionschef Wolfgang Gerhardt und die ehemalige Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Cornelia Schmalz-Jacobsen als mögliche Bewerber. Aber auch die Chefs der FDP-Landtagsfraktionen von Hessen, Nordrhein-Westfalen und Berlin pochten auf ein eigenständiges Auftreten der Liberalen. Derweil äußerte sich auch der scheidende Bundespräsident Johannes Rau positiv über den CDU-Politiker Klaus Töpfer.

"Faire Arbeitsteilung"

Der hessische FDP-Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn sagte laut "Focus", noch vor der Landtagswahl in Hamburg am 29. Februar müsse die CDU erklären, "ob sie 2006 mit uns gegen Rot-Grün antreten will". Zu einer fairen Arbeitsteilung gehöre, "dass die FDP den Bundespräsidenten stellt und die CDU die Bundeskanzlerin". Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen, Ingo Wolf, erklärte: "Wenn die Union keinen gemeinsamen FDP-Kandidaten will, muss sie sich darauf einstellen, dass wir eine andere Mehrheit für eine FDP-Kandidatur suchen." Und der Berliner FDP-Fraktionschef Martin Lindner äußerte die Erwartung, dass sich die Delegierten seiner Partei in der Bundesversammlung den Kandidaten einer anderen Partei nicht einfach aufzwingen ließen.

Harter Kurs gegenüber der Union

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende und baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring schwor seine Partei ebenfalls auf einen härteren Kurs gegenüber der Union ein. "Es gibt keinen Grund, die CDU zu schonen", sagte er mit Blick auf die Landtagswahlen in Hamburg, Thüringen und im Saarland. "Die setzen überall auf die absolute Mehrheit, da gibt's für uns auch keine Unterstützung", zitiert das Magazin Döring. Im "Spiegel" warf auch der Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Bundestag, Jürgen Koppelin, der Union vor, sie führe sich wie eine Staatspartei auf.

Kein Automatismus für Unionspolitiker

Leutheusser-Schnarrenberger nannte als einzige führende FDP-Politikerin Namen. Mit Gerhardt und Schmalz-Jacobsen besäßen die Freien Demokraten "zwei herausragende Persönlichkeiten, die für das Amt des Bundespräsidenten geeignet wären", sagte sie der "Bild am Sonntag". Einen Automatismus für irgendeinen Unionspolitiker könne es nicht geben, fügte Leutheusser-Schnarrenberger hinzu. "Die Aussichten, nach 25 Jahren wieder einen Liberalen im höchsten Staatsamt zu haben, sind außerordentlich gut. Die FDP wird die einzigartige Chance ergreifen", sagte sie.

Auch Rau lobt Töpfer

Nach Schröder ließ Rau erkennen, dass er den früheren Bundesumweltminister Töpfer als geeigneten Kandidaten für höchste Staatsämter ansieht. Im Gespräch mit der ARD erklärte Rau am Freitag in Dortmund: "Das habe ich immer so gesehen". Der Bundespräsident betonte aber, er wolle sich damit nicht in die Kandidatendebatte einmischen.

Beust plädiert für Schäuble

Mit dem Hamburger Bürgermeister Ole von Beust plädierte unterdessen ein weiterer führender CDU-Politiker für den ehemaligen Unionsfraktionschef Wolfgang Schäuble als Rau-Nachfolger. Für ihn sprächen seine Erfahrung, auch die inzwischen eingekehrte Gelassenheit und Souveränität, sagte Beust der "Bild am Sonntag". Angesichts des Größenverhältnisses zwischen CDU/CSU und FDP werde es auf einen Unionskandidaten hinauslaufen, und die Liberalen würden klug genug sein, sich in der Bundesversammlung nicht mit der SPD zu verbünden.