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AKK-Nachfolge: Spahn, Laschet, Merz – oder doch ein Bayer? Die möglichen Kanzlerkandidaten der Union

Der angekündigte Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer vom CDU-Vorsitz wirft die Frage auf, wer Kanzlerkandidat der Union wird. Vier Männer haben die größten Chancen - und zwei von ihnen haben sich schon positioniert.

Vor einer blauen Wand mit helleren CDU-Logos sitzen drei Männer mit Anzügen und Krawatten an einem Tisch mit Mikrofonen

Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz (v.l.n.r.) haben momentan die größten Chancen auf den CDU-Vorsitz - und damit auch auf die Kanzlerkandidatur der Union (Archivbild vom November 2018)

DPA

Nach dem angekündigten Rückzug von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer werden drei Männer als Nachfolger gehandelt, denen schon länger Ambitionen auf den CDU-Vorsitz nachgesagt werden. Für die Kanzlerkandidatur der Union kommt allerdings auch ein CSU-Mann in Betracht.

Friedrich Merz

Auf ihn richten sich nun alle Blicke: Bei der Vorsitzendenwahl der CDU vor 14 Monaten unterlag Merz knapp, nun eröffnet ihm der angekündigte Rückzug Kramp-Karrenbauers eine neue Chance. Zudem sorgte Merz in den vergangenen Tagen selbst dafür, sich im Gespräch zu halten. Seinen lukrativen Posten als Aufsichtsratschef beim Investmentkonzern Blackrock wolle er niederlegen, um sich "in den nächsten Wochen und Monaten noch stärker für dieses Land engagieren", kündigte der 64-Jährige Mitte vergangener Woche an - es hörte sich an wie eine Kampfansage gegen Kramp-Karrenbauer.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Auf Merz ruhen die Hoffnung vieler Christdemokraten, denen der Kurs der Partei in den Jahren des Parteivorsitzes von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu beliebig wurde. Sie erhoffen sich eine Rückorientierung auf eine konservativere und wirtschaftsfreundlichere Politik. Dabei schien Merz' Karriere bereits 2005 am Ende: Merkel verdrängte ihn damals vom Amt des Fraktionsvorsitzenden. Grollend wechselte der konservative Jurist in die Privatwirtschaft, 2009 trat er nicht mehr zur Bundestagswahl an.

Jens Spahn

Bei der jüngsten Wahl der Parteispitze landete der umtriebige Gesundheitsminister noch weit abgeschlagen hinter Kramp-Karrenbauer und Merz auf Platz drei. Doch inzwischen bewies sich der Konservative, der einst profilierter Kritiker von Merkels Flüchtlingspolitik war, als fleißiger Ressortchef.

Spahn legt dem Bundeskabinett eine rekordverdächtige Zahl von Gesetzen vor - und hält sich in den parteiinternen Ränkespielen wohlweislich zurück. Via Twitter bekundete der Minister am Montag Kramp-Karrenbauer seinen "großen Respekt vor dieser unerwarteten Entscheidung" - und mahnte den "Zusammenhalt" der CDU an.

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Derart zurückhaltend wird der mit einem Journalisten verheirate Spahn bei seinen wirklichen Ambitionen wohl nicht immer bleiben. Schon in der Krise um das tückische Coronavirus suchte er regelmäßig das Rampenlicht und profilierte sich als Mann der Tat.

Spahns Ehrgeiz lässt sich auch an der steilen Karriere ablesen, die der 39-Jährige hinlegte: Mit nur 22 Jahren wurde der Bankkaufmann und Politologe 2002 erstmals in den Bundestag gewählt, sieben Jahre später übernahm er den Posten des gesundheitspolitischen Sprechers der Union. 2015 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, 2018 übernahm er dann das Gesundheitsressort.

Armin Laschet

Der 58-jährige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen gilt als treuer Gefolgsmann Merkels - gerade auch in den Jahren seit 2015, als diese in der eigenen Partei wegen ihrer Flüchtlingspolitik heftig angegriffen wurde.

Laschet, der im eher liberalen Spektrum der Union verortet wird, schweigt bislang zu möglichen Ambitionen auf CDU-Vorsitz und Kanzlerschaft - doch am Tag von Kramp-Karrenbauers Abgang macht er deutlich, worauf es seiner Meinung nach nun ankommt: Die Union müsse "mit der programmatischen Breite unserer Vereinigungen und der regionalen Verankerung der Landesverbände" ein überzeugendes Angebot machen. 

Was Laschet selbst zu seiner möglichen Kanzlerkandidatur sagt, sehen Sie im Video.

Armin Laschet

Laschets Aufstieg begann 2005 unter dem nordrhein-westfälischen CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. In dessen fünfjähriger Regierungszeit war er bis 2010 der erste Integrationsminister im einwohnerstärksten Bundesland.

In der nordrhein-westfälischen CDU stand der Journalist und frühere Verlagsgeschäftsführer allerdings lange in der zweiten Reihe. Erst nachdem im Frühjahr 2012 der seinerzeitige CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen die vorgezogene Landtagswahl krachend gegen die damalige SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verloren hatte, übernahm Laschet den CDU-Landesvorsitz. Im Dezember des Jahres wurde er CDU-Bundesvize, Regierungschef in Düsseldorf ist er seit 2017.

Markus Söder

Als CSU-Chef ist Markus Söder zwar kein Kandidat für den CDU-Vorsitz - aber vielleicht als Kanzlerkandidat der Union? "In Bayern ist mein Standort und mein Anker, ich bin bei den bayerischen Wählerinnen und Wählern im Wort", sagte Söder am Montag dem Bayerischen Fernsehen. "Ich bin der festen Überzeugung, es wird sich jemand finden in der CDU, der unbedingt will", fügte er hinzu.

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"Jetzt muss die CDU für sich selber eine ganz zentrale wichtige Entscheidung treffen, eine strategische Entscheidung, nicht nur eine personelle: Findet sie die Kraft, noch einmal sich zu erneuern? Meine Aufgabe ist mitzuhelfen, dass das funktioniert." Es sei notwendig, "dass man früher als nur im Laufe des Jahres zumindest einen Entscheidungsweg findet". Söder betonte, die ganze Sache sei ernst: "Das ist jetzt alles keine "Spielchensache": Es geht um die Zukunft der CDU, es geht um die Stabilität von Volksparteien und auch um die Stabilität der Bundesregierung."

Quellen: BR Mediathek.

tkr / DPA / AFP