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Lindner-Hochzeit auf Sylt "Promiprotz à la die Geissens" – Leserreaktionen zum aktuellen stern-Titel

Friedrich Merz im Privatflugzeug auf dem Weg nach Sylt. Abgehoben?
Friedrich Merz im Privatflugzeug auf dem Weg nach Sylt. Abgehoben?
© DPA
Corona, Krieg, Wirtschaftskrise: In dieser Situation heiratet Finanzminister Christian Lindner mit großem Posiergehabe, Politik und Prominenz versammeln sich auf Sylt. Die Titelgeschichte "Die Abgehobenen" des aktuellen stern  hat bei den Leser:innen unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Wir zeigen eine Zusammenfassung.

Vor Wahlen müssen sich Politiker oft auf den Zahn fühlen lassen: Wie teuer ist eigentlich ein Stück Butter? Die Milch? Das Brötchen? Diese Fragen sollen prüfen, ob die Wettbewerber um Deutschlands entscheidendste Stellen wirklich nah am Volk sind.

Knapp ein Jahr später scheint bei einigen Bundespolitikern die Frage beantwortet zu sein: Finanzminister Christian Lindner heiratet auf der Promi-Insel Sylt – während Deutschland und die Bundesregierung vor einer Reihe an Herausforderungen steht: Corona, Krieg, Inflation, drohende Rezession. Dezent geht anders. Bundeskanzler Scholz lässt sich die Sause nicht entgehen. Und CDU-Fraktionschef Friedrich Merz holt für den Trip nach Sylt extra seinen Privatflieger aus dem Hangar.

Florian Giseler kann die Debatte um die Inflation nicht nachvollziehen: "1) Hatten wir ähnliche Inflationen schon früher zu DM-Zeiten und niemand hat da groß rum gejammert, man hat es einfach genommen, wie es kam und 2) gibt es eben schon Inflationsgewinner. Um so höher der Preis, desto höher der Gewinn."

Es war von Lindner stil- und instinktlos, diesen Promiprotz nach außen zu kehren à la die Geissens.

Felipe Sauvageon sieht die Feier von Christian Lindner kritisch: "Es war von Lindner stil- und instinktlos, diesen Promiprotz nach außen zu kehren à la die Geissens. Der Andrang bei den Tafeln steigt überproportional, den Hartz4-Empfängern drohen Kürzungen und den mittleren bis geringen Einkommen kalte Wohnungen im Winter. Weder Lindner noch Merz noch sonst ein Politiker wird einen kalten Hintern haben, weder in den Büros oder im Plenum noch in den privaten Räumen, wenn sie die Fahrbereitschaft dorthin kutschiert hat. Und der Wein, die Meeresfrüchte oder die Steaks werden immer noch Premiumqualität haben. Das ist der Hintergrund, vor dem ich Lindners öffentliche Show-Hochzeit sehe."

Ist doch mittlerweile so Mode geworden in unserem Land. Es wird was gemacht oder gesagt, dann kommt das Echo bzw. Kritik und dann wird sich entschuldigt.

Rainer Korff sieht die Chance für Änderungen bei den nächsten Wahlen: "Wer einmal in einer solchen Position tätig war, hat im Leben keine Sorgen mehr. Aber gewählt ist gewählt! Nächstes mal besser machen. Ich bestimmt!" Bernd Kohr sieht hinter der Feier sogar Kalkül: "Wahrscheinlich wird er sich bald dafür entschuldigen und sagen: würde ich heute nicht mehr so machen. Ist doch mittlerweile so Mode geworden in unserem Land. Es wird was gemacht oder gesagt, dann kommt das Echo bzw. Kritik und dann wird sich entschuldigt."

Viele Leser sehen die Titelseite allerdings auch kritisch, vermuten dahinter "Neid", empfinden die Titelstory als Anstoß für eine "ernsthafte Debatte im Land" als nicht gelungen oder halten sie für "geschmacklos". Michael Friess bringt es dazu auf den Punkt: "Der Mann hat geheiratet und mit 140 Gästen eine Hochzeit gefeiert und die Feier bezahlt. So wie zig tausende andere Paare auch! Jedes Jahr und dieses Jahr und in Zukunft. Und wenn Verwandtschaft aus der Ferne oder ein Gast per Flugzeug kommt, dann geht das keinen linksgrünen „Patienten“ etwas an."

Den aktuellen stern (29/2022) können Sie noch bis zum 20.07. im Einzelhandel kaufen oder über unseren Shop bestellen.


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