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Bundesagrarminister: Glyphosat-Entscheidung: Der leise Herr Schmidt kann es auch knallen lassen

Christian Schmidt ist eigentlich ein besonnener Politiker, der den lauten Effekt nicht mag. Ausgerechnet in einer heiklen Phase für die Bildung einer neuen Regierung haut der CSU-Mann mit der Glyphosat-Entscheidung auf die Pauke.

Christian Schmidt

Christian Schmidt geht es, so behauptet er, immer um die Sache, und dann kann er ziemlich stur sein

Landwirtschaftsminister wollte Christian Schmidt eigentlich nie werden. Eigentlich. Als der Posten nach dem Rücktritt seines nur kurz amtierenden CSU-Parteikollegen Hans-Peter Friedrich 2014 frei wurde, griff der Franke aber zu. "Der kann nicht nur Panzer, der kann auch Mähdrescher", solle einmal deutlich werden, wünschte sich Schmidt zum Start in eigener Sache. Denn sein Feld war lange Jahre vor allem die Außen- und Verteidigungspolitik, die ihn auch immer noch nicht völlig losgelassen hat.

Regelrecht leicht gemacht hat es sich Schmidt in seiner Ministerrolle nicht, an der er zusehends auch inhaltlich Gefallen fand. Akribisch grub sich der Jurist in die Untiefen der Agrarpolitik ein. Für manche Kritiker vielleicht auch zu tief, um eine schlagkräftigere Präsenz zu entwickeln. Zu den Lauten, Auffälligen im Kabinett gehört der 60-Jährige jedenfalls nicht - zumindest bis zum Knall, den er nun mit seinem Ja zu einer weiteren EU-Zulassung für Glyphosat auslöste.

Christian Schmidt kann verdammt stur sein

Der Eklat mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD wegen des unabgestimmten Votums zeigt, dass Schmidt in Überzeugungen stur sein kann. "So ist er, der Schmidt", sagte der Minister trocken über sich, als die Empörung schon gewaltig anschwoll. Er entscheide eben an der Sache "und an nichts anderem". Der Krach dürfte seine Chancen kaum vergrößert haben, auch einer künftigen Regierung anzugehören. Sicher war das schon vorher nicht. Auch weil mit Bayerns CSU-Innenminister Joachim Herrmann ein weiterer Franke ins Bundeskabinett strebt.

Denn das half Schmidt einst auch auf den Ministersessel: Dass er Franke ist und evangelisch. Bei der Postenvergabe in der CSU spielen Regionalproporz und Konfessionszugehörigkeit oft eine Hauptrolle. Die anderen CSU-Minister waren Katholiken aus Schwaben und Oberbayern.

Schmidt ist vom Naturell her eher jemand für die tiefgehende Analyse als für Effekte. Auch als CSU-Vize ist er quasi kaum in Erscheinung getreten. Somit war es für viele in der Partei folgerichtig, dass er bei der Listenaufstellung für die Bundestagswahl keinen der wichtigen ersten fünf Plätze bekam. Das Direktmandat in seinem Wahlkreis gewann er aber wieder.

Mit 33 wird Schmidt das erste Mal in den Bundestag gewählt

Schmidt hat Jura in Erlangen und Lausanne studiert, wurde Anwalt und bereits 1990, im Alter von 33 Jahren, in den Bundestag gewählt. Dort widmete sich der Franke von Anfang an der Außen- und Sicherheitspolitik. Er war Mitglied der Ausschüsse für Auswärtiges und Verteidigung sowie Vorsitzender der deutsch-israelischen und der deutsch-britischen Parlamentariergruppe.


2005 wechselte Schmidt als Parlamentarischer Staatssekretär ins Verteidigungsministerium, wo er drei Ministern diente: Franz Josef Jung (CDU), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Thomas de Maizière (CDU). Unter dem 16 Jahre jüngeren Guttenberg fühlte sich Schmidt mit seiner langjährigen Erfahrung als eine Art Nebenminister. Das nutzte ihm bei Guttenbergs Rücktritt 2011 allerdings nichts. Der Aufstieg blieb ihm verwehrt, de Maizière wurde damals Ressortchef. Schmidt ging 2013 als Staatssekretär ins Entwicklungsministerium.

Als Agrarminister zog er viel Kritik auf sich. Initiativen für mehr freiwilligen Tierschutz im Stall attackierten nicht nur Naturschützer als zu zögerlich. Pläne für ein staatliches Tierwohllabel kamen spät, so dass bis zur Bundestagswahl nichts Konkretes mehr daraus wurde. In der Krise um bedrohlich niedrige Milchpreise sicherte Schmidt aber Millionenhilfen für die Bauern. Und brachte nach langem Ringen strengere Düngeregeln durch. Auch in seiner Partei hielt sich Euphorie über seine Arbeit in Grenzen. Für die CSU in Bayern keine einfache Sache, immerhin zählen Landwirte zu ihren Stammwählern. In den Jamaika-Sondierungen drehte Schmidt aber zuletzt noch mal auf. 

tis/Sascha Meyer, Marco Hadem und Michael Fischer / DPA