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Kommentar

Gratis Busse und Bahnen: Kostenloser Nahverkehr: Diese Regierung wird ihn ganz sicher nicht umsetzen

Deutschland diskutiert über einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. Doch die Idee ist komplett unrealistisch. Und vor allem nicht ernst gemeint.

Wir debattieren zwar über einen kostenlosen Nahverkehr - er wird aber wohl nicht kommen

Wir debattieren zwar über einen kostenlosen Nahverkehr - er wird aber wohl nicht kommen

Die Idee, den für alle Menschen gratis anzubieten, finde ich grundsätzlich prima: Ich fahre täglich mit Bussen und Bahnen durch die Großstadt. Und auch, wenn es nicht immer angenehm - weil sehr voll - ist, erscheint mir diese Art der Fortbewegung besser, als ein eigenes Auto zu nutzen. Es ist stressfreier: keine Parkplatzsuche, keine Konzentration auf den Verkehr. Und es ist billiger: Zwar erhöhen die Verkehrsbetriebe jedes Jahr den Preis für meine Netzkarte. Aber ich muss mir kein Auto für ein paar Tausend Euro kaufen und ständig tanken, nur um von A nach B zu kommen.

Deshalb müsste ich die derzeit viel diskutierte Idee eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs ebenfalls super finden: Am Sonntag hatten Umweltministerin (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) an EU-Umweltkommissar Karmenu Vella einen Brief geschrieben. Darin wurde unter anderem die Idee erwähnt, öffentlichen Nahverkehr gratis anzubieten, um den privaten Verkehr hierzulande zu reduzieren und die Luft zu verbessern.

Großes Interesse an kostenlosem Nahverkehr

Doch der Vorstoß ist kaum ernst zu nehmen – und ich bin davon überzeugt, dass er niemals umgesetzt wird. Vielleicht überrascht die Briefeschreiber das große Medienecho zum Aspekt "kostenloser öffentlicher Nahverkehr", denn diese Idee ist in dem Brief an die -Kommission nur eine von vielen. Überlegt wird lediglich, dies in einigen ausgewählten Gemeinden zu testen.

Der Hintergrund des Schreibens ist nicht ein Einsehen, dass wir etwas gegen den täglichen Verkehrswahnsinn unternehmen oder die Umwelt schützen müssen. Die will lediglich juristische Unannehmlichkeiten vermeiden.

Denn aus drohen eine Klage und hohe Strafgelder, weil seit Jahren in vielen deutschen Städten die Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxiden überschritten werden. Diese gelten als gesundheitsschädlich. Zudem könnten Gerichte demnächst Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge verhängen. Man stelle sich die Riege wütender Dieselfahrer vor, die nicht mehr wissen, wie sie ihren Arbeitsplatz erreichen sollen. Das Tragische: Viele dieser Menschen haben auf Diesel gesetzt, weil der ja mal als umweltfreundlich galt.

Hintergrund der Misere ist also letztendlich der Diesel-Skandal – der hierzulande geschehen konnte, ohne dass es den Verursachern, also der Autoindustrie, geschadet hätte. Bisher war die Bundesregierung der Meinung, das Problem schmutziger Diesel könne mit Hilfe kaum wirkungsvoller Software-Updates gelöst werden. Kann es aber nicht – wie unter anderem der Druck aus Brüssel belegt.

Glaubt jetzt also wirklich jemand im Ernst, dass eben diese politischen Akteure es schaffen, einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr in Deutschland zu forcieren? Einen, der nicht aus allen Nähten platzt, wenn noch mehr Menschen ihn nutzen? Und einen, mit dem man bequem vom Land in die Stadt fahren kann?

Offenbar finden viele Menschen die Idee gut

Dass das Echo auf diese Idee so groß ist, zeigt etwas ganz Anderes. Offenbar geht es vielen Menschen ähnlich wie mir: Sie hätten gern einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. Denn dieser würde ihnen das tägliche Pendeln erleichtern und den Verkehr in den Metropolen entzerren.  Schade, dass wir so weit entfernt sind von dieser guten Idee.


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