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Eventmanager Manfred Schmidt: Der Strippenzieher der Elite

Wenn Christian Wulff und andere Reiche und Mächtige dieser Republik angemessen feiern wollen, ist er zur Stelle: Der Eventmanager Manfred Schmidt organisiert Feiern und bringt Menschen zusammen.

Von Carsten Heidböhmer

Als "Deutschlands verschwiegensten Eventmanager" bezeichnete ihn die Deutsche Welle, das Wirtschaftsmagazin "Capital" nannte ihn einen "Menschenversammler", der Kölner "Express" feierte ihn als "Deutschlands Party-Macher Nummer eins": Manfred Schmidt bringt seit bald 30 Jahren die Reichen und Mächtigen zusammen. Er selbst bezeichnet seine Tätigkeit als "Sozialarbeit auf einem anderen Level".

Das mag sich zynisch anhören - doch Schmidt kennt tatsächlich nicht nur die oberen Zehntausend, sondern ist auch mit den Niederungen der Gesellschaft vertraut. Er besuchte die Hauptschule und arbeitete danach als Sozialarbeiter. Dabei hat er nach eigener Aussage schwer erziehbare Jugendliche, alte Leute und Alkoholiker betreut - und sich seine Qualifikation für seinen heutigen Beruf angeeignet: "Mein größter Vorteil: Ich komme mit jedem aus." Später war er auch als Journalist und Bandmanager tätig.

Mitglied der "Fünferbande der First-Class-Events"

Zum Eventmanagement kam er der Legende nach durch Zufall: 1979 feierte Annemarie Renger, die damalige Vizepräsidentin des Bundestags, ihren 60. Geburtstag in Schmidts Wohnung in Köln. Die Feier war wohl so gelungen, dass Schmidt aufgefordert wurde, das zu seinem Beruf zu machen. Er bespaßte zunächst die Bonner Republik und schaffte nach 1990 den Sprung nach Berlin. Dort verfügt er unter anderem über die "Residenz", eine luxuriöse Party-Location am Pariser Platz. Damit sich die Promis sicher sein können, dass sie wirklich unter sich sind, wirbt die "Residenz" mit der Anfahrtsmöglichkeit "über eine Tiefgarage mit Paparazzi-sicherer Zugangsschleuse".

Dank solch diskreter Orte und seiner guten Kontakte stieg Manfred Schmidt in die Topliga der Eventmanager des Landes auf. Die "Park Avenue" zählte Schmidt vor ein paar Jahren zur "Fünferbande der First-Class-Events" - neben Isa Gräfin von Hardenberg, Andrea Schoeller, Alexandra von Rehlingen und Florian Jürgs.

Inzwischen vermittelt er deutschen Firmen auch im Ausland Kontakte. Dabei kann er auf eine gut gefüllte Datenbank zugreifen, in der mehr als 20.000 Kontakte schlummern sollen, darunter Prominente aus allen Bereichen: Showstars, Künstler, Sportler - und Politiker. Dabei ist er parteipolitisch nicht festgelegt. Er kann mit allen: CDU, SPD, Grüne, besonders gute Kontakte werden ihm aber zur FDP nachgesagt. Vor einigen Jahren stand er einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge kurz davor, sich mit Michael Mronz zusammenzutun, dem Lebensgefährten von Außenminister Guido Westerwelle, der selbst in der Branche aktiv ist und mit seiner MMP Veranstaltungs- und Vermarktungs GmbH Sportgroßereignisse organisiert.

Party für den frisch gekürten Bundespräsidenten

Zu Schmidts Bekanntenkreis zählt seit langem auch Bundespräsident Christian Wulff: Schmidt hatte zwischen 2007 und 2009 drei Mal den "Nord-Süd-Dialog" organisiert, für den Wulff und der damalige baden-württembergische Ministerpräsidenten Günther Oettinger die Schirmherrschaft übernommen hatten. Am 30. Juni 2010, als Wulff zum Bundespräsidenten gewählt wurde, hatte Schmidt in Berlin auf eigene Kosten eine Party organisiert, auf der der frisch gekürte Präsident persönlich erschien. Auch Wulffs Freund Egon Geerkens war "Spiegel"-Informationen zufolge dort zugegen.

Brisanter sind jedoch Schmidts Beziehungen zu Wulffs geschasstem Sprecher Olaf Glaeseker. stern-Informationen zufolge soll Glaeseker mehrfach kostenlose Urlaube in Schmidts Anwesen verbracht haben. Zu dem Zeitpunkt war Glaeseker Staatssekretär in der niedersächsischen Staatskanzlei - und damit an das für Staatsbedienstete geltende Verbot gebunden, keine Geschenke anzunehmen, die einen Amtsbezug haben. Seit dem 19. Januar ermittelt die Staatsanwalt deswegen gegen den Partyzampano - wegen des Verdachts auf Bestechung.

Über Manfred Schmidt selbst ist bei all dem wenig bekannt. Er kommt aus einem kleinen Ort in der Lüneburger Heide, sein Vater war Lehrer. Inzwischen soll er sich in Deutschland nur noch selten aufhalten. Der Hauptsitz seiner Firma ist von Köln nach Barcelona verlegt worden. Es gibt aber auch die Manfred Schmidt Media GmbH mit Hauptsitz im Schweizer Kanton Zug. Privat besitzt Schmidt eine Finca in Nordspanien und ein Haus in Südfrankreich. Dass er nun in der Affäre um Bundespräsident selbst in die Schlagzeilen gerät, dürfte ihm alles andere als Recht sein. Denn er bleibt am liebsten im Hintergrund. Er ist Strippenzieher, nicht Akteur.