HOME

FESTNAHMEN: Was planten die Islamisten?

Nach der Festnahme von elf Personen laufen nun die Ermittlungen. Bundesinnenminister Schily konnte eine Verbindung der Terroristen zur El-Kaida nicht bestätigen. Schily warnte erneut vor Terroranschlägen in Deutschland.

Den deutschen Behörden ist am Dienstag offenbar ein Schlag gegen den internationalen Terrorismus gelungen. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, nahmen Beamte von Polizei, Bundeskriminalamt (BKA) und der GSG 9 bei einer bundesweiten Razzia elf Personen fest. Ihnen wird vorgeworfen, eine islamisch-fundamentalistische Terrorzelle gebildet zu haben. Generalbundesanwalt Kay Nehm sagte im ZDF, dass sie offenbar auch Anschläge in Deutschland geplant hätten.

Waffenkäufe

Ein führender Kopf der Festgenommenen sei der Palästinenser Yaser H.. Zwei seiner Wohnungen in Essen seien durchsucht worden. Der 36-Jährige unterhält der Bundesanwaltschaft zufolge »vielfältige Beziehungen zu Kontaktleuten in ganz Deutschland«. Die Verdächtigen sollen demnach von Deutschland aus Afghanistankämpfer logistisch unterstützt haben. Sie seien überwiegend mit Passfälschung, Spendensammeln und der Schleusung von Kämpfern befasst gewesen. Nach Informationen der ARD hatten die Festgenommenen, die monatelang observiert wurden, auch Waffenkäufe getätigt. Einige von ihnen sollen selbst in Ausbildungslagern in Afghanistan gewesen sein.

»Einiges in Deutschland verhindert«

Nehm sagte im ZDF weiter, dass es gelungen sei, »einiges in Deutschland zu verhindern«. Laut ARD wollte Nehm noch am Dienstag prüfen, ob die Verdächtigen länger inhaftiert bleiben. Die Bundesanwaltschaft verweigerte dazu jedoch am Abend jede Auskunft. Sie teilte lediglich mit, dass die elf Festgenommenen zunächst polizeilich überprüft und vernommen würden.

Bundesweite Durchsuchungen

Insgesamt wurden bei der Aktion ab dem frühen Dienstagmorgen 19 Objekte durchsucht. Neben den Wohnungen in Essen seien darunter je ein Objekt in Düsseldorf, Krefeld und Georgsmarienhütte, je zwei in Berlin, München, Regensburg und Nürnberg und je drei in Hamburg und Beckum gewesen, teilten die Ermittler mit. Dabei seien mehrere Computer, Disketten, Fälschungsutensilien und Dokumente sichergestellt worden.

Aggressiv-militanter islamischer Fundamentalismus

Den Angaben zufolge rechnen sich die Verdächtigen der Al-Tawhid-Organisation zu. Die vermutlich in Großbritannien ansässige palästinensische Bewegung fördere auf Grundlage »eines aggressiv-militanten islamischen Fundamentalismus den weltweiten 'Dschihad' (Heiliger Krieg)«, erklärte die Bundesanwaltschaft.

Die Ermittler betonten, dass die Festnahmen nichts mit dem Anschlag auf die Synagoge auf Djerba zu tun hätten. Ein BKA-Sprecher sagte, auch mit den Anschlägen vom 11. September ließe sich bislang keine Verbindung herstellen.

Keine Bestätigung für Verbindung zur El-Kaida

Bundesinnenminister Otto Schily sagte nach der Festnahme in Berlin vor einer Sitzung des Bundestags-Innenausschusses, es scheine sich um eine eigenständige Gruppe zu handeln. Ob es eine Verbindung zur El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden gebe, könne aber noch nicht abschließend gesagt werden. Einen Bezug zum Anschlag auf die Synagoge auf der Insel Djerba am 11. April, bei dem elf deutsche Touristen ums Leben gekommen waren, schloss Schily aus.

Schily sagte, das Bundeskabinett habe am Morgen beschlossen, einen Fonds zur Unterstützung von Opfern terroristischer Straftaten in Höhe von zehn Millionen Euro einzurichten. Das Geld werde auch den Opfern von Djerba zu Gute kommen. Schily bestätigte, dass es in Tunesien eine Festnahme im Zusammenhang mit dem Anschlag gegeben hat. Die Behörden würden auch dem Verdacht nachgehen, dass die Attentäter Verbindungen nach Kanada, Frankreich, Pakistan und möglicherweise in die Schweiz gehabt hätte.

Schily warnt erneut vor Anschlägen in Deutschland

Schily warnte erneut vor terroristischen Anschlägen auch in Deutschland. Schily sagte, die Behörden hätten bereits vor einer abstrakten Gefahr vor allem für israelische, jüdische und amerikanische Einrichtungen gewarnt. Nun sei eine Gruppe aufgedeckt worden, »die in Verdacht steht, an der Vorbereitung terroristischer Aktionen beteiligt gewesen zu sein«.