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"Air Panne": Steinmeier sitzt mal wieder fest - ein Rückblick auf die Pannen der Bundeswehrflieger

Schon wieder ein technisches Problem mit einer Regierungsmaschine: Dieses Mal hat es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier getroffen. Die Probleme bei der Flugbereitschaft häufen sich. Ein Rückblick.

Bedingt flugbereit - Frank-Walter Steinmeier sitzt in Äthopien fest

Äthiopien, Addis Abeba: Frank-Walter Steinmeier (SPD), damals Bundesaußenminister (Archivbild von 2014), spricht vor seinem Abflug mit Flugzeugkommandant Thomas Leveling

DPA

Eigentlich wollte Frank-Walter Steinmeier am Abend zurück in Berlin sein. Daraus ist nichts geworden. Stattdessen hängt das deutsche Staatsoberhaupt im äthiopischen Addis Abeba fest. Erst mit rund dreistündiger Verspätung kann Steinmeier schließlich am Nachmittag mit dem Regierungsflieger abheben, wie es aus dem Bundespräsidialamt heißt.

Schuld daran, einmal mehr: die Flugbereitschaft der Bundeswehr. Auch bekannt und berüchtigt als Air Panne. Offizielle Begründung: "Druckluftprobleme" am Hilfstriebwerk des A340 "Theodor Heuss".

Eine kurze Chronik der Pannen-Serie

Steinmeier ist leidgeprüft. Im vergangenen Juni musste er kurz vor dem Start nach Minsk in eine Ersatzmaschine umsteigen – ein Teil der Hydraulik war ausgefallen. Jetzt also Afrika, mal wieder. Erst Ende November war Steinmeier in Botsuana und Südafrika beinahe liegengeblieben – mit derselben Maschine und aus demselben Grund: Probleme mit der Hilfsturbine. Diese Auxiliary Power Unit wird zwar nicht direkt zum Fliegen benötigt, zum Starten der Turbinen aber schon.

Der erneute Zwischenfall, nur einen Tag nach Vorstellung des neuen Wehrberichts, scheint wie ein Kommentar zur maroden Materiallage der Bundeswehr, die der Wehrbeauftragte der Truppe darin erneut attestiert. Denn die Probleme bei der Flugbereitschaft häufen sich, wie ein kurze Chronik der letzten Monate zeigt:

  • Im Oktober strandete Finanzminister Olaf Scholz (SPD) nach der Tagung des Internationalen Währungsfonds auf Bali. Mäuse hatten die Kabellage angenagt. Scholz und Stab buchten flugs die letzten freien Linienplätze, zum Missfallen der mitgereisten Journalisten. Die blieben zunächst zurück.
  • Im Dezember traf es die Kanzlerin und ihren Airbus A340 auf dem Weg zum G20-Treffen in Buenos Aires. Erst ein Defekt der Bordelektronik, dann ein Totalausfall der Funkanlage der "Konrad Adenauer" zwangen den Piloten über Holland zur Umkehr. Notlandung in Köln-Wahn. Von dort flog Merkel per Linie via Madrid nach Argentinien, wo die G19 schon mal ohne sie angefangen hatten zu gipfeln.

Und das neue Jahr beginnt pannenstatistisch wie das letzte endete:

  • Anfang Januar erwischte es Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ebenfalls auf Afrika-Reise. Wenigstens war diesmal kein Airbus Schuld, sondern eine der kleineren Global 5000 von Bombardier – dafür hatte der Flieger gleich zwei Pannen. Die erste Mal in Malawi, wo Müller just Entwicklungshilfe in Millionenhöhe verteilt hatte. Ersatzweise flog der Minister per Linie weiter nach Sambia. Dort holte ihn die reparierte Global 5000 ein – und erlitt eine erneute Panne. Der Grund: "Zu viel heiße Luft".

"'Made in Germany' hat einen erheblichen Schaden erlitten hier in Afrika. Das wird natürlich hier überall berichtet", gab der deutsche Minister vor Ort zu Protokoll. "Wer versteht, dass wir hier wegen einem Ventil drei Tage festgehalten sind?" Das würde einem afrikanischen Regierungsmitglied so nicht passieren, kurzum: "An der Stelle sind wir eben Entwicklungsland", grantelte Müller und rettete sich samt Delegation in einer Linienmaschine zurück nach Berlin. Tegel versteht sich, der neue Flughafen BER ist schließlich seit 2433 Tagen nicht eröffnet. Aber das ist andere Pannen-Geschichte.

Alles halb so wild, befand Peter Tauber. Ob das Steinmeier versöhnen kann, ist fraglich.

Und überhaupt: Alles halb so wild, befand noch im Dezember Peter Tauber, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium in seiner Antwort auf eine kleine Anfrage der AfD. Lediglich 18 der insgesamt 1668 Einsatzflügen im "politisch-parlamentarischen Flugbetrieb" ("Missionen") seien innerhalb von drei Jahren aus technischen Gründen ausgefallen. Stand Ende November. Dies entspreche einer Ausfallquote von 1,08 Prozent, so Tauber.

Ohne Merkel, ohne Müller und ohne Steinmeier. Ohnehin ist fraglich, ob Taubers Statistik den Bundespräsidenten versöhnen kann, der stundenlang in Addis Abeba fest gesessen hat. Aber bislang sind noch alle wieder zurück in die Heimat gelangt. Irgendwie.

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