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Franz Josef Jung: Roland Kochs Wadenbeisser

Er rühmte sich einst damit, dass in der hessischen CDU nichts ohne sein Wissen geschehe - außer der Schwarzgeldaffäre. Dennoch trat er damals als Chef der Staatskanzlei zurück und rettete damit das politische Schicksal seines Freundes Roland Koch.

Wenn vom hessischen CDU-Politiker Franz Josef Jung die Rede ist, fallen bald Wörter wie "Speerspitze" und "Wadenbeißer"- sie zeugen davon, dass der 56-Jährige in der politischen Auseinandersetzungen den Angriff bevorzugt und den Ausdruck "Wahlkampf" vornehmlich auf der zweiten Silbe betont. Dass sein enger Weggefährte und Freund Roland Koch heute hessischer Ministerpräsident ist, liegt mit an Jungs Arbeit: Als Kochs rechte Hand im Landtag heizte er mit scharfer Polemik die Debatten an, und 1998/99 managte er dessen siegreiche Kampagne.

Seine politische Karriere begann der Winzersohn aus dem Rheingau Anfang der 70er Jahre während des Jura-Studiums in Mainz. Rasch schaffte er es in den Bundesvorstand der Jungen Union, 1983 zog er in den Wiesbadener Landtag ein, vier Jahre später liefen in seiner Hand bereits die organisatorischen Fäden zusammen: Als die CDU 1987 erstmals die Macht in Hessen übernahm, wurde Jung in Personalunion Fraktionsgeschäftsführer und Generalsekretär der Partei.

Aufbauhilfe für die Thüringer CDU

Nach dem Fall der Mauer leistete Jung politische Aufbauhilfe für die Thüringer CDU. Unter anderem organisierte er 1990 Helmut Kohls ersten Auftritt in Erfurt. Heute rechnet er sich großen Anteil am Wahlsieg der konservativen Demokratischen Allianz an. In Hessen verlief die Kampagne jedoch weniger erfolgreich: 1991 musste die CDU im Wiesbadener Landtag wieder auf die Oppositionsbank zurück und strich den Posten des Generalsekretärs.

Dass die Hessen-Union damals über eine millionenschwere schwarze Kasse in der Schweiz verfügte, will Jung nicht mitbekommen haben - obwohl auch in seiner Amtszeit Gelder geflossen waren. Allein vier Millionen Mark dienten 1989 - als Vermächtnis getarnt - dem Ankauf der Wiesbadener CDU-Geschäftsstelle. Als die Affäre im Januar 2000 bekannt wurde, geriet der inzwischen zum Chef der Staatskanzlei aufgerückte Christdemokrat rasch unter Verdacht: Journalisten und Oppositionspolitiker hatten noch im Ohr, dass sich Jung gerne rühmte, in der hessischen CDU geschehe nichts ohne sein Wissen.

Der eigene Koalitionspartner erzwang seinen Rücktritt

Es war jedoch nicht die Opposition, sondern Kochs Koalitionspartner FDP, der acht Monate später den Rücktritt erzwang. Der Anlass waren zwei zu einem Nebenaspekt der Affäre gehörende Dokumente, deren Kenntnis Jung bis heute bestreitet. Hintergrund waren Medienberichte mit zahlreichen Details aus den Ermittlungsunterlagen, die Koch und die ihn mittragende FDP-Spitze im Spätsommer 2000 erneut unter Druck setzten. "Es rauscht der See und will ein Opfer", zitierte Jung bei seinem Abschied aus Schillers "Wilhelm Tell".

Nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett zog sich Jung auf sein Landtagsmandat und seine Parteitätigkeiten als stellvertretender Landesvorsitzender und Mitglied des CDU-Bundesvorstands zurück. Gleichwohl galt er in Wiesbaden als Politiker in Wartestellung, der sich kaum mit einem Leben als einfacher Abgeordneter begnügen würde - zumal Jung für sich in Anspruch nimmt, mit seinem Rücktritt die Landesregierung gerettet zu haben.

DPA / DPA