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Wahlkampfdebatte im ZDF: Göring-Eckardt zieht einen Zettel hervor - und stellt Dobrindt bloß

Die Sendung hielt, was der Titel versprach: Im ZDF-"Schlagabtausch" schenkten sich Grünen-Chefin Göring-Eckardt, Verkehrsminister Dobrindt und Linken-Chef Bartsch nichts. Außer Dobrindt. Der bescherte seiner Kontrahentin eine Steilvorlage.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt in der ZDF-Sendung "Schlagabtausch"

Kopfschütteln, Gelächter, Fassungslosigkeit: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt in der ZDF-Wahlsendung "Schlagabtausch".

Erst das Duell der "Großen", dann die Mehrkämpfe der "Kleinen": Einen Tag nach dem Aufeinandertreffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz lieferten sich Kontrahenten aus Linkspartei, Grünen, CSU, FDP und AfD am Montagabend einen "Fünfkampf" in der ARD und einen "Dreikampf" im ZDF. Besonders lebhaft ging es beim Schlagabtausch im Zweiten zu, wo sich die Vorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) so oft in den Haaren lagen, dass der Dritte in der Runde, Linken-Chef Dietmar Bartsch, manchmal gar nicht zu Wort zu kommen schien, obwohl er insgesamt sogar die längste Redezeit hatte, wie er dem stern mitteilte.

Zuschauer lachen über Dobrindt-Antwort

Dobrindt sah dabei nicht immer besonders gut aus. Vor allem beim Thema Dieselskandal geriet der Verkehrsminister böse unter die Räder - und das schon bei der ersten Frage: "Haben Sie es nicht gesehen, was da schief läuft? Oder haben Sie es nicht sehen wollen, um die Automobilindustrie zu schonen?", wollte Moderator Matthias Fornoff von Dobrindt wissen.

Dessen Antwort war offenbar nicht nur für seine Kontrahenten, sondern auch für das Publikum ein Witz: "Wir haben klar bei allen Manipulationen, bei all dem was an Betrug stattgefunden hat, dafür gesorgt, dass die Fahrzeuge, die manipuliert worden sind, auch in einen rechtskonformen Zustand gebracht werden müssen", sagte der CSU-Politiker und erntete dafür lautes Gelächter von den Zuschauern, ein vierfaches "Das ist ja unfassbar" von Bartsch und Kopfschütteln von Göring-Eckardt.

Das sei einfach die Tatsache, und die müsse man auch zur Kenntnis nehmen, wehrte sich Dobrindt. "Nee, das ist nicht die Tatsache, dafür gibt es einen Untersuchungsausschuss, Herr Dobrindt, der jede Woche getagt hat und das Gegenteil herausgefunden hat", unterbrach ihn Göring-Eckardt.

Dobrindt liefert Göring-Eckardt Steilvorlage

Als die Grünen-Chefin ihm wenig später vorwarf, er habe seine Verantwortung als Verkehrsminister nicht wahrgenommen und über Jahre nicht kontrolliert, was mit den Abgasgrenzwerten los sei, ging Dobrindt zum Gegenangriff über. Die Grünen seien für Fahrverbote, würden die Autofahrer kalt enteignen und laut ihrem Wahlprogramm ab 2030 alle Verbrennungsmotoren verbieten wollen, "ohne Ahnung, was da an Technik alles möglich ist - vollkommen abwegig", behauptete der Minister.

Für Göring-Eckardt war das eine Steilvorlage, auf die sie nur gewartet hatte. Zunächst macht sie klar: "Wir wollen keine eine Technologie verbieten oder eine andere einrichten, sondern was wir wollen, ist, dass die Autos, die im Jahr 2030 zugelassen werden, emissionsfrei sind."

Dann nimmt sie einen mitgebrachten Zettel, bei dem es sich offenbar um die Kopie eines Zeitungsartikels handelt, und sagt: "Herr Dobrindt, ich wollte ihnen was vorlesen: 'Grüne Motoren schaffen neue Arbeitsplätze. Die deutsche Autoindustrie lege beim Thema Umweltschutz aber nicht genügend Erfindergeist an den Tag. Durch ein klares Ultimatum müsse daher der nötige Innovationsdruck erzeugt werden.'" Das sei die Aussage des früheren CSU-Generalsekretärs und jetzigen bayerischen Finanzministers Markus Söder, erklärt Göring-Eckardt. "Wollen Sie sagen, dass das absurd ist? Der wollte schon 2020 keine Verbrennungsmotoren mehr zulassen in Deutschland."

Das saß. Tatsächlich hatte Söder 2007 vorgeschlagen, ab 2020 nur noch die Neuzulassung von Autos mit Wasserstoff- und Hybridmotoren zu erlauben. Dobrindt versuchte trotzdem noch halbherzig, eine Entgegnung loszuwerden. Vielleicht wollte er darauf hinweisen, dass CSU-Chef Horst Seehofer ein Verbrennungsmotoren-Verbot mittlerweile ausschließt. Doch der Verkehrsminister wurde von Moderator Fornoff unter Hinweis auf die knappe Sendezeit abgewürgt - und schien auch nicht besonders böse darüber zu sein.