Hammadi-Freilassung Deutscher Terror und sein Gesicht


Hammadis Festnahme führte in Deutschland zum Bau eines eigenen Sicherheitstraktes. Mit der Freilassung des Libanesen nach 19 Jahren in deutscher Haft ist einer der spektakulärsten Terrorprozesse Deutschlands in den Blickpunkt gerückt.

Für die Verhandlung gegen den zur Hisbollah gerechneten jungen Mann war Ende der 80er Jahre auf dem Gelände der Haftanstalt in Frankfurt am Main-Preungesheim eigens ein zwölf Millionen Mark teurer Hochsicherheitstrakt errichtet worden.

Es gab Streit mit den USA, die dem Terroristen lieber selbst den Prozess gemacht hätten, und zwei Mal wurden im Libanon Bundesbürger entführt, um Hamadi freizupressen. Dass seine Freilassung genau zwei Tage nach dem glücklichen Ende der Entführung einer Deutschen im Irak bekannt wurde, ist aber reiner Zufall, wie Bundesregierung und Justiz am Dienstag unisono versichern. Schließlich hat der Libanese seine Haft ordnungsgemäß verbüßt, denn 19 Jahre sind in Deutschland auch für "Lebenslängliche" nicht wenig.

Was nach dem Strafrecht frühestens nach 15 Jahren möglich ist, ist auch im Fall Hamadi mit allem Drum und Dran geschehen, wie die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Doris Möller-Scheu, versichert. So wurden neben der Ermittlungsbehörde auch Vertreter der Justizvollzugsanstalt in Nordrhein-Westfalen angehört, in der Hamadi zuletzt einsaß, sowie ein Gutachten angefertigt, bevor das zuständige Gericht nach langer Verfahrensdauer Anfang November die Haftentlassung anordnete.

Bruder entführte Manager

In Beirut, wohin Hamadi nach seiner Freilassung flog, dürfte er inzwischen auch seinen Bruder Abbas wiedergetroffen haben. Auf dem Weg zu Abbas, der viele Jahre lang im Saarland lebte, war Mohammed Ali auch, als er im Januar 1987 mit Flüssigsprengstoff im Gepäck auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen wurde. Und wiederum war es Abbas, der kurz darauf mit anderen Angehörigen des Hamadi-Clans in Beirut an der Entführung des Hoechst-Managers Rudolf Cordes sowie des Siemens-Technikers Alfred Schmidt beteiligt gewesen sein soll. Der Versuch, damit seinen Bruder freizupressen, schlug aber fehl, und Abbas musste deshalb später selbst mehrere Jahre in deutschen Gefängnissen verbüßen.

Der Prozess gegen Mohammed Ali Hamadi wegen Flugzeugentführung und Mordes begann am 13. Juli 1988 in einer eigentlich für Freigänger gedachten Haftanstalt in Frankfurt. Während der zehnmonatigen Verhandlung glich der Stadtteil Preungesheim einem Hochsicherheitstrakt. Straßen rund um den erst später dem Justizvollzug umgewidmeten Neubau wurden an den Prozesstagen gesperrt, Hubschrauber kreisten über dem Gelände, die Atmosphäre war gespannt. Hamadi erhob gleich zum Verhandlungsauftakt vor dem Frankfurter Landgericht Foltervorwürfe und gestand nur, dass er für Freunde aus Beirut ein Paket transportiert hatte. Angeblich wusste er gar nicht, dass Sprengstoff darin war.

Tod eines US-Soldaten

Die vom heutigen Frankfurter Polizeipräsidenten Achim Thiel vertretene Anklage war ganz anderer Meinung und schloss auf ein Sprengstoffdepot im Saarland als Teil einer Terrorachse zwischen dem Saarland und Beirut. Bis zum Schluss bestritt Hamadi auch den Vorwurf, 1985 an der Entführung der TWA-Maschine auf dem Flug von Athen nach Rom beteiligt gewesen zu sein, in deren Verlauf der 23-jährige amerikanische Marinetaucher Robert Stethem erschossen wurde.

Dabei wurde Hamadi nie nachgewiesen, selbst den Schuss abgegeben zu haben. Dennoch wurde er auch wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt, nachdem ihn unter anderem eine Stewardess eindeutig als Beteiligten an der Flugzeugentführung erkannt hatte.

Schon vor Prozessbeginn hatte es erhebliche Auseinandersetzungen mit den USA gegeben, die Hamadi lieber selbst den Prozess gemacht hätten. Doch das Oberlandesgericht Frankfurt entschied, dass die Verhandlung in Deutschland stattfinden sollte, wo es keine Todesstrafe gibt.

Hamadi - Clan steckte hinter mehreren Entführungen

In dem Prozess ging es auch lange um das Alter Hamadis, das schließlich auf 21 Jahre festgelegt wurde. Weil er somit zum Tatzeitpunkt Heranwachsender war, musste noch geprüft werden, ob er selbstständig genug war, um dennoch wie ein Erwachsener zu lebenslanger Haft verurteilt werden zu können. Die Frage wurde bejaht, denn schließlich lebte er ja nicht gerade noch in der Obhut seiner Eltern.

1989 gab es dann noch einmal eine Entführung zweier Deutscher in Libanon: In Sidon wurden Heinrich Strübig und Thomas Kemptner, Mitarbeiter der Hilfsorganisation ASME-Humatitas, vermutlich ebenfalls von Mitgliedern des Hamadi-Clans verschleppt. Doch die Bundesregierung lehnte ein Austauschgeschäft mit den mittlerweile beiden in Deutschland inhaftierten Brüdern ab. Erst im Juni 1992 kamen Strübig und Kemptner frei. Da hatte Mohammed Ali Hamadi noch weitere 13 Jahre Haft vor sich, die erst jetzt zu Ende gegangen sind.

Gerhard Kneier/AP AP

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