Helmut Kohls Geburtstag "Er war ganz offen, aufrichtig"


Altkanzler Helmut Kohl wird 80. Ein Anlass für Wegbegleiter, den Pfälzer für die Deutsche Einheit zu loben.

Altkanzler Helmut Kohl wird 80. Der Geburtstag am 3. April ist für seine eigene Partei, frühere Wegbegleiter, ehemalige Staatschefs und politische Konkurrenten Anlass, den Einsatz des damaligen Regierungschefs und CDU-Vorsitzenden für die Deutsche Einheit und die europäische Einigung zu loben.

Nach Angaben seines Berliner Büros wird Kohl mit privaten Gästen zu Hause in Ludwigshafen feiern. Wegen seines Gesundheitszustands nach einer Gallenblasenoperation Anfang des Jahres waren in Berlin von Bundesregierung und CDU geplante Festakte abgesagt worden.

Die offizielle Geburtstagsfeier ist nun für den 5. Mai in Ludwigshafen geplant. Zu der Feierstunde mit etwa 1000 Gästen werden mehrere ausländische Staatsgäste erwartet. Bundeskanzlerin und CDU- Chefin Angela Merkel lädt dazu gemeinsam mit dem rheinland- pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) und der Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) ein. Die Laudatio will Ex-Bundespräsident Roman Herzog halten.

CDU-Chefin Merkel hatte Kohls Verdienste in einer kürzlich gesendeten ARD-Dokumentation gewürdigt und gesagt, ihr Amtsvorgänger sei "ein sicherlich sehr strategischer Bundeskanzler, der oft sehr weit über den Tageshorizont hinaus geschaut hat" gewesen. Zu Kohls Verhalten in der CDU-Spendenaffäre der Jahre 1999/2000 gab sich Merkel grundsätzlich versöhnlich. Die CDU könne mit dieser schwierigen Phase gut umgehen "und trotzdem wieder ein gutes Verhältnis zu Helmut Kohl haben". Kohl hat die Namen von Spendern für eine inoffizielle Parteikasse bis heute nicht genannt.

Forderungen aus der Partei, Kohl den von ihm wegen der Spendenaffäre auf Druck der Parteispitze zurückgegebenen Ehrenvorsitz der CDU erneut anzutragen, hatten Merkel und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zurückgewiesen. Gröhe sagte, Kohl selbst habe vor einiger Zeit intern und öffentlich erklärt, für ihn sei dieses Thema erledigt. Zudem wünsche er keine öffentliche Debatte darüber.

Ex-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) würdigte seinen Nachfolger Kohl im stern-Sonderheft "Helmut Kohl" vor allem für dessen Verdienste um die Deutsche Einheit im Herbst 1989: "Er hat seine Sache erstklassig gemacht. Großes Lob von meiner Seite." Anschließend sei Kohl aber "eine Kette von Fehlern" unterlaufen. Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, mit dem Kohl über die Einheit verhandelte, sagte dem stern: "Weil er heute mein Freund ist, kann ich es ja offen sagen: Es war ein schwerer Anfang." Geändert habe sich das Verhältnis bei seinem ersten persönlichen Zusammentreffen im Oktober 1988 in Moskau: "Er war ganz offen, aufrichtig. Damals spürte ich, dass man diesem Mann vertrauen könnte."

Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte der dpa über den ehemaligen Kanzler: "Helmut Kohl hat auf seine unnachahmliche Weise Geschichte geschrieben, für die deutsche Wiedervereinigung, für den Frieden mit allen unseren vielen Nachbarn, für die Zukunft Europas in der Welt. So ist es und so bleibt es."

Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), jahrelang Vize- Kanzler in der Regierung Kohl, schrieb in einem Beitrag für das Magazin "Focus", zu den häufigsten Fehleinschätzungen über Kohl habe es gehört, ihn zu unterschätzen. "Seinem kämpferischen und machtbewussten Charakter entspricht es, dass mancher, der es dennoch tat, dafür einen hohen Preis zu zahlen hatte", so Genscher.

Grünen-Chef Cem Özdemir wünscht Kohl indes "Gesundheit, ein langes Leben und dass er sich als großer Europäer nicht allzusehr grämt angesichts des Umgangs von Merkel und Westerwelle mit seinem europapolitischen Erbe".

DPA DPA

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