IG Metall Spitzenduo mit schwachem Ergebnis


Nach dem monatelangen Machtkampf in der IG Metall ist der neue Vorsitzende Jürgen Peters mit dem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der Gewerkschaft gewählt worden.

Nach dem monatelangen Machtkampf in der IG Metall ist der neue Vorsitzende Jürgen Peters am Sonntag mit dem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der Gewerkschaft gewählt worden. Beim Gewerkschaftstag in Frankfurt stimmten nur 66,1 Prozent der knapp 600 Delegierten für den bisherigen Vize, dem viele die Verantwortung für das Streikdebakel in Ostdeutschland anlasten. Der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber schnitt als neuer zweiter Mann mit 67,1 Prozent kaum besser ab.

Schwache 66,1 Prozent

Auf Peters waren zuvor 66,1 Prozent von 591 gültigen Delegiertenstimmen entfallen. Ein Ergebnis unter 80 Prozent gilt in der Gewerkschaft allgemein als schwach, doch kam in der Wahl diesmal auch der Streit über den gescheiterten Streik in Ostdeutschland zum Ausdruck, der die IG Metall in ihre bislang tiefste Krise gestürzt hat. Peters’ Vorgänger, der im Führungsstreit im Frühsommer zurückgetretene Klaus Zwickel, hatte bei seiner Wiederwahl 1999 knapp 88 Prozent erhalten, Peters als sein Stellvertreter erhielt damals 77 Prozent.

Peters sagte nach seiner Wahl vor den Delegierten: "Das war keine gewöhnliche Wahl nach diesen außergewöhnlich turbulenten Tagen." Das Ergebnis sei deshalb "ganz ehrlich". Er nehme dies als Aufforderung, um die Zustimmung derjenigen zu werben, die ihm diesmal ihre Zustimmung verwehrt hätten. Zuvor hatte ihm Huber zur Wahl gratuliert. Dem schlossen sich Zwickel, Verdi-Chef Frank Bsirkse und der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, an. Peters nahm einen Strauss von neun roten Nelken entgegen, mit denen er zum Rednerpult ging und die Wahl annahm.

Der 59-jährige Peters, der die IG Metall nun bis 2007 führen soll, erklärte die Führungskrise für beendet. "Mit der IG Metall ist wieder zu rechnen - und das ist gut so."

Huber will 2007 Peters Nachfolger werden

Für Peters stimmten 391 von 592 Delegierten. 187 votierten gegen ihn, 13 enthielten sich. Eine Stimme war ungültig. Gegenkandidaten gab es nicht. Damit blieb der neue IG-Metall-Chef weit hinter den Wahlergebnissen seiner Vorgänger zurück: Der bisherige Vorsitzende Klaus Zwickel hatte stets um die 90 Prozent erhalten. Auch Huber schnitt schlechter ab als seine Vorgänger. Im gewerkschaftsinternen Machtgefüge gilt der neue Chef als "Traditionalist", der neue Vize als "Modernisierer". Der 53-jährige Huber will 2007 die Nachfolge von Peters antreten.

Peters kündigte in der Debatte weitere Proteste gegen die Reformpolitik der rot-grünen Bundesregierung an. Zugleich warnte er die Regierung davor, die Tarifautonomie einzuschränken. Auch Huber übte massive Kritik an der Agenda 2010.

"Zur Zusammenarbeit verdammt"

In seiner Grundsatzrede vor der Wahl hatte Peters Aktionen der Gewerkschaften zur Verteidigung der Tarifautonomie angekündigt und ein Ende der internen Streitigkeiten gefordert. Die IG Metall müsse ins Gespräch kommen, sie dürfe aber "nie mehr ins Gerede kommen", sagte Peters. Zugleich verteidigte er vor den Delegierten das Vorgehen beim Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland. In seiner von viel Applaus begleiteten Rede rief Peters auch zu Protesten gegen die Reformagenda 2010 der Bundesregierung auf. Zur SPD werde die IG Metall wegen der Sozialreformen ihr Verhältnis neu justieren.

Huber bekannte sich in seiner Bewerbungsrede vor den Delegierten zur vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Peters. "Wir sind - wenn Ihr mich wählt - zu einer kollegialen Zusammenarbeit geradezu verdammt. Ich werde alles tun, dass uns das gelingt", sagte Huber.

FDP kritisierte Wahl Peters

Prägendes Thema des Gewerkschaftstags war die Aufarbeitung des gescheiterten Streiks für die 35-Stunden-Woche im Osten. In der Aussprache wiesen sich die verschiedenen Lager erneut gegenseitig die Schuld an dem Debakel zu. Der ostdeutsche Bezirksleiter Hasso Düvel, der den Streik geführt hatte, lehnte einen Rücktritt abermals ab.

Reaktionen aus der Politik blieben am Sonntag rar. FDP- Generalsekretärin Cornelia Pieper sah mit der Wahl Peters die Chance auf eine Erneuerung verpasst. "Jürgen Peters hat sich als Betonkopf zur Wahl gestellt, und er ist als Betonkopf gewählt worden."

Gewerkschaften lehnen Reformen ab

Der ehemalige Bundesarbeitsminister und Ex-IG Metall-Vize, Walter Riester, rief die Gewerkschaft zum Wandel auf. "Die Gewerkschaften stehen den geplanten Reformen größtenteils pauschal ablehnend gegenüber", sagte er tagesschau.de. Riester, der Peters Vorgänger im Amt des Vize-Chefs war, forderte den neuen Vorsitzenden auf, differenzierter an die Reformdebatte heranzugehen. Besonders in der Frage der Arbeitsmarktreformen sei die Gewerkschaft gefordert und dürfe ihren Einfluss nicht verspielen.

Der neuen Führungsriege gehören neben Peters und Huber fünf weitere Mitglieder an. Als Hauptkassierer wurde Bertin Eichler mit 88,6 Prozent wiedergewählt.


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