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Kajo Wasserhövel Münteferings Strippenzieher


Der designierte SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering will Kajo Wasserhövel zum Wahlkampfchef machen. Der gilt als der begabteste Strippenzieher und Stratege der SPD. Welche Probleme sieht er?
Von Tiemo Rink und Hans Peter Schütz

Kajo Wasserhövel ist zurück - was allerdings keine große Überraschung ist. Wasserhövel, nun Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfchef, arbeitet dem designierten SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering seit vielen Jahren als "Spin-Doctor" zu. Müntefering wollte ihn schon im im Oktober 2005 als Generalsekretär an seine Seite holen. Dass die Parteilinke unter Führung von Andrea Nahles dies verhindert hat, führte zum Rücktritt Münteferings als SPD-Chef. Er empfand das Nein zu Wasserhövel als persönliche Beleidigung. Der gehörte schließlich, wie oft gespottet wurde, zu Müntefering wie dessen weiße Packung Zigarillos. Und noch mehr ärgerte sich Müntefering darüber, dass man seinen Mann als "zu unpolitisch" abgelehnt hatte.

Unpolitisch war Wasserhövel sicher niemals. Als Student gehörte er zum "Freudenberger Kreis", einem marxistischen Juso-Ableger. Im Umfeld der Jusos bekleidete Wasserhövel mal dieses, mal jenes Amt. Vom Sprecher für Hochschulpolitik an der Uni Münster bis zum Jugendbildungsreferent im Juso-Bezirk westliches Westfalen - Wasserhövel kam ganz gut herum. Ein "leiser Organisator der Macht" sei er, hieß es in der "Berliner Zeitung" einmal. Wasserhövel drängt es nicht ins Rampenlicht, sein Platz ist eher am Bühnenrand. Ein klassischer Strippenzieher also - und seit mindestens zehn Jahren Münteferings treuester und bester Mann.

Linker Flügel gibt sich begeistert

Was Müntefering an seinem 45-Jährigen Gefolgsmann bis heute bewundert: Wie der in nur 13 Wochen die SPD für die Bundestagswahl 2005 aufgemöbelt hat. Bis heute sind viele in der SPD davon überzeugt, dass Angela Merkel heute nicht Kanzlerin wäre, wenn der Wahltag nur drei Wochen später gelegen hätte. So sind mittlerweile auch führende Vertreter der SPD-Linken überzeugt, mit Wasserhövels Rückkehr vom designierten Parteichef Müntefering reich beschenkt worden zu sein. "Wir haben kein Problem mit seiner Rückkehr" säuselt Ernst Dieter Rossmann, Sprecher der Parteilinken, im Gespräch mit stern.de. "Ganz im Gegenteil. Wasserhövel ist ein sehr fähiger Mann, der nicht unser König, sondern nur Bundesgeschäftsführer wird." Kein Wort der Kritik gegen Münteferings Mann, keine Forderungen nach einem Vertreter der Linken in höchsten Parteiämtern.

Bei der SPD scheint sich die Überzeugung durchgesetzt zu haben, dass es diesmal wirklich ums Ganze geht. Bliebe es bei den aktuellen Umfragewerten - eine ganze Menge sozialdemokratischer Abgeordneter wäre nach der Bundestagswahl im September 2009 erstmal arbeitslos. Solche Aussichten schweißen zusammen. Und Wasserhövels Qualitäten als Wahlkampfmanager sind unbestritten.

Auch als Staatssekretär im Arbeitsministerium, wohin er von Müntefering nach der Regierungsbildung gerufen worden war, blieb Wasserhövel einer der besten Analytiker der Lage der SPD. Und deshalb verwundert es auch nicht, dass er die Lage der Partei derzeit für desolat hält.

Kein Bedarf an "Silberrücken"

Im Gegensatz zu vielen anderen SPD-Politikern, auch im Gegensatz zu Müntefering, lehnt er eine personalisierte Krisenanalyse ab. Den Kopf von Beck hat er nie gefordert. Stets sah er ein ganzes Bündel von Problemen beim Blick auf die SPD. Zudem hält er die Strategie seiner Partei gegenüber Angela Merkel für unklar. Zudem konzentriere sich die Partei in ihrer Auseinandersetzung mit der Linkspartei zu sehr auf die Person Oskar Lafontaine. Dass die SPD in ihrer Ratlosigkeit im Umgang mit der Linkspartei auf "Silberrücken" wie Erhard Eppler zurückgreife, wird von Wasserhövel dem Vernehmen nach auch kritisch gesehen - ebenso wie das Wegbröckeln der Machtbasis in vielen Bundesländern.

Verfechter der Agenda 2010

Natürlich steht Wasserhövel zur Agenda 2010. Ihn stört wie viele Sozialdemokraten, dass deren Erfolge wegen der zwiespältigen Haltung Angela Merkel zugerechnet werden. Die Kanzlerin sei zudem auf dem besten Wege, das Thema Bildungspolitik für sich zu erobern. Dabei sei die Forderung unverzichtbar für seine Partei, dass Aufstieg durch Bildung wieder für alle möglich gemacht werden muss. Jetzt müsse eine Agenda 2020 auf den Tisch, spätestens bis zum Jahresende.

Wie die SPD-Spitze von der Nominierung von Gesine Schwan zur SPD-Kandidatin für die Präsidentschaftswahl überrascht worden sei, war in seinen Augen unglücklich. Die Schwäche der SPD-Führung unter Beck führte er gerne darauf zurück, dass sie keine Verabredungskultur gehabt habe. Auch Brandt, Wehner und Schmidt hätten zu ihren Zeiten oft schwere Meinungsverschiedenheiten gehabt, aber sich dann stets strikt daran gehalten, was in ihrem Kreis verabredet worden war.

Wie er als Bundesgeschäftsführer in seinem neuen alten Job jetzt kämpfen wird, ist klar. Die Strategie auch: Er ist der Überzeugung, dass die SPD nur gewinnen kann, wenn sie als Partei innerhalb der Koalition eine Alternative zur Regierungspolitik aufzeigt. Mit Vollgas in den Wahlkampf also? Es sieht so aus. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten? Vielleicht nicht ganz.

Leidtragender des sich drehenden Personalkarussells ist Hubertus Heil. Heil wollte selber Wahlkampfmanager werden, gilt aber parteiintern als unerfahren. Durch den neuen starken Mann Wasserhövel ist Heil faktisch entmachtet, auch wenn er Generalsekretär bleiben darf. Welche Rolle der Generalsekretär zukünftig noch spielen wird, bleibt vorerst fraglich. Für ein Gespräch mit stern.de war Heil nicht zu erreichen.


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