Kandidatur um CSU-Parteivorsitz Seehofer will's machen


Bundesagrarminister Horst Seehofer hat erneut seinen Anspruch auf den CSU-Vorsitz bekräftigt. Er scheint aber eine doppelte Strategie zu verfolgen: Zugleich Seehofer ermunterte Edmund Stoiber zu einer erneuten Kandidatur um den CSU-Parteivorsitz. Die CSU is not amused.

"Wenn es die Chance gibt, noch in einem zumutbaren Alter - ich bin jetzt noch nicht 60 - diese Partei zu führen, ist das per se reizvoll", betonte Seehofer in der Aufzeichnung der ARD-Talksendung "Beckmann", die an diesem Montag ausgestrahlt wird. Seehofer ist 57 Jahre alt, sein Kontrahent - der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber - ist dagegen bereits 60 Jahre alt.

Private Enthüllungen gelassen aufgenommen

Edmund Stoiber will das Amt des CSU-Chefs ebenso wie das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten im September niederlegen. Seehofer machte in der Talksendung zugleich deutlich, dass er sich bei seiner Kandidatur um den CSU-Vorsitz nicht durch Spekulationen über sein Privatleben irritieren lassen will. Die Veröffentlichungen darüber nehme er gelassen, sagte Seehofer in der am Donnerstagabend aufgezeichneten Sendung. "Man kann nicht als Minister in den guten Zeiten Wert darauf legen, dass man in der Öffentlichkeit vorkommt, und wenn es dann mal negative Schlagzeilen gibt, plötzlich gebeugt durch das Land laufen."

Huber will auch

Auch der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber bekräftigte seine Kandidatur auf dem Parteitag im September. Huber betonte, er mache im Fall seiner Wahl weder Seehofer noch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ihre Ämter im Bundeskabinett streitig. Allerdings wolle er dann 2009 als CSU-Spitzenkandidat für den Bundestag kandidieren. "Ich stelle die Positionen der Minister Michael Glos und Horst Seehofer in keiner Weise in Frage", sagte Huber der "Welt am Sonntag". Welches Amt er selbst nach der nächsten Bundestagswahl in Berlin übernehmen wolle, ließ der bayerische Wirtschaftsminister offen. Er sagte aber: "Ein Parteichef Huber wäre bereit, die Landesliste bei der Bundestagswahl 2009 anzuführen, um dann auch in Berlin Verantwortung zu übernehmen."

Der dreifache Vater Seehofer war nach Medienberichten über ein angebliches Liebesverhältnis mit einer Bundestags- Mitarbeiterin unter Druck geraten. Die junge Frau soll ein Kind von Seehofer erwarten und bereits im vierten Monat schwanger sein. Seehofer hatte Ende Januar angekündigt, er wolle sich nach einem nötigen Klärungsprozess zu den Berichten äußern, denn seine Wähler hätten ein Recht auf eine klare Aussage.

Seehofer ermuntert Stoiber zu erneuter Kandidatur

In der TV-Sendung machte Seehofer deutlich, dass er die Berichterstattung selbst nicht kritisieren wolle. "Das muss man aushalten", sagte der 57-Jährige. "Aber es ist natürlich schon die Absicht, mich mit solchen Dingen auch politisch zu beschädigen. Das ist eindeutig."

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll Seehofer hinter den Kulissen unterdessen eine zweite Strategie verfolgen. Wie die Zeitung berichtet, drängt Horst Seehofer CSU-Chef Edmund Stoiber auf dem Parteitag im September doch noch einmal zu kandidieren. Seehofer habe Stoiber diesen Vorschlag zuletzt mehrfach gemacht, berichtete das Blatt unter Berufung auf Informationen aus der CSU-Spitze. Stoiber sei für CSU und CDU unersetzlich, habe Seehofer, der selbst den Chefposten abstrebt, als Begründung angeführt. Auf diese Weise könne der CSU auch ein Machtkampf um den Parteivorsitz zwischen ihm und Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber erspart werden, habe Seehofer durchblicken lasen. Stoiber lehne eine erneute Kandidatur aber strikt ab.

In der CSU werde Seehofer ein Spiel auf Zeit vorgeworfen, um seine Chancen auf den Parteivorsitz zu verbessern, berichtete die Zeitung. Kommende Woche will sich die CSU-Spitze bei einem weiteren Treffen um eine Lösung im Führungsstreit bemühen. Ursprünglich wollte sie bis zur nächsten Vorstandssitzung am 12. Februar die Nachfolgefrage klären. Huber und Seehofer beharren aber auf ihrer Kandidatur, was eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag Ende September als wahrscheinlich erscheinen lässt.

DPA/Reuters DPA Reuters

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