Konflikt um Grönland Bundeswehr auf Grönland: Europäer verstärken Sicherheit

Pistorius bei Gebirgsjägerübung im Hohen Norden Foto: Kay Nietfeld/dpa
Pistorius bei Gebirgsjägerübung im Hohen Norden Foto
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Die Bundeswehr schickt ein Erkundungsteam nach Grönland. Ziel ist es, gemeinsam mit Partnern den Schutz der Arktis zu stärken und Dänemark bei der Sicherheit zu unterstützen.

Mehr Schutz für die Arktis: Im Konflikt um die Besitzansprüche der USA auf Grönland beteiligt sich die Bundeswehr gemeinsam mit weiteren europäischen Nationen an einer militärischen Erkundung auf der Arktisinsel. "Ziel ist, die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region zu erkunden, beispielsweise für Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung", teilte das Verteidigungsministerium am Abend in Berlin mit.

Bereits Donnerstagfrüh soll ein Transportflugzeug vom Typ A400M ein Erkundungsteam mit 13 Soldaten nach Nuuk in Grönland fliegen. Die Erkundung vor Ort werde zusammen mit Vertretern weiterer Partnernationen stattfinden. Das Verteidigungsministerium wies darauf hin, dass sich die Soldaten auf Einladung Dänemarks und bis Samstag auf der Arktisinsel aufhalten werden.

Die Ankündigung folgt auf mehrfache Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der die riesige Arktisinsel kaufen oder mit anderen Mitteln unter die Kontrolle der USA bringen will. Trump begründet das mit der Sicherheit für die Region und die US-Bevölkerung, er macht eine Bedrohung durch China und Russland geltend. Grönland ist Teil des Königreichs Dänemark und damit auch Teil der Nato und Bündnispartner der USA.

Rahmen für mögliche militärische Beiträge

Die Ankündigung am Mittwochabend erfolgte kurz nach einem Krisengespräch Dänemarks und Grönlands im Weißen Haus, das nach Angaben Dänemarks fundamentale Meinungsverschiedenheiten offengelegt hatte. Vor dem Gespräch hatte bereits Dänemark erklärt, die militärische Präsenz auf Grönland zu erhöhen. Auch Schweden und Norwegen kündigten Unterstützung an.

Erst am Vortag hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärt, Nato-Staaten prüften einen verstärkten gemeinsamen Schutz der arktischen Region um Grönland. "Es geht um Überwachung, es geht um Patrouillen, es geht um sehen, was passiert unter Wasser, über Wasser und in der Luft. Es geht um - wie gesagt - Aufklärung und es geht um regelmäßiges Üben vor Ort, um zu zeigen, dass wir da sind", sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas in Berlin.

Einige Nato-Partner seien dabei, zusammen mit der Nato zu erörtern und auszuloten, welche Maßnahmen sinnvoll seien und was nötig sei, sagte Pistorius. "Wir sind uns einig, dass Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktis nur multilateral und nur gemeinsam erreicht werden kann." 

Reichen die Europäer die Hand zur Zusammenarbeit?

Die europäische Initiative wäre demnach nicht auf Konfrontation mit den USA angelegt, sondern auf das Angebot einer intensivierten Zusammenarbeit. Die USA haben auf Grundlage von Abkommen mit Dänemark bereits die Militärbasis Pituffik Space Base auf Grönland. Die ehemalige Luftwaffenbasis Thule ist für USA und Nato von zentraler Bedeutung bei Raketenabwehr und der Überwachung des Weltraums.

Auch die Bundeswehr hält mehrere Fähigkeiten bereit, die für einen verstärkten Schutz in der Arktis geeignet sein können. Darunter sind auch die Gebirgsjäger, die bereits im Hohen Norden an militärischen Übungen der Nato beteiligt waren. Pistorius hatte die Soldaten dabei im Jahr 2024 in Norwegen besucht. Aber bei Überwachung von Seegebieten und ewigem Eis können auch die Marine sowie die Luftwaffe mit ihren Fähigkeiten ins Spiel gebracht werden. 

Deutschland verstärkt bereits Zusammenarbeit in der Arktis

Pistorius hatte erst im Oktober angekündigt, wegen der Bedrohung durch Russland wolle Deutschland seine militärische Präsenz beim Nato-Partner Island verstärken - und bei einem Besuch eine Absichtserklärung unterzeichnet. Dabei wird die Bundeswehr einen strategisch wichtigen Anlaufpunkt für ihre Kampfschiffe, U-Boote und Versorger haben. Er warf Russland zudem vor, die Arktis zu militarisieren und alte Militärbasen in der Region wieder auszubauen.

Mit Kanada vereinbarte er ein gemeinsames Lagebild der Entwicklungen im Atlantik und der Arktis. Es geht dabei auch um den militärischen Schutz transatlantischen Nachschubwegen und Versorgungswegen. 

Eine strategisch wichtige Meerenge im Nordatlantik ist das sogenannte GIUK Gap, begrenzt durch Grönland, Island und Großbritannien (UK). Im Blick ist auch das als "Bear Gap" bezeichnete und strategisch wichtige Gewässer zwischen Nordkap, Bäreninsel und Spitzbergen.

Die Grünen begrüßen die Entsendung eines Erkundungsteams der Bundeswehr nach Grönland. "Das ist ein starkes Symbol", sagte Verteidigungsexpertin Sara Nanni der "Rheinischen Post". Die Gespräche in Washington hätten nicht dazu geführt, dass Trump seine Gebietsansprüche aufgebe.

dpa

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