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Konsequenzen aus der Schuldenkrise Gauck fordert neues Verantwortungsbewusstsein


Der Bundespräsident nimmt beim Führungstreffen der Wirtschaft kein Blatt vor den Mund. Blanke Gier sei gefährlich, verantwortlicher Kapitalismus möglich. Er kritisiert auch die Gier nach Billigwaren.

Bundespräsident Joachim Gauck hat weitreichende Konsequenzen aus der Finanz- und Schuldenkrise gefordert und die Wirtschaft an ihre Verantwortung erinnert. "Der Wildwuchs im Finanzsektor ist bis heute nicht beseitigt", sagte Gauck am Donnerstag in Berlin beim Führungstreffen Wirtschaft 2012 der "Süddeutschen Zeitung". Grundsätzliche Veränderungen seien notwendig.

"Ich freue mich auf den Tag, an dem die Banken selbst ein Konzept formulieren, das nicht nur in Fachkreisen debattiert wird", sagte Gauck. Weiter forderte er, Banker dürften nicht "in guten Zeiten Boni kassieren und bei Schwierigkeiten [...] die Steuerzahler fordern". "Die derzeitige Gewissheit, im Notfall gerettet zu werden, verschiebt die Risikohaltung der Banken in einer Weise, die weder dem Markt entspricht noch den Wünschen der Steuerzahler."

"Verantwortlicher Kapitalismus ist möglich"

Zum Thema Regulierung des Finanzsektors sagte Gauck, die Forderung nach einem "schlanken Staat" aus den 90er Jahren sei in mancher Hinsicht ein Irrtum gewesen. Vielmehr müsse es einen "handlungsfähigen und handlungswilligen Staat" geben. Verantwortung bedeute deshalb auch, Grenzen zu setzen.

Die Wirtschaft insgesamt müsse ein neues Verantwortungsbewusstsein entwickeln, das über die unternehmerischen Aufgaben hinausgehe und auch Verantwortung für die Regeln der Gesellschaft umfasse, meinte der Bundespräsident. "Verantwortlicher Kapitalismus ist möglich", betonte er. Gewinnstreben sei nicht unanständig. "Gefährlich wird erst die blanke Gier, das Mehrenwollen um jeden Preis."

Die Gier nach Billigwaren

Verantwortungsbewusstsein sei aber auch von Käufern und Kunden gefordert. "Wie lange greifen Europäer noch zur Jeans für zehn Euro, obwohl sie wissen, dass die Allerärmsten in Asien oder Lateinamerika einen hohen Preis dafür zahlen, mit ihrer Gesundheit oder ihrer Menschenwürde?"

Gauck hob auch die Errungenschaften der Sozialpartnerschaft in Deutschland hervor. Er erinnerte an den Artikel 14 des Grundgesetzes: "Eigentum verpflichtet." Immer mehr Europäer würden erkennen, dass soziale Stabilität und Zusammenarbeit auch einen ökonomischen Gewinn darstellten. "Wir haben gute Erfahrungen mit demokratischer Mitbestimmung, Betriebsräten und Sozialplänen gemacht, sagte Gauck.

Unter den Rednern des Führungstreffens war auch der französische Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault, der am Nachmittag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammentreffen wollte. Gauck ermutigte Ayrault zu Reformen, auch wenn dies kein bequemer Weg sei.

DPA DPA

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