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Oskar Lafontaine: Ein Verlierer, der ein Ge­win­ner ist

Bei der Landtagswahl an der Saar hat er 25 Prozent seiner Wähler verloren. Trotzdem ist Oskar Lafontaine der Star der Linken. Sein Comeback im Bund gilt als sicher.

Von Hans Peter Schütz

Nach ihrem Abschneiden bei der Saarland-Wahl steht für die Linkspartei fest, dass Oskar Lafontaine im Mai wieder Parteichef werden muss.

Eisern lehnen es zwar alle Funktionsträger der Linkspartei ab, sich öffentlich zu der Frage zu äußern, ob Oskar Lafontaine Anfang Juni in Göttingen wieder als Parteichef zurückkehrt. Intern gibt es nach stern.de-Informationen aber keinen Zweifel. Es gilt auch als denkbar, dass Ex-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch unter Lafontaine wieder eine wichtige Funktion in der Linkspartei übernimmt.

Sehnsucht nach Napoleon

"Lafontaine muss einfach zurückkommen, denn er hat einfach die größte Ausstrahlung," sagte ein führendes Parteimitglied stern.de. Schon jetzt steht fest, dass Klaus Ernst, zur Zeit zusammen mit Gesine Lötzsch Vorsitzender der Linkspartei, auf keinen Fall gegen Lafontaine antreten wird. Lötzsch hat ihre erneute Kandidatur bereits angekündigt. Aber auch sie geht fest davon aus: "Wenn Lafontaine antritt, wird er auch gewählt."

Ernst wiederum bestätigte jetzt ebenfalls indirekt, dass die Linkspartei Lafontaine fest an ihrer Spitze einplant. "Oskar Lafontaine wird weiterhin eine herausragende Rolle bei der Linkspartei spielen," sagte er nach einer Analyse des Ergebnisses im Saarland durch die Parteiführung. "Ohne ihn würde es die Linkspartei gar nicht geben," fügte Ernst hinzu. Auch der nordrhein-westfälische Linken-Fraktionschef Wolfgang Zimmermann bestätigte den Ruf nach Lafontaine als neuem Parteichef praktisch unverhüllt: "Wieder einmal hat sich gezeigt, dass Lafontaine eine Größe ist, mit der man in der Bundespolitik rechnen muss."

Rot-Rot als theoretische Option

Unterm Strich dieser Analyse der saarländischen Landtagswahl steht bei der Linkspartei: Oskar ist ein Gewinner, obwohl die Linkspartei gemessen an ihrem letzten Wahlergebnis im Saarland von 21,3 Prozent auf 16,1 Prozent zurückgefallen ist. Das sind rund 25 Prozent weniger Stimmen. Auch der stellvertretende Parteivorsitzende Heinz Bierbaum erklärte am Montag dazu: "Oskar ist einer der Gewinner der Saarland-Wahl." Es bleibe jedoch dabei, dass man sich dieser Personalfrage erst nach den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zuwenden werde.

Den "Erfolg" Lafontaines trotz des Stimmenrückgangs erklärt die Linkspartei damit, dass es bei der Landtagswahl 2009, um die attraktive Möglichkeit einer rot-roten Koalition in Saarbrücken gegangen sei. Dass Lafontaine auch dieses Mal die theoretische Chance für die Bildung einer rot-roten Koalition erreicht hat, gilt deshalb als besondere Leistung, weil CDU und SPD bereits im voraus eine Große Koalition fest verabredet hatten. Lafontaine habe erstens dennoch verhindert, dass die SPD "auf Augenhöhe mit der CDU gekommen ist." Der Abstand der SPD zur CDU sei sogar erheblich gewachsen.

Große Koalition und Piraten

Ernst dankte Lafontaine dafür, dass er es möglich gemacht hat, das Wahlziel einer theoretisch möglichen rot-roten Koalition zu erreichen. Der Versuch der SPD, die Linkspartei mit Koalitionen von SPD/Grüne auszugrenzen, "ist dramatisch nach hinten los-gegangen". Aus der Sicht von Ernst kann die SPD künftig auf die Aufstellung eines Kanzlerkandidaten verzichten, wenn sie ohne die Linkspartei antritt. "Ohne uns," sagt Ernst, "braucht die SPD gar keinen Kanzlerkandidaten, weil sie für ihn sowieso keine parlamentarische Mehrheit findet."

Lafontaine selbst fühlt sich auch nicht als Verlierer, trotz der Stimmverluste. Sein Wahlziel sei schließlich gewesen, zehn Prozent über dem derzeitigen Bundestrend der Linkspartei (rund 7 Prozent) abzuschneiden. Für Lötzsch "hat er damit ein Ergebnis eingefahren, von dem die Linkspartei in jedem anderen westdeutschen Bundesland nur träumen kann."

Aus Sicht der Linkspartei macht die Ankündigung einer Großen Koalition nur die Piraten stark. Denn in diesem Fall sei es für die Wähler kein Risiko, eine Partei zu wählen, von der man nicht ernsthaft überzeugt sei.