Peter Harry Carstensen Neuer Regierungschef an der Förde


54 von 69 Kieler Abgeordneten haben Peter Harry Carstensen zum Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins gewählt. Dem neuen Landesvater fehlten allerdings fünf Stimmen aus den Koalitionsreihen.

Peter Harry Carstensen ist neuer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Der CDU-Landeschef hat bei der Wahl in Kiel 54 von 69 gültigen Stimmen erhalten. Das sind allerdings fünf weniger als die große Koalition Stimmen hat. Carstensen wird der erste CDU-Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, nachdem Björn Engholm 1988 nach der Barschel-Affäre das Amt für die SPD erobert hatte.

Mit der Wahl Carstensens zum Regierungschef geht eine knapp zehnwöchige Hängepartie im nördlichsten Bundesland zu Ende und der neue Ministerpräsident ist am Ziel. Wie auch seine Kontrahentin Heide Simonis hat er in den vergangenen Monaten ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Am Abend der Landtagswahl am 20. Februar ließ sich der CDU-Landeschef schon als neuer schleswig-holsteinischer Ministerpräsident feiern, dann fehlten daran 735 Stimmen für die FDP. Trotzig trat der 58-Jährige am 17. März gegen Simonis an und rang ihr bei der spektakulären Ministerpräsidentenwahl mit Hilfe eines SPD-Abweichlers ein Patt ab. Nun will er an der Spitze einer großen Koalition das strukturschwache und hoch verschuldete Land zu besseren Ufern führen.

Lebensfroher Carstensen spürbar verändert

Das Stahlbad von Landtagswahlkampf und Koalitionsverhandlungen hat den lebensfrohen Carstensen spürbar verändert. Ließ er sich vor zwei Jahren noch gern mit Sprüchen wie "Ein Fauler hat das Rad erfunden" zitieren, ist er jetzt ganz anders gefordert. "Ich habe mir einen Arbeitstag angewöhnt, bei dem ich Langeweile kriege, wenn er kürzer ist als zwölf Stunden", sagt der bodenständige Nordfriese heute.

Er hat in den vergangenen Monaten ohnehin viele verblüfft. Nach einer beispiellosen Pannenserie im Vorwahlkampf war er für viele abgeschrieben - er belehrte sie eines Besseren. Mit dem Patt gegen Simonis gelang ihm nach dem überraschenden Sieg bei der Landtagswahl binnen vier Wochen der zweite große Coup. Sein Motto "Das Leben ist schön" hatte sich für den auf seiner Heimatinsel Nordstrand fest verwurzelten Carstensen wieder bestätigt.

Dass er die ihm in den Umfragen vorauseilende Simonis überflügeln konnte, war fast eine Sensation. Zu klar schien die SPD vorne zu liegen, zu lang war die Liste von Pleiten, Pech und Pannen, die sich die CDU unter seiner Regie geleistet hatte. Sie reichte von Querelen um das Frauenquorum auf der Landesliste über eine angebliche "Brautschau" via "Bild"-Zeitung bis zur missglückten Präsentation eines Schattenkabinetts. Die Umfragewerte stürzten ab. Im Dezember fiel selbst der geborene Optimist ins Stimmungstief, aus dem er sich dann befreite. Als die Chance am kleinsten schien, nahm Carstensen nach dem Motto "Jetzt erst recht" einen neuen Anlauf. Er gewann das einzige TV-Live-Duell mit Simonis und kurz darauf die Wahl.

Optimistisch bis kurz vor der Wahl

"Ich bin sehr davon überzeugt, dass wir die Wahl gewinnen und stärkste Partei werden", erzählte der hünenhafte Nordfriese drei Wochen vor der Wahl zu Hause im Elisabeth-Sophien-Koog. Es wirkte überzeugend und schien dennoch der Stimmung im Land zu widersprechen.

Den Weg in die Landespolitik fand der verwitwete Vater von zwei erwachsenen Töchtern spät - 2002 mit der Wahl zum Landesvorsitzenden. Zuvor hatte er sich seit 1983 im Bundestag als Agrarspezialist einen Namen gemacht. In dieser Rolle holte ihn auch Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) zur Bundestagswahl 2002 in sein Führungsteam. Im Jahr darauf proklamierte ihn die Nord-CDU zum Spitzenkandidaten.

DPA DPA

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