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Reaktionen auf Dresden-Pöbelein: "Flüchtlinge sind einfacher zu integrieren als diese Demokratie-Verächter"

Sie pöbelten und störten massiv die Feier des Tags der Deutschen Einheit in Dresden. Vor allem Pegida-Anhänger fielen unangenehm auf. Lesen Sie hier die Reaktionen auf die Ereignisse in der sächsischen Hauptstadt.

Pegida Dresden Wiedervereinigung

Pegid-Anhänger demonstrieren in Dresden anlässlich des Tags der deutschen Wiedervereinigung

Pöbelnde Demonstranten haben die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden gestört. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach trotzdem von einem Tag der Freude und Dankbarkeit und rief zu gegenseitigem Respekt auf. Bundestagspräsident Norbert Lammert warb beim Festakt in der Semperoper für ein weltoffenes, vielfältiges und optimistisches Deutschland. "Wir leben in Verhältnissen, um die uns fast die ganz Welt beneidet", sagte er.

Sie riefen "Volksverräter" und "Haut ab"

Die Kanzlerin, Bundespräsident Joachim Gauck und andere Gäste wurden vor dem Festakt von mehreren hundert Demonstranten beschimpft und angepöbelt, darunter vor allem Anhänger des fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses. Sie riefen "Volksverräter", "Haut ab" und "Merkel muss weg". Auch Trillerpfeifen ertönten. Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging.

Und so kommentiert die Presse die gestörte Feiertagsruhe in Dresden:

"Badische Zeitung": "Dresden lässt sich auf der Nase herumtanzen"

Erschreckend und unbegreiflich ist wieder einmal, wie ein Großteil der Dresdner Bürger sich von einer fremdenfeindlichen Minderheit auf der Nase herumtanzen lässt, die den Ruf der Stadt systematisch zerstört. Natürlich gibt es viele Dresdner, die für Demokratie und Weltoffenheit eintreten oder Flüchtlingen helfen. Aber viele aus dem Bürgertum sind sich zu fein zum Demonstrieren. Dresden hätte es in der Hand, Dinge zu ändern und sein Ansehen zu reparieren. Wenn es das denn wollte.

Auf Twitter machte dieser Aufruf die Runde:



Ostthüringer Zeitung: "Pegida hat nichts zu bieten"

Seit Jahren trotten in Dresden Leute montags durch die Straßen und brüllen dabei die kühnlichsten Gedanken. Es ist also keine Überraschung, wenn sie auch am Tag der deutschen Einheit der Welt unbedingt beweisen mussten, dass in einer Halbmillionenstadt auch einige Tausend Deppen wohnen können. Demokratie kann das aushalten. Demokratie muss das aushalten. Die Schreihälse von Pegida und "Festung Europa" indes haben keine Zukunft; vielleicht sind sie deshalb so frustriert. Pegida mit seinem vorbestraften Führer, die kleinen Vorstadt-Nazis aus überschatteten Dresdner Vorstädten sind keine Alternative für Deutschland. Sie haben nichts zu bieten, was auch nur ansatzweise die Probleme Deutschlands, Europas und der Welt lösen könnte.

"Landeszeitung": "Flüchtlinge sind einfacher zu integrieren als diese Verächter der Demokratie"

So beschämend es auch ist, dass pöbelnder Mob einen Feiertag von historischem Gewicht besudeln konnte, so hilfreich ist diese Schmach dennoch. Denn die Einheitsfeier von Dresden entblößte eine neue innerdeutsche Mauer. Sie verläuft nicht einfach zwischen Ost und West, auch wenn dies die bitteren Schlagzeilen der jüngsten Wochen suggerieren. Sondern quer durch die Republik. Die Wut auf die Demokratie ist keine neue Haltung, sondern eine verfestigte. Es dürfte leichter sein, syrische Kriegsflüchtlinge in unsere Demokratie zu integrieren als diese Verächter aller demokratischen Regeln.



"Schwäbische Zeitung": "Abgehängt vom System der Glückverheißung"

Veränderung - inzwischen wird dieses Wort von vielen als Bedrohung empfunden. Die Ängste sind vielfältig - vor dem Fremden, anderen Religionen, Wohlstandsverlust, Kriminalität oder schlicht vor Merkels Flüchtlingspolitik. Dazu kommt, gerade im Osten, die Wahrnehmung, abgehängt zu sein in einem System, das jahrzehntelang eine Glücksverheißung war. Denen, die Politiker als 'Volksverräter' beschimpfen, geht es aber nicht um eine sachliche Auseinandersetzung innerhalb demokratischer Spielregeln. Sie nutzen die demokratische Ordnung, um sich von ihr zu verabschieden."

"Neue Osnabrücker Zeitung": "Deutsche denken immer noch in Ost-West-Kategorien"

Die Pöbeleien rechter Hetzer am Rande der Einheitsfeier in Dresden haben wieder einmal deutlich gezeigt, dass unser Land in vielen Bereichen tief gespalten ist. Zahlreiche Indizien sprechen für eine gescheiterte Integration der neuen Bundesländer, wenn der äußeren nach wie vor keine innere Einheit gefolgt ist. Sicherlich, die Mehrheit der Bundesbürger bewertet die Wiedervereinigung als ein positives Ereignis. Doch gleichzeitig denken noch viele Deutsche in Ost-West-Kategorien, in den alten wie auch in den neuen Ländern. Und die Tendenz der vergangenen Monate lässt auf keine Besserung hoffen. Höhere Einkommen, geringere Arbeitslosigkeit: Es ist gesellschaftliche Realität, dass der Westen seit Jahren ökonomisch besser dasteht als der Osten.


Auch im europäischen Ausland ist Dresden ein Thema:


nik