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SPD in Bayern Stoßgebete für Christian Ude


Öffentlich hat er mit dem Ruhestand geliebäugelt, jetzt will Christian Ude, Münchens OB, doch nochmal das große Rad drehen - als SPD-Kandidat bei der Landtagswahl 2013. Seine Partei ist schon völlig aus dem Häuschen.
Von Tobias Seifert, München

Einmal im Jahr, bei der Eröffnung des Münchner Oktoberfestes, ist der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nur Statist. Diese Show gehört Christian Ude (SPD), dem Münchner Oberbürgermeister. Zwei Hammerschläge braucht er inzwischen nur noch, um den Zapfhahn ins Bierfass zu jagen. Zu dumm, dass Alphatier Seehofer dieses Jahr schon einmal Statist war. Anfang Juli präsentierte Ude in Durban mit charmant-bayerischem Englisch die Münchner Olympiabewerbung. Und Horst Seehofer? Der war zwar vor Ort, aber eben nicht mit auf der großen Bühne.

Bisher mag das Seehofer wenig gestört haben. Er wusste genau: Ude, der mit Abstand populärste Sozi im Freistaat, liebt seinen Job und denkt nicht im Traum daran, in die Landespolitik zu wechseln, trotz vieler Betteleien aus der bayerischen SPD in den vergangenen Jahren. Warum auch? Oberbürgermeister von München zu sein ist ein toller Job: Die Stadt boomt unaufhörlich, das Geld sitzt recht locker, die Bürger sind glücklich - und sie mögen Ude sogar, er regiert seit 1993. Ein politisches Schlaraffenland.

Ude-Mania in der SPD

Dieses Schlaraffenland jedoch muss Christian Ude spätestens 2014 verlassen. In Bayern gibt es eine Altergrenze für die kommunale Ebene und die liegt bei 65 Jahren. Ude, 63, hat stets betont, dass er mit seiner acht Jahre älteren Frau Edith von Welser-Ude irgendwann den Ruhestand genießen will. Aber dann hat es ihn doch gejuckt, noch einmal das große Rad zu drehen. "Vor einigen Monaten gab es ein Treffen zwischen Christian Ude, Franz Maget und mir, bei dem es darum ging, ob Ude als Spitzenkandidat zur Verfügung stünde", sagt Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Landtag zu stern.de. "Schon damals hat Ude das nicht rundherum abgelehnt, sondern sich Bedenkzeit erbeten."

Damit ist es vorbei, dafür sorgte Florian Pronold, Chef der Bayern-SPD, vor einer Woche. In einem Gespräch mit dem Münchner Merkur sagte er über die kommende Landtagswahl: "Ude ist der bekannteste, bedeutendste und beliebteste Politiker, den die bayerische SPD hat." Deswegen sei Ude einer von sechs, sieben möglichen Kandidaten. Allein: In der Sekunde nach Drucklegung des Interviews sprach niemand mehr von den möglichen Kandidaten. Aber alle bejubelten Ude, es sei in der Partei eine "regelrechte Eurphorie ausgebrochen", sagt Rinderspacher. Ude selbst dementierte nicht. Im Gegenteil: Er steht zur Verfügung und will noch im Herbst von seiner Partei eine Entscheidung.

Konkurrenz? Nicht in Sicht

Die Entscheidung kann kaum noch gegen Ude ausfallen, wenn er die Kandidatur will - die drei möglichen Gegenkandidaten Ulrich Maly, Markus Rinderspacher und Florian Pronold sind keine echte Konkurrenz. Maly macht als Oberbürgermeister von Nürnberg bella figura, ist aber in weiten Teilen Bayerns unbekannt. Rinderspacher, hat sich zwar schnell einen guten Ruf erarbeitet, sitzt aber erst seit drei Jahren im Landtag. Außerdem hat Rinderspacher bereits die Waffen gestreckt: "Die Bayern-SPD wäre stolz, mit Christian Ude an der Spitze in den Landtagswahlkampf 2013 zu ziehen", bestätigte er stern.de.

Und Florian Pronold? Der 38-jährige Bundespolitiker, der politisch linksaußen gestartet ist, gilt mittlerweile in Parteikreisen als Karrierist und Wendehals. Vor allem die bayerische Basis wird nicht so richtig warm mit ihrem neuen Vorsitzenden, der den populären Ludwig Stiegler - Markenzeichen roter Pulli - abgelöst hat. Ein Spitzengenosse vermutet im Gespräch mit stern.de sogar, dass Pronold mit dem Merkur-Interview ein Eigentor geschossen hat. Er habe darauf spekuliert, dass Ude doch noch ablehnen würde - dann nämlich wäre alles auf ihn zugelaufen. Pronold äußert sich dazu nicht, er weilt momentan auf Kuba.

Seehofer wandert - nachdenklich

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer macht Urlaub - ganz heimatverbunden wandert er durch das Altmühltal. Offziell will er die Zeit nutzen, um über politische Inhalte und Strategien nachzudenken. Vermutlich denkt er auch viel über Christian Ude nach. Bayern wird in zwei Jahren einen Kampf der Alphatiere erleben - Volkskönig Seehofer gegen Volkskönig Ude. Zwar dümpelt die SPD weiter in Umfragen unter 20 Prozent - Ude könnte es aber in einem Bündnis mit den Grünen und den Freien Wählern schaffen, die CSU in die Opposition zu schicken. Es wäre nach der Wahl in Baden-Württemberg die nächste Zeitenwende im ehemals tiefschwarzen Süden.

Die Grünen in Bayern sprechen von einem geschickten Schachzug der SPD und begrüßen die Ude-Kandidatur: "Nur mit einer starken SPD haben wir die Chance auf einen Regierungswechsel", sagt der grüne Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann stern.de. Auch Rinderspacher wittert Morgenluft. "Mit Christian Ude haben wir definitiv eine Siegchance." Wenn Seehofer Kandidat der CSU bleibt, müsste er eigentlich noch hinzusetzen.

Wenn.


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