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Stallwächterparty: Merkel stattet Baden-Württembergern einen Besuch ab

Bei ihrem Besuch auf der Stallwächterparty hatte die Kanzlerin warme Worte übrig. Grünen-Regierungschef Kretschmann kann sich die traditionelle Party in Berlin leisten, will aber sonst nichts abgeben.

Wer eine so große Party in Berlins bester Lage schmeißt, dem kann es doch eigentlich nicht so schlecht gehen. Doch Winfried Kretschmann will davon nichts hören. Nein, Baden-Württemberg sei längst nicht mehr so reich wie früher, alles andere "sei ein weit verbreiteter Irrtum", erklärt der grüne Regierungschef am Donnerstagabend treuherzig. Nach dem Länderfinanzausgleich sei die Kasse in Baden-Württemberg genauso leer wie in anderen Ländern.

Vor knapp 1500 Gästen in der baden-württembergischen Landesvertretung stieg am Donnerstagabend eine der größten Sausen im Berliner Polit-Sommer. Im Publikum saßen nicht nur Kanzlerin Angela Merkel (CDU), sondern auch Torsten Albig und Kurt Beck. Die beiden SPD-Regierungschefs aus Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz bekommen immerhin beide Geld aus dem Finanzausgleich.

Die traditionelle Stallwächterparty - immerhin noch mit feinsten Bio-Leckereien - könne man sich nur noch wegen der Sponsoren leisten, sagte Kretschmann. Aber man habe den Gürtel enger geschnallt - früher waren schon mal 2500 Gäste da.

"Werden Sie nicht so schnell so alt, dass sie nichts mehr schaffen."

Merkel, die für eine halbe Stunde vom benachbarten Kanzleramt vorbei kam, nahm Kretschmanns Klage über die Finanzmisere auf und stichelte ein klein wenig gegen Grün-Rot im Ländle. Zuerst gratulierte sie zum 60. Geburtstag des Landes - und fügte dann hinzu: "Dass Sie mit 50 noch reich waren, wissen wir." Was sie nicht sagte: Da hat in Baden-Württemberg auch noch die CDU regiert.

Und die CDU-Chefin legte nach: Sie finde es gut, dass Baden-Württemberg anders als das hoch verschuldete Land Berlin seine Feste noch selbst bezahle. Doch die Kanzlerin weiß auch, dass es ohne die Finanzkraft der Baden-Württemberger schwierig wird für Deutschland, die europäische Finanzkrise zu bewältigen. Mit Blick auf das 60. Jubiläum sagte sie: "Werden Sie nicht so schnell so alt, dass sie nichts mehr schaffen." Zum Schluss legte sie noch ein pathetisches Bekenntnis ab: "Deutschland braucht sie, liebes Baden-Württemberg."

Die Stallwächterparty war auch in diesem Jahr ein Stelldichein der Promis: Am Tisch der Kanzlerin saßen außer Kretschmann, Albig und Beck auch noch Forschungsministerin Annette Schavan (CDU), Regierungssprecher Steffen Seibert, Landesfinanzminister Nils Schmid mit seiner Frau Tülay, Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, die Grünen-Fraktionsvorsitzenden #link;www.stern.de/politik/deutschland/renate-kuenast-90294401t.html;Renate Künast# und Jürgen Trittin und ihr SPD-Kollege Frank-Walter Steinmeier.

Die Stallwächterparty hat eine lange Tradition und fand vor 48 Jahren erstmals in Bonn statt: Damals lud Minister Adalbert Seifriz in der Sauren-Gurken-Zeit während der parlamentarischen Sommerpause "Stallwächter" aus Ministerien, Fraktionen und Pressebüros zu einer Gartenfete ein. Doch von Sommerpause kann diesmal noch keine Rede sein, denn die politische Arbeit geht ungebremst weiter: Schon am Freitagmorgen müssen viele Politiker wieder in den Bundesrat.

Henning Otte, DPA / DPA