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Steven Sotloff von IS ermordet: "Er wollte immer nur den Schwachen helfen"

Als die IS-Kämpfer James Foley umbrachten, drohten sie auch mit dem Tod von Steven Sotloff. Nun enthaupteten sie den US-Journalisten. Wer ist der Mann, der sein Leben im Nahen Osten aufs Spiel setzte?

Mit dem grausamen Enthauptungs-Video des US-Journalisten James Foley veröffentlichten die Dschihadisten des IS (Islamischer Staat) im August auch ein Bild, das einen weiteren Journalisten in der Hand der Terroristen zeigte: Steven Sotloff. Er galt seit 2013 in Syrien als vermisst. Die Dschihadisten drohten damit, auch ihn zu ermorden, sollten die USA ihre Luftangriffe auf Basen der IS im nördlichen Irak nicht unterbinden.

Nun ist es zu spät. Wie ein am Dienstag verbreitetes Video zeigte, ist auch Sotloff von den Extremisten brutal ermordet worden. Die USA bestätigten die Echtheit des Videos.

Wer war Steven Sotloff?

Der 31-jährige Steven Sotloff aus dem US-Staat Florida arbeitete als freier Journalist. Schon zu Schulzeiten galt sein Interesse dem Journalismus, schrieb die High School "Kimball Union Academy" in New Hampshire am Dienstag in einer Mitteilung. Sotloff besuchte die Schule zwei Jahre bis zu seinem Abschluss im Jahr 2001.

Er engagierte sich für die Schülerzeitung, in der studentischen Fachschaft, spielte Football und Rugby und trat in Musicals auf.

Als Sotloff im Jahr 2011 im Zuge des Arabischen Frühlings nach Libyen ging, hielt er engen Kontakt mit seiner Schule, hieß es weiter. In E-Mails schilderte er eingehend von seinen Erfahrungen. Ein Jahr später hielt er auf dem Campus einen Vortrag über seine Reise. "Sein Tod ist ein schrecklicher Verlust, gleichzeitig sind wir stolz auf sein großes Vermächtnis", wird der Präsident der Schule zitiert. "Er setzte sich dafür ein, die Welt zu einem besseren Ort zu machen."

"Einfach ein guter Mensch"

Nach seinem Schulabschluss hatte Sotloff Journalistik an einer Universität in Florida studiert und Arabischunterricht genommen. In dieser Zeit habe sich sein Wunsch formiert, in den Nahen Osten zu reisen, zitiert CNN einen engen Freund. Er beschrieb den Journalisten als "jemanden, den man in seinem Freundeskreis haben will - einfach ein guter Mensch".

Im Zuge seiner Arbeit reiste Sotloff unter anderem in den Jemen, die Türkei, nach Saudi Arabien, Katar und Syrien. Er schrieb als freier Journalist für diverse US-Medien, darunter das "Time Magazine", die Fachzeitschrift "National Interest" und die Wochenzeitung "Christian Science Monitor". Im August 2013 wurde er im Norden Syriens verschleppt - nur wenige wussten davon. Seine Familie habe die Entführung geheim halten wollen, berichtete CNN. Sie habe negative Konsequenzen befürchtet, sollte die Öffentlichkeit davon erfahren.

Sotloffs Mutter schickte Video-Botschaft

Doch seitdem Sotloff im Enthauptungs-Video von James Foley gezeigt worden war, war sein Fall bekannt. Unterstützer richteten anschließend über die Webseite des Weißen Hauses eine Petition an US-Präsident Barack Obama, in der sie ihn aufforderten, sich für das Leben des Journalisten einzusetzen. Mehr als 11.000 Menschen unterschrieben.

Dann reagierte auch Shirley Sotloff, die Mutter von Steven, mit einer Video-Botschaft. Sie bat den Anführer des IS um Gnade für ihren Sohn. "Steven reiste in den Nahen Osten, um über das Leiden der Muslime zu berichten, die sich in den Händen von Tyrannen befanden", sagte sie. "Er wollte immer den Schwachen helfen". Auch bat Shirley Sotloff die Terroristen, ihren Sohn nicht für die Politik der US-Regierung zu bestrafen. "Er ist ein unschuldiger Journalist." Das Video war erst vor einer Woche veröffentlicht worden.

Kim Schwarz