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IS-Opfer David Haines: Obama: Enthauptungen sind Anlass für Militäreinsatz

Als "strategischen Fehler" hat Barack Obama die Morde an westlichen Geiseln durch die Terrormiliz IS bezeichnet. Die USA seien wütend und bereit zu Militärschlägen. In Paris werben sie um Verbündete.

Auf Einladung von Frankreichs Präsident François Hollande und seines irakischen Amtskollegen Fuad Masum kommen heute Minister und Vertreter aus rund 20 Ländern in die französische Hauptstadt. Die internationale Konferenz befasst sich mit der Lage im Irak nach dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Am Samstag hatte die Miliz ein Video mit der Ermordung einer dritten westlichen Geisel, des Briten David Haines, im Internet veröffentlicht.

Über die genaue Zusammensetzung der Runde und den Ablauf der Tagung gab es in Paris keine Angaben. So waren Frankreich und die USA angeblich uneins, ob ein Vertreter des Irans in der Runde dabei sein sollte. Für die USA hatte sich Außenminister John Kerry zuletzt "äußerst bestärkt" gezeigt durch die Zusagen anderer Länder, die USA im Krieg gegen die IS-Terrormiliz militärisch zu unterstützen. Nach Angaben von US-Beamten sind mehrere arabische Staaten bereit, Luftangriffe gegen die Extremisten im Irak zu fliegen, berichteten US-Medien.

Obama reagiert wütend auf Morde

US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Enthauptung entführter Geiseln als strategischen Fehler der Terrormiliz. In der Wut über diese Morde hätten sich die Amerikaner schnell für einen Militäreinsatz gegen die Extremisten ausgesprochen, zitierte die "New York Times" den Präsidenten am Sonntag. Das Blatt berief sich dabei auf Teilnehmer eines Treffens, das schon am Mittwoch stattgefunden habe. Obama sagte demnach, dass er den Extremisten empfohlen hätte, die Geiseln am Leben zu lassen. Bei dem Treffen habe er auch klargestellt, dass er bereits vor dem Tod der enthaupteten US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff dazu geneigt habe, auf die Gräueltaten des IS militärisch zu antworten.

Keine Bodentruppen, keine Allianz mit Syrien

Kerry fühlt sich "äußerst bestärkt" durch die Zusagen anderer Länder, die USA im Krieg gegen die Terrormiliz militärisch zu unterstützen. Staaten inner- und außerhalb der Region seien bereit, sich militärisch an Schlägen zu beteiligen, sagte Kerry in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit CBS. Einige Länder hätten die Entsendung von Bodentruppen angeboten, was die USA jedoch ablehnten. Zudem seien einige Staaten in Abstimmung mit Washington zu Luftangriffen bereit. Eine Zusammenarbeit mit Syriens Präsident Baschar al Assad schloss Kerry aus.

Mit der gefilmten Enthauptung einer weiteren westlichen Geisel hat die Terrormiliz dem Westen den Kampf angesagt. Ein Internetvideo zeigt die Ermordung des 44-jährigen britischen Entwicklungshelfers Haines, der im März 2013 in Syrien verschleppt worden war. Die Extremisten nannten die Bluttat eine Vergeltung für britische Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak, die dort gegen den IS kämpfen.

Obama will IS vernichten

Die britische Regierung hält die Aufnahmen für echt. Premierminister David Cameron sprach von einem "Akt des absolut Bösen" und kündigte eine Jagd auf die Mörder an. Nach einer eilig einberufenen Sitzung seines Sicherheitskabinetts vermied er aber eine Aussage darüber, ob sich Großbritannien an Luftangriffen der USA gegen den IS beteiligt. "Sie sind keine Muslime, sie sind Monster", sagte Cameron und warnte vor IS-Terrorismus auch in Europa.

Obama bekräftigte, Amerika und seine Verbündeten würden den IS "vernichten". Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "menschenverachtenden Tat", die geahndet werden müsse. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, die Organisationen IS, Hamas, al Kaida, al Nusra, Boko Haram und Hisbollah seien alle "Zweige desselben giftigen Baums". Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den "abscheulichen und feigen Mord" scharf.

Die IS-Extremisten, deren Streitmacht nach Schätzungen mehrere Zehntausend Kämpfer angehören, beherrschen weite Landstriche in Syrien und im Irak. Für ihr "Kalifat" kämpfen auch Hunderte Konvertiten aus Europa und den USA.

In den vergangenen vier Wochen hatte die Sunnitenmiliz ähnliche Videos mit der Enthauptung der ebenfalls seit 2013 in Syrien verschleppten US-Journalisten Steven Sotloff und James Foley gezeigt. Darin wurde jeweils das nächste Enthauptungsopfer angekündigt und vorgeführt. So auch diesmal: Laut IS soll ein weiterer Brite sterben.

Die USA umwerben Großbritannien und andere westliche Staaten, sich an Luftangriffen im Irak und künftig auch in Syrien auf den IS zu beteiligen. Australien ist schon dabei - und entsendet 600 Soldaten sowie Kampfflugzeuge des Typs Super Hornet, wie Premierminister Tony Abbott erklärte. Die Australier sollen in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert werden. Die Bundesregierung schließt derzeit aus, die Bundeswehr im Kampf gegen den IS einzusetzen.

swd/DPA / DPA