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Tausende demonstrieren gegen Atomkraft Menschenkette gegen AKW-Laufzeitverlängerung


Hand in Hand über eine Strecke von 45 Kilomteter: So haben am Samstag zehntausende Menschen gegen die Atompolitik der Koalition und für den Ausstieg aus der Kernenergie demonstriert. Der Protest stand unter dem Eindruck des Rekatorunfalls in Japan.

Mit einer Menschenkette vom Reaktor Neckarwestheim bis nach Stuttgart haben zehntausende Menschen gegen die Atompolitik der Koalition in Berlin sowie der baden-württembergischen Landesregierung demonstriert. Aufgerüttelt durch die Katastrophe im japanischen Kraftwerk Fukushima beteiligten sich deutlich mehr als die 40.000 Menschen, mit denen die Organisatoren gerechnet hatten.

Nach Angaben der Polizei schlossen sich rund 50.000 Menschen zu der 45 Kilometer langen Kette zusammen, die Organisatoren sprachen gar von 60.000 Teilnehmern. Mitorganisator Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" erklärte, angesichts der Ereignisse in Japan steige die Empörung über die Atompolitik, weil die Regierung unbeirrt an der Risikotechnologie festhalte. "Angela Merkel und Stefan Mappus werden merken: Wer Laufzeiten verlängert, verkürzt seine Regierungszeit", warnte Stay zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg.

Unter dem Motto "Atomausstieg in die Hand nehmen" bildeten die Teilnehmer auf der gesamten Strecke eine geschlossene Menschenkette. Unter den Demonstranten waren auch die Grünen-Bundesvorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir sowie die Spitzenkandidaten zur baden-württembergischen Landtagswahl von SPD und Grüne, Nils Schmid und Winfried Kretschmann.

Die Aktion sei ein klares Signal für die neue Landesregierung, sich für den raschen Atomausstieg einzusetzen und einen Richtungswechsel in der bundesweiten und baden-württembergischen Energiepolitik einzuläuten, sagte die Vorsitzende des BUND-Landesverbands, Brigitte Dahlbender. Zu der Aktion hatten fünf Anti-Atom- und Umweltschutzorganisationen aufgerufen.

Die Proteste gegen die Atomkraft haben seit 2009 und den Diskussionen über einen Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg wieder verstärkt Zulauf. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl im September 2009 demonstrierten 50.000 Menschen in Berlin gegen die Atomkraft. Im April 2010 bildeten rund 120.000 Atomkraft-Gegner eine 120 Kilometer lange Menschenkette vom Reaktor Krümmel in Schleswig-Holstein quer durch Hamburg bis zum AKW Brunsbüttel.

Kurz nach der Einigung der Bundesregierung mit den Kraftwerksbetreibern über eine Laufzeitverlängerung hatten Zehntausende im September 2010 das Regierungsviertel in Berlin umzingelt. Und vor zwei Wochen demonstrierten mehrere tausend Menschen in 40 deutschen Städten gegen die Atompolitik.

Die Protestaktion stand unter dem Eindruck des Atomunfalls in Japan und der Landtagswahl am 27. März. Sie war bereits vor Monaten terminiert worden. Im rund 45 Kilometer entfernten Neckarwestheim nahmen die Atomkraftgegner den von ihn geforderten Atomausstieg symbolisch selbst in die Hand. Sie zogen einen überdimensionalen Stecker und stöpselten ihn in ein Windrad.

liti/DPA/Reuters DPA Reuters

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