Vermittlung Gefangenenaustausch hat begonnen


Auf dem Köln-Bonner Flughafen hat der Gfangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz begonnen. Der Geschäftsmann Tannenbaum und die Leichen dreier israelischer Soldaten werden gegen 400 arabische Häftlinge ausgetauscht.

Ein von Deutschland vermittelter Gefangenenaustausch im Nahostkonflikt ist am Donnerstag bei Köln in die letzte Runde gegangen. Eine Stunde vor Sonnenaufgang landeten ein aus Beirut kommender Airbus der Bundesluftwaffe sowie eine Boeing 707 der israelischen Luftwaffe auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn. Dies war das Startsignal für eines der größten Tauschverfahrens in der Geschichte des Konflikts: Israel gibt 436 Gefangene frei und erhält dafür einen als Geisel genommenen Geschäftsmann und die Leichen dreier Soldaten.

Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau sagte im "Morgenmagazin", der Ringtausch sei politisch bedeutsam für Deutschland. Zuvor hatte Uhrlau Iran für dessen Rolle beim Zustandekommen des Austauschs gewürdigt, der von hochkarätigen Vertretern der Bundesregierung begleitet werden soll.

Von langer Hand vorbereitet

Der Austausch war von langer Hand vorbereitet worden. Dazu nutzte die Bundesregierung ihre über Jahre aufgebauten Kontakte in der Region. Deutschland ist seit Anfang der 90er Jahre als Vermittler in Austauschverfahren zwischen den Konfliktparteien eingeschaltet.

Die beiden Flugzeuge in Köln-Wahn wurden unmittelbar nach der Ankunft in einen Hangar gerollt und Seite an Seite geparkt. Die israelische Maschine hatte noch am Vortag israelische Gerichtsmediziner und Geistliche nach Köln geflogen, die bei der Identifizierung getöteter israelischer Soldaten eine entscheidende Rolle spielen sollen.

Ein Deutscher ist unter den Gefangenen

Jetzt hatte die israelische Maschine 35 arabischen Gefangene und den als Helfer der Hisbollah verurteilten Deutschen Steven Smyrek an Bord, die nach Libanon zurücktransportiert werden sollen. Die prominentesten Gefangenen an Bord sind die libanesischen Guerillakämpfer Mustafa Dirani und Scheich Abdul Karim Obeid. Vermutlich für den Rücktransport nach Libanon wurde die zweite Bundeswehrmaschine in den Hangar gerollt.

In der ersten Bundeswehrmaschine, die aus Beirut gekommen war, befanden sich der israelischen Geschäftsmann Ehanan Tannenbaum sowie die Särge mit drei im Jahr 2000 in Libanon umgekommenen israelischen Soldaten. Das Flugfeld war mit einem Großaufgebot von Feldjägern und Zivilkräften abgeriegelt. Hunde und Nachtsichtgeräte wurden eingesetzt. Weder Bundesregierung noch Bundeswehr äußerten sich zunächst zu Details der Abläufe.

Selbstmordanschlag in Jerusalem

Unmittelbar nach der Landung in Köln-Wahn wurde Jerusalem von einem weiteren Selbstmordanschlag erschüttert. Die Bombe nur etwa 15 Meter vom Amtssitz von Ministerpräsident Ariel Scharon tötete mindestens zehn Menschen und verletzte etwa 30 weitere zum Teil schwer. Die israelische Regierung will nach Sprecherangaben an dem mit der Hisbollah vereinbarten Austausch festhalten. Der Sprecher des Außenministeriums, Jonathan Peled, sagte: "Wir lassen weitere 400 Palästinenser schweren Herzens frei, weil wir wissen, dass diese 400 sehr schnell in den Kreislauf der Gewalt zurückkehren werden."

Die von Peled erwähnten 400 Palästinenser sollen von Israel aus direkt nach Gaza und in das Westjordanland entlassen werden, sobald die israelischen Experten auf dem Flugplatz Köln-Wahn etabliert haben, dass die aus Beirut eingeflogenen Leichen tatsächlich die sterblichen Überreste der im Jahr 2000 getöteten israelischen Soldaten sind. Bei positivem Ablauf des Austauschs übergibt Israel an seiner Nordgrenze auch die Leichen von 59 getöteten libanesischen Kämpfern.


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