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Verteidigungsminister de Maizière in Afghanistan: Deutscher AWACS-Einsatz rückt näher

Erster Truppenbesuch für Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Afghanistan. Der CDU-Politiker lobte die Arbeit der Bundeswehrsoldaten vor Ort und sprach ihnen Mut zu. Die vom Bundestag genehmigten AWACS-Aufklärungsflüge sollen schon in Kürze beginnen.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat bei seinem Antrittsbesuch in Afghanistan den baldigen Beginn der geplanten AWACS-Aufklärungsflüge über dem Land angekündigt. "Das ist eine Frage von Tagen, nicht Wochen", sagte er am Samstag in der Hauptstadt Kabul. Den in einem Außenposten im Februar bezeichnete der Minister als "tragischen Zwischenfall" und "Einzelfall".

Die Besatzungen der AWACS-Flugzeuge sollten so schnell wie möglich an den Hindukusch geschickt werden, sagte de Maizière. "Die Vorbereitungen laufen." Am Freitag hatte der Bundestag für den Einsatz deutscher Soldaten bei den AWACS-Flügen der NATO über Afghanistan votiert. Deutschland will damit die am Libyen-Einsatz beteiligten Bündnispartner entlasten.

In Kabul traf de Maizière Staatschef Hamid Karsai, den afghanischen Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak sowie den Oberbefehlshaber der NATO-Afghanistantruppe ISAF, David Petraeus. Zudem besuchte er während seiner Reise Bundeswehrsoldaten in Kabul, Masar-i-Scharif, Kundus und Faisabad. Am Sonntag kehrt de Maizière zurück. Der Minister kündigte an, künftig oft nach Afghanistan reisen zu wollen.

Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und afghanischen Einsatzkräften bezeichnete de Maizière in Kabul als "Schlüssel zum Erfolg". "Wir sehen, dass dieses Jahr sehr wichtig ist." Die NATO will ab Juli die ersten Städte und Provinzen an Afghanistan übergeben, darunter auch Masar-i-Scharif, wo sich das von der Bundeswehr geführte ISAF-Regionalkommando Nord befindet.

Lob für deutsche Soldaten

De Maizière sagte in seinen Gesprächen habe er sehr viel Lob für die Bundeswehr erhalten. "Das ist auch eine Verpflichtung für die Zukunft." Er dankte den deutschen Soldaten für ihren Einsatz, für den es "große Anerkennung und Unterstützung" in der deutschen Bevölkerung gebe, warnte aber zugleich vor weiteren Verlusten. Auch Petraeus würdigte die Erfolge der Bundeswehr.

Vor Soldaten in Masar-i-Scharif sprach de Maizière von einem "Einsatz wie im Krieg". "Hier ist vieles von dem, was Sie tun, ein Einsatz wie im Krieg", sagte er. Wenn ein Staat von Bürgern verlange, ihr Leben einzusetzen, sei dies "das Höchste, was man überhaupt verlangen kann". Nach dem Winter werde sich zeigen, wie die Taliban auf die Erfolge der ISAF reagierten.

Masar-i-Scharif besonders wichtig

Bei einem Treffen mit Soldaten im deutschen Feldlager Kundus nannte de Maizière die Provinz am Sonntag einen "Schlüsselbereich". "Kundus ist sicherlich militärisch gesehen eine große Herausforderung", sagte der CDU-Politiker. Nach der Verdrängung der Taliban aus einigen Gebieten solle eine friedliche Entwicklung in Gang gesetzt werden.

Auch zu dem Amoklauf eines afghanischen Soldaten im vergangenen Monat äußerte sich de Maizière in Kabul: "Dieser tragische Zwischenfall ist ein Einzelfall." Im Februar waren dreu deutsche Soldaten in einem Außenposten in der Provinz Baghlan getötet und sechs weitere verletzt worden. Seit 2002 wurden am Hindukusch insgesamt 30 Bundeswehrsoldaten getötet.

Zivile Opfer bei NATO-Angriff

Die afghanischen Behörden meldeten unterdessen erneut zivile Opfer durch einen NATO-Luftangriff. Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Helmand, Muhammad Gulab Mangal, starben sieben Zivilisten, darunter drei Kinder, bei einem Angriff auf ein Auto mit Aufständischen. Die NATO bestätigte den "Unfall" und bedauerte diesen.

cjf/AFP/DPA / DPA